Roman-Umschlag



Roman
NANINA
   Die Nebel der Apokalypse
(ab 2. April im Buchhandel)




Essays
Das Dritte Zeitalter der Menschheit
Essays zum Projekt Zukunft
(bereits erschienen)
essays-umschlag

   
   
   
 
Herzlich Willkommen
auf der Internetseite zum Roman
NANINA - die Nebel der Apokalypse

Männer sind aggressiv, gewalttätig und behaart.
Sind sie noch zu retten?

Besonders während der Beschreibungen der Gesellschaft im Post-Mann-Zeitalter kann die Autorin auftrumpfen, und in gelungener Weise beschreibt sie eine so ganz andere Welt, die allerdings trotz aller Friedlichkeit auch von Stagnation und Verfall geprägt ist...
Mutig traut sich die Autorin an Themen heran, die in der SF bislang nur wenig Beachtung gefunden haben...
(aus einer Rezension von Rupert Schwarz)

Es ist ein Buch, das eine neue Gesellschaft beschreibt und letztlich auf ein gutes Ende hinausläuft...
(aus einer Rezension von Erik Schreiber)

Exposé

Genre: Gesellschaftskritische SF, Dystopie

Exposition:

Die Welt nach der Apokalypse

Tomas hat den Kollaps der Gesellschaft in einem Bauernhaus eines zerstörten Dorfes überlebt. Dass er dort überleben konnte, verdankt er seinem Onkel, der dieses Haus mit Vorräten und Überlebenseinrichtungen versehen hat. Da Tomas sehr zurückgezogen lebt, ist die gesellschaftliche Entwicklung der Post-Apokalyptischen Zeit an ihm vorübergegangen.

Kurzinhalt:
Nahezu Tausend Jahre sind nach der verheerenden Apokalypse der Menschheit vergangen. Die Gesellschaft ist stabil, nahezu frei von Gewalttätigkeit und Aggression, sie kommt nun ohne den Beitrag des männlichen Geschlechtes zur Reproduktion aus.
Auf einer Inselgruppe im Atlantik, abgeschirmt von der übrigen Zivilisation wird an einer Wildcard der Evolution, an einer höchst unwahrscheinlichen Wendung in der Entwicklung der Menschen gearbeitet.
Ist diese Forschung auch willkommen oder gefährdet sie die Stabilität der gesamten monogeschlechtlichen Menschheit?
Nanina, die in einem einsamen Blockhaus mit zwei anderen Kindern isoliert aufwächst, könnte es erfahren. Sie gehört zu einem geheimen Genpool, der endgültig aufgelöst und vernichtet werden soll. Doch es gibt mehrere Interessenten für die aus den genetischen Experimenten entstandenen Kinder.

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Interview 2007 für das Internetforum www.forum.politik.de

 Fragen:

1. Wie bist du aufgewachsen: Familie, Geschwister, Schulen, Ausbildungen, Beruf, Arbeit etc?

Aufgewachsen bin ich ohne Geschwister in einem reinen Frauenhaushalt bei meiner Oma und der Geld verdienenden Mutter. Das Haus, in dem wir wohnten, lag am Rande eines Waldes und hatte einen kleinen Garten. Ich würde die Verhältnisse heute als ärmlich bezeichnen, was mich als Kind damals nicht störte.
Die Schule war in der Stadt und dahin fuhr ich jeden Tag mit dem Fahrrad. Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel waren unsere Fortbewegungsmittel.
Nach dem Abitur verließ ich diese Idylle. Meine Oma starb, als ich 16 , meine Mutter, als ich 25 Jahre alt war.
Ich studierte eine naturwissenschaftlich-technische Fachrichtung und blieb danach an der TU um dort nach vier Jahren zu promovieren. Nach Abschluss meiner Dissertation heiratete ich und kurz darauf wurden unsere beiden Söhne geboren. Die Betreuung der Kinder haben wir uns beide geteilt. Danach ging ich in die Entwicklungsabteilung eines großen Konzerns, um die während meiner Uni-Zeit am Computer entwickelten Methoden und Programme erfolgreich  in die "Praxis zu überführen".

Wiederum nach vier Jahren wechselte ich erneut zu einer Uni, um dort an einer Habilitation zu arbeiten. Wir hatten das Glück, beide an derselben Uni zu sein.
Eigentlich wunderschön, wenn beide Partner eine solche Lebensstellung haben.
Aber der akademische Betreib kann auch langweilig werden. Es gibt ja noch so viele interessante andere Bereiche im Leben. Wir sagten beide der Uni ade.

Meine inzwischen vierköpfige Familie verließ die Stadt und wir kauften ein Haus auf dem Land. Neben dem Hausgarten pachteten wir noch so etwas wie eine Wiese nebst einem Acker und begannen uns auf Selbstversorger umzustellen. Vielleicht auch wegen der "besseren Nahrungsmittel" für die Kinder.
Wir pflanzten Kartoffeln, was die dort ansässigen Wildschweine ganz toll fanden und züchteten Gemüse. Die Wiese versorgte unsere Kaninchen mit Gras und Heu. Im Hausgarten liefen schöne weiße Pekingenten herum.
Das Schlachten dieser Tiere hatten wir uns dann doch einfacher vorgestellt. Das war dann letztendlich der Grund dafür, diese Lebensweise wieder aufzugeben.

Damals setzten wir uns gemeinsam sehr stark für den Umweltschutz ein und hatten eine Zeit lang die Absicht, nach Neuseeland auszuwandern, der Umwelt wegen.
In dieser Zeit absolvierte ich extern ein Literaturstudium und begann zu schreiben. Der Arbeitstitel des ersten Romans hieß sinnigerweise "Das Haus". Ich fand einen namhaften Verlag dafür, aber die Lektorin wollte so viele Änderungen, dass ich nicht mehr weiter schrieb.
Irgendwann werde ich das Thema noch einmal aufnehmen.

Langsam wurden wir beruflich selbständig und zogen wieder in die Stadt. Dann kauften wir erneut ein Bauernhaus auf dem Land. Der Garten ist jetzt allerdings viel kleiner und eher ein Ziergarten. Aber letztes Jahr habe ich wieder angefangen, etwas Gemüse anzubauen, weil das auch in meinem Roman vorkommt.

 2. Wie lebst Du jetzt?: Arbeit, Freizeit, Familie?

Das Entwerfen und Entwickeln von Computerprogrammen beschäftigt mich noch immer, daneben habe ich aber auch verschiedene Bereiche der Psychologie erkundet und betätige mich auch als Coach.

Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, habe ich auch wieder mit dem Schreiben angefangen. 

In der Freizeit reisen wir gern, allerdings nur noch zu zweit. Wir besuchen unsere Söhne gern und sie uns, obwohl sie weit weg wohnen. Wir haben begonnen, auch Sachbücher zu schreiben. Daneben gehen wir ins Kino und lesen Bücher.

Das Internet belegt auch einen nicht mehr zu vernachlässigenden Teil unserer Freizeit.

  3. Welche Bücher hast Du in letzter Zeit so gelesen und weshalb. Welche Bücher/Autoren haben Dich in Deinem Leben am meisten beeinflusst.

 Das letzte Buch, das ich las war "Harry Potter". Es reicht auch. Ich könnte wahrscheinlich keinen  8. Teil mehr lesen. Davor habe ich den "Gotteswahn" von Dawkins gelesen, davor "Die Welt ohne uns"  von Weisman….

Natürlich habe ich in letzter Zeit Bücher gelesen, die mit dem Thema "Welt ohne Männer" meines Romans zu tun haben. Die letzten waren "Yin" von Akif Pirincci, ein anfangs recht witziges, später dann ekliges und zum Schluss ein für mich nicht nachvollziehbares Buch. Außerdem passen da noch Elisabeth Vonarburg: "Die Maerlande Chroniken", etwas zu umfangreich und für mich auch zu breit geschrieben. Das möge genügen, ich will ja hier keine Bücherliste generieren.

Beeinflusst hat mich in der Jugend vor allem die SF-Literatur, hier wäre Stanislav Lem hervorzuheben. Parallel dazu haben mir die Romantiker und besonders Eichendorf gefallen.

Von Dostojevski ist mir noch "Der Idiot" in guter Erinnerung und von Thomas Mann "Joseph und seine Brüder".

Besonders hervorheben möchte ich Goethes "Faust" und "Doktor Faustus" von Thomas Mann. Die beiden Bücher waren meine Prüfungsthemen im Literaturstudium in der Klassischen Deutschen Literatur. Eine Zeitlang habe ich auch viel Hermann Hesse gelesen. Saul Bellows "Herzog" hat mich ebenfalls inspiriert.

4. Gibt es Menschen, die Du bewunderst und weshalb? Kannst Du, wenn vorhanden, mal ein paar nennen?

Menschen, die ich bewundere sind Galileo Galilei, Giordano Bruno, Caroline Herschel, Liese Meitner und noch viele andere.

Galilei war mutig und klug zugleich, einer nahezu allmächtigen Institution wie der Kirche die Stirn zu bieten.

Giordano Bruno hatte Visionen über die Zukunft und den Mut, sie auszusprechen.

Caroline Herschel stand als Frau ganz im Schatten ihres Bruders Wilhelm und hat doch genau so viel geleistet. Es waren noch keine guten Zeiten für Frauen in der Wissenschaft.

Lise Meitner liebte die Physik und war Pazifistin.


5. Wie bist Du auf das Politikforum gestoßen? Und weshalb schreibst Du hier, also was ist Deine Intention oder Motivation? Wie findest Du das Politikforum?

 Angefangen habe ich mit der "Kopftuch-Debatte" und der öffentlichen Zur-Schau-Stellung von religiösen Symbolen. 

Wie ich auf das Politforum gestoßen bin, kann ich nicht mehr genau sagen.

Was ich an diesem Forum gut finde ist die Vielfalt und Aktualität der Themen. Manchmal ist es etwas oberflächlich, aber das sind andere Foren ja auch.

Solche relativ freien Foren haben auch etwas Evolutionäres an sich: In einem großen Haufen mit viel Mist kann sich auch manchmal wirklich etwas Neues bilden. Deshalb sollte man die Sperren nicht zu eng ziehen und lieber mit "don't feed a Troll" arbeiten.   

6. Du schreibst ja einen Roman? Kannst Du mal ein bisschen darüber berichten? Um was geht es darin? Was ist das Ziel, die Motivation, die Intention zum Schreiben des Romans? Wie weit bist Du diesbezüglich? Hast Du bereits einen Verlag gefunden? Wann wird er erscheinen?

Ich schreibe diesen Roman, weil ich schon länger einen schreiben wollte und eigentlich erst jetzt etwas mehr Zeit dafür habe. Dazu brauchte es aber noch eine Initialzündung. Die war damit gegeben, als ich einen amerikanischen Film sah über einen Planeten, auf dem es nur Frauen gab, die angeführt wurden von einer Priesterin und einer Königin. Dann gab es da eine Notlandung eines "Männerraumschiffes", worauf die Priesterin und die Königin zu Rivalinnen um die Gunst dieser Machos wurden. Das war so ein (Männer-)Schwachsinn, dass ich mir gesagt habe: Hier muss man etwas dagegen setzen. Dann brauchte es noch einige Tendenzen in der Gesellschaft, deren Weiterführung in die Zukunft mir bedenklich erscheinen. Da war der Fall des elfjährigen Raoul, der seine noch kleinere Schwester in Amerika auf den Venusberg geküsst hatte. Das wurde von den Nachbarn gesehen, worauf der Junge mit Handschellen abgeführt und inhaftiert wurde.

Daraufhin schrieb ich das Essay "Das Dritte Zeitalter der Menschheit" in dem solche Trends als dystopische Fiktion weitergeführt werden. Dieses Essay war ursprünglich als Geschichte zum Roman konzipiert, um den Roman selbst nicht mit Soziologie überfrachten zu müssen.

Das Essay wird noch in diesem Jahr erscheinen.

In anderen literarischen Fiktionen verschwinden die Männer meist durch eine vernichtende Seuche, um das "Land der Frauen" zu erreichen. Ich bin da einen neuen Weg gegangen und habe die Männer durch sich selbst verschwinden lassen.

Tausend Jahre nach der Apokalypse beginnt der Roman. Die Gesellschaft ist eine reine Frauengesellschaft. Das Männliche ist verschwunden und wird als eine überwundene Etappe der Evolution betrachtet. Die Gesellschaft ist insofern gewaltfrei, als keine Kriege mehr stattfinden. Auch die Erinnerungen daran sind fast verschwunden, so gibt es zum Beispiel kein Schachspiel mehr, weil da ja ein König und Krieger auftreten müssten. Alle Spiele, die Aggressionen erzeugen könnten, sind nicht verboten, aber geächtet und gibt es praktisch nicht mehr.

Es gibt da allerdings noch ein gefährliches Relikt aus der Vergangenheit. Anfangs hatte man zur Sicherheit immer noch ein paar männliche Kinder aufwachsen lassen, die man aber rechtzeitig, bevor sie ihre Männlichkeit voll ausprägen konnten, dann einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat. (Da gab es auch so einen traurigen Fall eines Jungen in Amerika, der mir das Vorbild geliefert hat.)

Nun wird dieses Relikt der Vergangenheit auch noch abgeschafft, bis auf ganz wenige, die zu genetischen Experimenten freigeben wurden…

Weiter geht es im Roman.  

Der Roman ist aber kein theoretisches Konstrukt, sondern soll Unterhaltung und Spannung bringen. Vielleicht verfolgt der Leser auch eine falsche Spur und wird dann am Ende überrascht sein.


7. Dein Roman ist ja eine Dystopie, ein Kassandraruf vor einer möglicherweise in Zukunft stattfindenden selbst gemachten Apokalypse der Menschheit. Verantwortlich dafür ist in erster Linie der Mann mit seinem Aggressions- und Gewaltpotential. Ist für Dich der Mann allgemein ein Monster? Und wenn ja, wie begründest Du dies oder wie kommst Du zu dieser Auffassung? Und wäre die Frau das Gegenteil vom Mann, also das Gute und wie begründest Du diese Auffassung?

Wenn ein Mann das Essay "Das Dritte Zeitalter der Menschheit" liest, wird er spätestens beim "Monsterspektrum" in Wut geraden. Betroffenheit zu erzeugen, ist ein Grund für das Schreiben. Was da die Randbereiche dieses Spektrums sind, die gibt es schon aber mit welchen statistischen Verteilungen muss man da rechnen? Das ist natürlich absichtlich offen gelassen.

Der Mann ist nicht allgemein ein Monster. Ich habe nur das etwas überhöht, was so oft in den Medien dargestellt wird: "Die Bestie Mann".

Wenn ein Mann in unseren Medien dauernd über Männergewalt, Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch durch Männer liest, wie sollte der da nicht verunsichert werden?  

Welche Reaktion bleibt ihm da?

Entweder er reagiert trotzig und versucht dagegen zu steuern mit teilweise lächerlichen Aktionen, oder er sieht es ein, dass er zu dieser gewalttätigen Spezies gehört und bekommt ein schlechtes Gewissen, das ihn vielleicht dann dazu befähigt, besonders hart gegen seine gewalttätigen Geschlechtsgenossen vorzugehen, um sich damit wenigsten etwas rein zu waschen.

Wir dürfen natürlich dabei nie vergessen, dass die spezielle männliche Aggressivität auch die  entscheidende Triebkraft zu unserer schnellen Entwicklung der Zivilisation gewesen ist.

Die Frauen können sich dabei nicht immer die Hände in Unschuld waschen. Trotz aller Vergewaltigungen und Unterdrückungen im Patriarchat haben sie auch bei ihrer Partnerwal wesentlich zum heutigen Ist-Zustand unserer Gesellschaft beigetragen.

Die Frau ist nicht das Gegenteil vom Mann, sie verkörpert nicht das Gute an sich. Sie hat vielleicht ein wenig Glück in unserer Zeit, da sie physisch nicht so gewalttätig ist. Es bildet sich ja langsam ein Konsens in unserer Gesellschaft heraus, der zu einer Ächtung der physischen Gewalt führen wird. An diesem Konsens sind nicht nur die Frauen beteiligt.

8. Könntest Du einmal Deine anthropologischen Grundannahmen des Menschen explizieren. Was macht den Menschen aus? Sind die Verhaltensweisen des Menschen rein biologistisch determiniert (Anlage) oder gibt es auch Umwelteffekte (Sozialisation, Erziehung, polit-ökonomische Struktureffekte etc.)?

Das ist dieser (ur-)alte Streit: Was hat den größeren Einfluss auf die Ausprägung der Persönlichkeit eines Menschen, die Erbanlagen oder die Umwelt?

Natürlich hat beides einen Einfluss. Wie hoch der Einfluss jeweils ist, hängt sicher auch vom Untersuchungsgegenstand ab. Es gab da mal diese geflügelte Wort: "Einem Schimpansen kann man nicht die Infinitesimalrechnung beibringen."

Es gibt biologische Grenzen bei der Sozialisation, bei der Erziehung und natürlich auch bei den ökonomisch-strukturellen Einflüssen. Diese Grenzen herauszufinden ist sicher eine interessante Aufgabe für die beteiligten Wissenschaftler. Nur leider erreichen wir in den Sozial- und Geisteswissenschaften nicht immer die Exaktheit der Naturwissenschaften. In der Psychotherapie entscheidet z. B. nicht die angewande Methode über den Erfolg der Therapie sondern die Persönlichkeit des Therapeuten. 

Also auch die Erziehung zur Gewaltfreiheit wird an ihre Grenzen kommen. Trotzdem muss man sich überlegen, wie es damit in der Zukunft weitergehen soll.

Lässt sich das aggressive Potential im Menschen transformieren, ohne seine biologische Ausgangsbasis zu verändern?

Aus heutiger Sicht würde ich das für mich verneinen. 


9. Würdest Du Dich irgend einem Feminismus zuordnen und wenn ja, welchem? Was hälst Du vom sozialwissenschaftlichen Feminismus, der ja von einem sozialen und einem biologischen Geschlecht ausgeht oder noch radikaler, die auch das biologische Geschlecht dekonstruieren wie z.B. Judith Butler oder die Queer-Theorie?

 Ich ordne mich keiner Art des Feminismus zu und sprachphilosophische Konzepte interessieren mich nicht besonders.

Es geht doch einfach nur darum, das breite Spektrum zwischen den Geschlechtern als eine Realität anzuerkennen. Auch hier darf man sich das nicht nur als ein breites Band vorstellen, das rein Weibliche und rein Männliche, von der Sexualität her gesehen, sind schon die größten Attraktoren in diesem Spektrum.

10. M.E. beziehst Du Dich ja in Deinem Roman vor allem auf ein naturwissenschaftliches Weltbild und sozialwissenschaftliche empirische Ergebnisse werden von Dir nicht rezipiert. Weshalb diese Ausblendung der Sozialwissenschaften.

Ich glaube nicht, dass meinen Roman schon jemand kennt. Da ein Verlag für das Internet ein "Anlesekapitel" möchte, habe ich dafür die Exposition zum Roman gewählt, die jetzt hier zu finden ist.

Ich weiß nicht, ob in dem Roman die "Sozialwissenschaften ausgeblendet" sind.

Mein Anliegen war Unterhaltung, Spannung und vielleicht Nachdenken zu erreichen und keine literarische Ausgestaltung der Sozialwissenschaften. Das zu beurteilen überlasse ich dem geschätzten Leser.

11. Neben dem Mann mit seinem evolutionsbedingten Aggressions- und Gewaltpotential werden die Religion und der Sport als weiteres destruktives Potential für die Menschheit gesehen, die mithelfen, dass es zur Apokalypse kommen könnte. Weshalb gerade Sport und Religion?

Ich beziehe mich dabei vornehmlich auf Kampfsport. Dieser hat seinen historischen Ursprung in all den Aktivitäten, die einen Krieg, ganz gleich ob defensiv oder offensiv, vorbereitet haben.

Die Frage, die dabei natürlich entsteht, ist: Gibt es in einer Zeit, in der Kriege die Menschheit an den Rand ihrer Existenz bringen können, nicht etwas Anderes, etwas Friedlicheres?

Die großen monotheistischen Religionen sind "Gott-Vater-Religionen", also Konstrukte des Patriarchates. Ich halte weder das Patriarchat noch das Matriarchat für eine gesellschaftliche Ausprägung, die es uns ermöglicht eine ferne Zukunft zu erreichen.

Für ganz gefährlich halte ich diese Religionen, da sie ihren Anhängern nach einer Apokalypse das Himmelreich und all ihren Feinden und den Ungläubigen die Schmach der Hölle versprechen. So etwas senkt nicht gerade das Risiko für einen globalen Krieg.

12. Sport ist Kriegsvorbereitung und Religion ist eine Art männliche Ideologie, um die Frau zu beherrschen. Siehst Du auch positive Eigenschaften im Sport und der Religion? Weshalb sollten gerade Religionskriege zur Apokalypse führen und nicht Verteilungs- und geopolitische Hegemonialkriege?

 

Religion ist nicht nur ein Instrument zur Beherrschung der Frauen, es dient allgemein dazu, eine Herrschaftshierarchie aufrecht zu erhalten. In den Religionen wird das besonders deutlich, die nur männliche Priester zulassen. Diese Priester sind dann auch so etwas wie "Frauengurus". Einer selbstbewussten Frau muss das suspekt vorkommen.

Dass nur Religionskriege zur Apokalypse führen, ist so nicht richtig. Selbstverständlich werden Verteilungs- und Hegemonialkriege eine primäre Ursache sein, die dann aber auch die Religionen mit einbeziehen.

Die Religionen spielen bei der Vorbereitung eines kommenden Großen Krieges eine große Rolle, da sie es sind, die eine Akzeptanz der kriegerischen Auseinandersetzung in der Bevölkerung wesentlich verbessern können.

Für viele Menschen haben die Religionen auch etwas Positives, sie fühlen sich geborgen in einer Welt, die immer komplexer wird und vom einzelnen Menschen kaum noch durchschaut werden kann. Die Religionen beantworten die Fragen, die diese Menschen haben.

Ich kam auch nicht umhin, in meinem Roman wieder Religionen zuzulassen.

13. Maßnahmen der Eugenik, der Gentechnologie, der Anthropotechnik werden von Dir offensichtlich gutgeheißen, wenn es darum geht, die Apokalypse zu verhindern wie z.B.
- Sterilisation des Mannes, wenn er Verfehlungen gegenüber Frauen und Kindern begeht.
- Hormone im Trinkwasser, um Entwicklung der Hoden zu hemmen
- Nachkommen werden einer gesteuerten Selektion unterzogen
- Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale werden gehemmt.
- Kastration oder Geschlechtsumwandlung von aggressiven Jugendlichen
- Gene von Eltern werden gesperrt, wenn diese mal kriminell auffielen oder ihre Kinder kriminell auffielen.
- Künstliche Gebärmutter
Deine Vorstellung ist also, den Menschen mittels Eugenik und Gentechnologie zu einem friedfertigen Menschen umzuwandeln, mit anderen Worten: Das Ziel heiligt die Mittel. Gibt es bei Dir diesbezüglich keine ethischen Bedenken gegenüber solchen Maßnahmen?

Alle oben aufgeführten Punkte, mit Ausnahme der Gebärmutter, sind Dystopie, die schon heute in den Ansätzen zu beobachten ist und die ich für eine gefährliche Entwicklung halte.

Man könnte tatsächlich zu der sarkastischen Annahme kommen, dass sich das Problem "Gewaltätiger-Mann" damit gelöst hätte. Selbst wenn die Gesellschaft sich in dieser Richtung bewegt, wird das keine Lösung bringen. Das versuche ich auch mit dem Roman zu simulieren. . 

Ethische Bedenken?

Um es provokativ zu formulieren: Ethische Bedenken hätte ich, wenn wir den Menschen so lassen wollen, wie er jetzt ist. Um es noch krasser zu formulieren: Mit Neandertalern können wir keinen Siegeszug der Vernunft ins Weltall starten.


14. Weshalb sollte die Vernichtung der Menschheit so lange es geht hinausgeschoben werden, wenn man ihn anthropotechnisch so verändern muss, damit er sich selbst nicht vernichtet? Also, weshalb könnte man nicht sagen, nun gut, wenn der Mensch sich selbst ausrottet, dann haben die anderen Lebewesen des Planeten wieder eine viel grössere Chance, viel länger zu überleben?

Je weiter wir in die Zukunft schauen, desto unsicherer werden unsere Voraussagen. Wir können persönlich nicht wirklich wissen, wann wir sterben, dasselbe gilt auch für die menschliche Gesellschaft.

Wenn man nicht daran glaubt, dass nach dem individuellen Tod im Himmel alles besser ist und das irdische "Tal der Leiden" dann hinter einem liegt, und wenn man außerdem noch Kinder hat und liebt - das müssen ja nicht immer die eigenen sein -  denen man auch eine friedliche und glückliche Lebenszeit wünscht, wie man sie selbst hat, dann macht man sich schon Gedanken über das bevorstehende Zeitalter der Menschheit.

Mit großer Wahrscheinlichkeit sind wir Menschen in einer weitgesteckten kosmischen Umgebung die intelligentesten Lebewesen. Ich halte es deshalb für eine großartige Vision und Motivation für die gesamte Menschheit, diese Einmaligkeit zu erhalten und noch weiter auszubreiten. Das können die patriarchalischen Religionen nicht liefern.

Warum sollen wir nicht auch das Weltall besiedeln? Spätestens dann müsste der Mensch sich anthropotechnisch stark verändern.

Ich bin aber der Meinung, dass mit der Globalisierung der Erde kein rechtsfreier Außenraum für die Menschen mehr vorhanden ist, in dem sich "die Bekämpfung eines Feindes von der Auslöschung einer Sache nicht mehr eindeutig unterscheiden lässt." (Zitat Sloterdijk; Im Weltinnenraum des Kapitals.)

Diesen Außenraum gibt es nicht mehr und damit werden all die meist männlichen Fähigkeiten obsolet, die diesen Außenraum erobert haben.

Bei dem gegenwärtigen Tempo der Zivilisationsentwicklung halte ich natürliche Selektionsprozesse für nicht ausreichend ebenso wie Sozialisationsprozesse, um den Menschen für die neuen Herausforderungen anzupassen.  

Das Interview führte der User Orca5

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 Literaturzitate: 

Aus
DER MANN
Ein Irrtum der Natur?
von
Steve Jones

Diese Zitate erschienen mir wichtig und sind (noch) nicht verbessert, sie sind so, wie sie der Scanner eingelesen hat.

Samenzellen haben sich in der Evolution für den Transport körpereigener Gene entwickelt, aber heute werden sie unter anderem dazu verwendet, fremde DNA in Eizellen zu befördern -der bisher größte Erfolg in dieser Hinsicht waren Mäuse, die im Dunkeln leuchten. Man kann menschliche Proteine in Tiersperma produzieren, weshalb das literweise anfallende Ejakulat männlicher Schweine eine nützliche Ware ist. Eines Tages wird der Mann womöglich völlig überflüssig, weil seine Samenzellen sich in Tierhoden züchten lassen, und zumindest bei Mäusen kann man die Eizelle mit einer Körperzelle eines anderen Weibchens befruchten, sodass das wirkliche zweite Geschlecht vollkommen außen vor bleibt.  

S. 16

  Männliche Wesen sind in vielerlei Hinsicht Parasiten ihrer Partnerinnen. Sie sind vor allem daran interessiert, dass diese in die Fortpflanzung investieren, während sie selbst darauf so wenig Mühe wie möglich verwenden. Wie alles Ungeziefer, von den Viren bis zu den Bandwürmern, zwingen sie ihre widerstrebende Gastgeberin, Abwehrmechanismen auszubilden oder sich zu unterwerfen. Entwickelt der Wirt sich so, dass er mit dem ungeliebten Besucher besser zurechtkommt, beginnt zwischen beiden ein biologischer Tanz. Jeder verfolgt eigene Ziele, und sobald der eine die Oberhand gewinnt, schlägt der andere zurück. Oftmals verläuft dieser Pas de deux in hektischem Tempo.
S. 30

  Die Gene, die für die Androgenrezeptoren verantwortlich sind, neigen ebenso zu Defekten wie alle anderen. Das Molekül, das sich in den Zellen mit dem Testosteron verbindet, ist auf dem X-Chromosom codiert. Es kann sich auf unterschiedliche Weise verändern, entweder durch einfache Mutationen oder durch zusätzliche DNA-Stücke, die sich Zutritt verschafft haben. Durch manche derartigen Fehler wird die Vertiefung im Molekül in Mitleidenschaft gezogen, in der das Hormon festgehalten wird, andere beeinträchtigen das Segment, das an das Zielgen bindet. Solche Abweichungen können den Weg zur Männlichkeit ganz oder teilweise versperren. Unter Umständen verursachen jene Fehler nur einen leichten Männlichkeitsverlust, sie können aber auch zur Geburt eines Kindes führen, das auf den ersten Blick ganz und gar weiblich aussieht. Diese Mädchen tragen in sich ebenso viel männliche Essenz wie ein normaler Junge, nur dass sie ihr Ziel niemals erreicht, weil das Schloss zur zelleigenen Tür beschädigt ist. Der Hormonüberschuss im Blut wird von der Aromatase in Östrogen umgewandelt, und deshalb haben solche Menschen häufig besonders große Brüste, eine glatte Haut und fast keine Körperbehaarung.

S. 90

  Solche gedankenlosen Manipulationen hatten für jene, deren seelische und körperliche Welt nicht übereinstimmten, häufig tragische Folgen. Die Chirurgen hatten ganz besondere Vorlieben. Manche entfernten bei männlichen Babys, deren Penis weniger als eineinhalb Zentimeter lang war, alle Anzeichen der Männlichkeit. Andere waren strenger: Bei ihnen mussten die Patienten ein Organ von zwei Zentimetern Länge vorweisen, um dem Messer zu entgehen obwohl sie mit ihrem ursprünglichen Zustand wahrscheinlich gut zurechtgekommen wären. Eine Vagina zu modellieren ist gefährlich einfach, und der Eingriff wurde vielfach vorgenommen, aber das Ergebnis funktioniert meistens nicht richtig. Das Bedürfnis nach Eindeutigkeit führte in vielen Fällen zur Katastrophe. Über die Hälfte derer, die einer solchen Operation unterzogen wurden, kommen später wegen Nachbesserungen wieder, und einige sind für ihr Leben traumatisiert.
S. 91

  einer chirurgischen Entfernung der Eierstöcke verliert sich das erotische Interesse in manchen Fällen völlig. Ein Schuss der Männlichkeitstinktur als Ergänzung der Hormonersatztherapie hellt das Leben wieder auf, mit häufigerem Geschlechtsverkehr und mehr Orgasmen. Gelegentlich wird die Ansicht vertreten, man solle von einem bestimmten Alter an allen Frauen Testosteron verschreiben, und zwar in so geringer Dosierung, dass die Lebensfreude wächst, ohne dass die vielfältigen, mit einem Identitätswechsel verbundenen Unannehmlichkeiten auftreten.
S. 100

 Die Durchtrennung der Samenleiter, Vasektomie genannt, ist ein Eingriff von etwa zehn Minuten, und indische Rekordchirurgen schaffen ihn in 45 Sekunden -ihre Geschicklichkeit erwarben sie während des Notstandes in den siebziger Jahren, als die Demokratie eingeschränkt wurde; damals machte man bei acht Millionen Männem den Schnitt, ohne sich allzu viel um die Einwilligung zu kümmern. Die Chinesen injizieren an der richtigen Stelle einen Superkleber -das geht noch schneller -, und eine weitere Beschleunigung dürften Experimente mit Mikrowellen bringen, mit denen man die entscheidende Rohrleitung verkocht. Heute sind bereits fünfzig Millionen Männer operiert, und in manchen Regionen ist die Methode sehr verbreitet. In Neuseeland hat ein Viertel aller Männer im fortpflanzungsfähigen Alter den Eingriff hinter sich, in den USA liegt die Quote bei zehn Prozent. … Die Vasektomie lässt sich im Prinzip rückgängig machen, und da in den westlichen Industrienationen die Hälfte aller Ehen mit einer Scheidung endet, an die sich häufig eine Wiederheirat anschließt, besteht bei denen, deren Pläne sich geändert haben, eine , große Nachfrage nach einem erneuten Eingriff. Eine Erfolgsgarantie gibt es allerdings nicht, auch wenn durch die herausnehmbaren Verschlüsse, die heute in einigen Kliniken verwendet werden, die Sache einfacher geworden ist. Manche, die sich um einen solchen Eingriff bemühen, stehen nämlich vor einem Problem: Sie besitzen . mittlerweile Antikörper gegen die eigenen Samenzellen.
S. 125

 Zur Rechtfertigung des Eingriffs wurden viele Gründe angefÜhrtFrüher galt er als gezieltes Mittel zur Verhinderung der Masturbation. Ein Präsident des englischen Royal College of Surgeons formulierte es in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts unverblümt so: «Clarence war dem heimlichen Laster verfallen, das unter Jungen praktiziert wird. Ich nahm die Beschneidung vor. Er brauchte den Schmerz des Schneidens als gerechte Bestrafung für unerlaubte Wollust.» Aber der Präsident hatte Unrecht: Die so Behandelten befriedigen sich, laut einigen Studien, sogar häufiger selbst. Noch radikaler war Kellogg, der durch die Cornflakes berühmt geworden ist er war wegen des wollüstigen Zeitvertreibs äußerst besorgt.

S. 132

Die Entfernung der Hoden ist in mehrfacher Hinsicht ein groß, artiges Stärkungsmittel. In Indien traten Eunuchen bei Wahlen an und argumentierten, sie seien wegen ihrer Kinderlosigkeit weniger korruptionsanfällig. Wird der Eingriff früh genug vorgenommen, beugt er auch anderen typisch männlichen Nachteilen vor, von der Akne bis zur Glatze. Am chinesischen Kaiserhof waren Eunuchen für ihre lange Lebensdauer bekannt (der letzte wurde 93 Jahre alt), und ihren Schicksalsgenossen im Westen geht es ebenfalls gut. In den Vereinigten Staaten wandte man die Orchidektomie in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bedenkenlos als Therapie -oder Strafe -für Masturbation oder kleinere Vergehen an. Vierzig Jahre später entdeckte man bei einer Folgestudie über solche unglücklichen, die heute noch in Heilanstalten leben, dass ihre durchschnittliche Lebenserwartung um dreizehn Jahre höher liegt als bei ihren unversehrten Geschlechtsgenossen.

S. 145

 Behörde dieser Ansicht an: Sie nahm 1996 die chemische Kastration in ihren phantasievollen Katalog der Bestrafungsmethoden auf. In der Vorschrift AB 3339 heißt es: «Für jede Person, die zum ersten Mal wegen bestimmter Sexualstraftaten verurteilt wird, bei denen das Opfer unter dreizehn Jahre alt ist, kann bei der Haftentlassung eine Behandlung mit Medroxyprogesteronacetat angeordnet werden, und wer zwei solcher Verbrechen für schuldig befunden wird, muss sich nach der Haftentlassung einer solchen Behandlung unterziehen.» Und eine etwas seltsame Ergänzung lautet: «Unterzieht sich I ein Häftling freiwillig einer chirurgischen Behandlung mit dauerhafter Wirkung. .., findet der vorstehende Absatz keine Anwendung.» Die medikamentöse Behandlung kann auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden, und man kann selbst einen dreizehnjährigen Jungen dazu zwingen, der mit einer Zwölfjährigen geschlafen hat.

S. 148

 Mehrere US-Bundesstaaten sind dem Beispiel Kaliforniens gefolgt. In Montana sieht ein Gesetz für Vergewaltiger schon nach dem ersten Verbrechen die Kastration vor, und die gleiche Vorschrift gilt auch in Texas -wobei der Betroffene dort allerdings einwilligen muss

 Zur Begründung heißt es, dass die Operation billiger sei als eine chemische Behandlung. Einem Häftling in Georgia wurde mitgeteilt, vor seiner Entlassung müssten die Hoden entfernt werden. Er legte gegen das Urteil Berufung ein.
S. 149

 Das Mittel des «Golden State» für Vergewaltiger wurde unter dem Namen «Depo-Provera» bekannt. In den achtziger Jahren wurde das Medikament als LangzeitVerhütungsmittel für Frauen entwickelt, doch dann entdeckte man, dass es bei Männern die Libido dämpft. Es drosselt die Hormonausschüttung durch die Hypophyse und lässt das Feuer der Begierde nur noch auf kleiner Flamme brennen. Depo-Provera erfüllt seine  männlichkeitsfeindliche Aufgabe nicht so gut wie eine Kastration, aber es vermindert tatsächlich das erotische Verlangen und häufig auch die Erektionsfahigkeit. Die Nebenwirkungen_Depressionen, Diabetes und Brustwachstum gelten in Kalifomien als unbedeutend. S150 Gewebezucht ist mittlerweile eine große Branche. Eines Tages (wird -man mit ihrer Hilfe vielleicht die Leber oder sogar das Gehirn ersetzen können, aber am Anfang stand die unscheinbare Vorhaut. Deren Entfernung galt früher manchmal als ruchloser Eingriff in den Körper (einst bezeichnete man manipulierte Münzen als «beschnitten» -ein deutlicher Hinweis, welche Gesellschaftsgruppe man damit in Verbindung brachte). Entstanden ist sie wahrscheinlich aus einer noch größeren Verstümmelung des äußeren Erscheinungsbildes, und deren Ursache wiederum war entweder das Bestreben, einen Feind zu entmannen, oder die Abscheu vor der sexuellen, unspirituellen Seite des Menschen. Solche Sichtweisen sind keineswegs ausgestorben. In Florida bietet ein anonymer Amateurchirurg all jenen, die aus persönlichen Gründen operiert werden möchten, die Kastration an. Er hat den Eingriff eigenen Behauptungen zufolge schon an einer Riesenzahl von Freiwilligen vorgenommen. Ein Honorar verlangt er nicht.

S.153

 Pierre Abaelard wollte zugleich der Vorstellung ein Ende bereiten, die Geschlechtsorgane gefährdeten die spirituelle Reinheit. Die Auffassung, Sexualität sei Sünde, reicht weit zurück: Am vehementesten wurde sie irn Gnostizismus vertreten, eine Glaubensrichtung, die irn fruchtbaren Halbmono geboren wurde, wo auch die Landwirtschaft (und die Kastration) ihren Ursprung hat. In derselben Region soll der Garten Eden gelegen haben, aber der war nach Ansicht der Gnostiker ein Traum, den ein Teufel namens Ialdoboath Adam und Eva träumen ließ. Vielmehr seien Männer und Frauen erst nach einer Periode des erhabenen Zwitterturms auf der Bildfläche erschienen, und Gott klärte seine Untertanen darüber auf, dass die Liebe die Ursache des Todes ist.

S. 155

Die Eizelle schließt ihre Meiose erst dann ab, wenn die Samenzelle bereits eingedrungen ist und die Zellteilung begonnen hat. Noch länger dauert es, bis sich die DNA aus den Zellkernen von Vater und Mutter zusammenfindet. Und auch jetzt beeinflusst die Samenzelle auf vielfältige Weise das Schicksal der Eizelle. So bringt der Vater etwa an seinen Genen molekulare Markierungen an, und wenn sie fehlen, kann der Embryo sich nicht richtig entwickeln -das ist der Grund, warum das Klonen so schwierig ist. Außerdem steuert die männliche Seite Strukturen bei, die der befruchteten Zelle die Teilung erleichtern. Und wo die erste Zellteilung stattfindet, hängt ebenfalls von der Samenzelle ab: Nachkommen von Zellen in der Nähe der Eintrittsstelle teilen sich schneller als andere, und aus ihnen geht der Embryo hervor; entstehen sie in größerer Entfernung vom Ort des Auftreffens, bilden sie die sekundären Häute und Blutgefäße, von denen der Fetus umgeben ist und die zu seiner Ernährung beitragen. Die männlichen Zellen erfüllen noch eine weitere unentbehrliche
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Funktion. Aus ihnen stammt der Großteil der genetischen Defekte, mit denen sich jede Generation auseinander setzen muss -und da. mit liefern sie das 8,ohmaterialfür ~ E-YQlg~n. Spermien haben es schwerer als die meisten anderen Zellen. Während sie durch die sauerstofffreie Umwelt im Genitaltrakt der Partnerin schwimmen, entstehen giftige Abfallprodukte, durch die ihre DNA geschädigt wird. Männliche Zellen sind so empfindlich, dass selbst für die Kin. der starker Raucher ein erhöhtes Krebsrisiko besteht, vielleicht weil die Gene der Samenzellen durch die eingeatmeten Giftstoffe in Mitleidenschaft gezogen werden.

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stimmten Genen ist das Verhältnis noch niederschmetternder. Für manche Krankheiten, zum Beispiel eine häufige Form der Kleinwüchsigkeit, besteht bei Kindern betagter Väter ein zwanzigmal höheres Risiko als bei den Nachkommen jüngerer Männer. .,-Der Einfluss der Jahre ist auch im europäischen Adel zu erkennen. Eine Aristokratentochter erhält eines ihrer beiden X-Chromosomen vom Vater, der Sohn dagegen hat sein einziges Exemplar von der Mutter. In siebenhundert derartigen Familien starben Töchter, deren Väter fünfzig oder älter waren, durchschnittlich mit vierundsiebzig Jahren, war der Vater allerdings unter dreißig, lebten sie im Durchschnitt drei Jahre länger. Auf die Lebenserwartung der Söhne (die vom Vater nicht das X-, sondern das Y-Chromosom erben) hatte das Alter des Vaters keine Auswirkungen. Wegen dieser Schwäche älterer Männer nimmt die American Fertility Society nur Spendewillige unter fünfzig Jahren auf; die Briten sind noch vorsichtiger: Hier liegt die Altersgrenze bei fünfunddreißig. Wenigstens bedeuten die Mutationen aber, dass auch die Männer zu etwas nütze sind, halten sie doch den genetischen Wandel in Gang. Manche Fehler sind schädlich, andere bringen einen Nutzen und werden schnell von der natürlichen Selektion aufgegriffen. Deshalb erfolgt ein oßer'U .er Evolution in der ännlichen Abstammungslinie. Am besten ist der Effekt a -Chromosom zu erken

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 In Frankreich werden als Samenspender nur Männer zugelassen, die selbst bereits Kinder haben. In Großbritannien dagegen bevorzugt man Medizinstudenten, und es gibt rund dreitausend regelmäßige Spender. Sie zu rekrutieren ist nicht einfach. Manche Kandidaten machen einen Rückzieher, wenn sie hören, was von ihnen erwartet wird: Fruchtbarkeitstests, eine genetische Generaluntersuchung und ein halbes Dutzend Arztbesuche; erst dann dürfen sie die erste Spende abgeben, und danach folgen maximal zwanzig weitere (um Betrug auszuschließen, ist Heimarbeit nicht gestattet). In der Anfangszeit hatten einige britische Spender über zweihundert Nachkommen; heute darf jeder von ihnen maximal zehnmal Vater werden. In Dänemark, das nur ein Zehntel der Einwohnerzahl der Britischen Inseln aufweist, sind doppelt so viele Nachkommen gestattet, und entsprechend größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder desselben Vaters sich kennen lernen und heiraten. Die Firma Cryos in Aarhus «<Wir geben dem Storch etwas zu tun!») ist mit mehreren hundert Lieferanten die größte Samenbank der Welt. Sie exportiert häufig nach Schottland, wo das Material besonders knapp ist.

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 Hin und wieder scheitert die künstliche Befruchtung allerdings, sodass Samen und Eizelle im Reagenzglas aufeinander treffen mÜssen. Die ln-vitro-Fertilisation hat sich seit 1978, als Louise Brown, das erste «Reagenzglasbaby», geboren wurde, erheblich weiterentwickelt, und heute werden allein in Europa jedes Jahr eine Viertel Million Versuche unternommen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Methode in Dänemark: Dort kommt jedes zwanzigste Baby in irgendeiner Form mit Unterstützung der Reproduktionstechnologie zur Welt. Bei schwerer Schädigung der Samenzellen jedoch hilft selbst die ln-vitro-Fertilisation nicht, weil die Spermien nicht in die Eizelle eindringen können. Für solche Fälle gibt es die intrazytoplasmatische Spermieninjektion oder kurzlCSI: Dabei wird der männliche Anteil -eine ausgereifte, aber unfähige Samenzelle oder ihr unausgereifter Vorläufer -mit einer Kanüle, die zwanzigmal dünner ist als ein Haar, in die Eizelle injiziert. Hat die DNA so die weiblichen Abwehrmechanismen überwunden, läuft die weitere Befruchtung ganz normal ab. Mit Hilfe der !CS! wurden schon über einhunderttausend Kinder geboren, und allein in Großbritannien gibt es dafür rund einhundert spezialisierte Zentren. Die Methode birgt allerdings auch Gefahren. Ein Mann, der wegen eines geschädigten Y-Chromosoms unfruchtbar ist, kann das Problem an seine Söhne weitergeben, und daher

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 Führt selbst eine solch raffinierte Behandlung nicht zum Erfolg, bleibt scheinbar nur der Samenspender. Nicht wenigen Ehemännern ist der Gedanke unangenehm. Wie kann man eine Bindung zu einem Kind aufbauen, das durch die Gene eines anderen entsteht? Hier bietet die Wissenschaft ebenfalls neue Hoffnung. Man kann Hodenzellen aus Männchen eines unfruchtbaren Mäusestammes in andere, die zur Reproduktion fähig sind, oder in Ratten verpflanzen. Dort reifen die Zellen zu Spermien heran, und die sterile Maus gibt ihr genetisches Erbe über einen: Stellvertreter weiter. Zwar konnte man Mäuse noch nicht dazu bringen, auch menschliche Samenzellen wachsen zu lassen, aber möglicherweise gelingt es ja, die Zellen eines unfruchtbaren Mannes in Laborkulturen von Hodenzellen zu Spermien heranzuzüchten. Ein gesunder -und großherziger -Mann könnte sich sogar bereit erklären, die defekten Spermien eines Freundes in seinen eigenen Hoden aufzupäppeln und bei Bedarf wieder abzuliefern, sodass der geschädigte Ehemann dennoch ein echter Vater wird. Eines Tages wird es vielleicht möglich sein, die Chromosomenzahl in entnommenen Körperzellen auf die Hälfte zu reduzieren und damit eine Eizelle zu befruchten. Dann wären die Hoden (und ihre Eigentümer) völlig überflüssig geworden. Wie bei der Impotenzbekämpfung, so können auch die riesigen Summen, die Männer aufwenden, um ihre Frauen mit Samen -wel
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Die neue Sorglosigkeit hat ihre Ursache im gesellschaftlichen Wandel (und in einem falschen Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Empflingnisverhütung), aber auch in der verbesserten Stellung der Frauen und ihrer wachsenden Fähigkeit, Kinder alleine groß zu ziehen. Die Pille verschafft ihnen die Verfügungsgewalt über die Fruchtbarkeit, und immer mehr von ihnen entschließen sich, Mutter zu werden, obwohl sie keinen festen Partner haben. Und je unbedeutender die soziale Stellung wird, desto eher sind die Menschen um sie herum bereit, Kinder um ihrer selbst willen zu akzeptieren und sie nicht am Status der Eltern zu messen.
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In Großbritannien wird ungefähr pei jeder zwölften Geburt nur , die Mutter eingetragen -doppelt so häufig wie in den «schamlosem> ,sechziger Jahren -, und jedes zweite Kind wird nicht in einem Ehebett gezeugt. Wegen falscher Vaterschaft und Wiederheirat werden I viele hunderttausend Kinder von Männern großgezogen, die sie Iralschlicherweise für ihren biologischen Vater halten. Für die meisten «unehelichem> Kinder trifft das allerdings nicht zu: Die Eltern -I häufig bürgerlicher Herkunft und beide ganz erpicht darauf, an der I~ Erziehung des Kindes mitzuwirken -haben nur auf die Hochzeitszeremonie verzichtet und sich dafür entschieden, in einer Beziehung nach eigenen Wünschen zu leben, statt sich einem staatlich genehmigten Vertrag zu unterwerfen. Im Jahr 2000 stellte sich in der groBen nationalen Untersuchung der erotischen Gewohnheiten heraus, dass ein Sechstel aller Erwachsenen unter vierzig Jahren in einer langjährigen Beziehung mit einem festen Partner zusammenlebte etwa die Hälfte der Zahl derer, die eine formelle Ehe eingegangen waren. J. B. Priestley bezeichnete die Ehe seiner Zeit als «langes, langweiliges Menü mit dem Dessert als erstem Gang». In unserer heutigen epikureisch geprägten Epoche ist serielle Monogamie Eheschließung, Scheidung und Wiederheirat -weit verbreitet, und die Versessenheit auf das Geburtsrecht ist auf dem Rückzug.
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Familiennamen sind ein Hinweis auf die väterliche Linie, in der I allein der Ehemann das Erbe weitergibt. Eine solche Abstammungs1 regel bildete das Fundament des römischen Weltreiches und vieler anderer Gesellschaften, aber sie beinhaltet eine tödliche Schwäche, und die sorgt dafür, dass keine Abstammungslinie von Dauer sein kann, wenn die Vererbung ohne Sexualität erfolgt. Bei einer Hochzeit finden zwei Menschen und vier Exemplare der meisten Chromosomen zusammen. Aber an der Eheschließung ist nur ein Y-Chromosom beteiligt, das einzelne des Mannes

Deshalb haben männliche Chromosomen nur ein Viertel der Häufigkeit aller anderen. Da ihre Population so klein ist -und sie wird noch kleiner, wenn nur wenige ihrer Besitzer aus dem erotischen Kampf als Sieger hervorgehen -, wächst das Risiko, dass eine männliche Linie, ob kaiserlich oder nicht, durch Zufall verschwindetAus den Aufzeichnungen über britische Familien der letzten fünfhundert Jahre geht hervor, dass ein Drittel aller Männer keine Enkelsöhne hatte -womit ihre väterliche Abstammungslinie abbrach und ihr Y-Chromosom verloren ging. In kleinen Populationen haben solche zufälligen Verluste große, langfristige Auswirkungen. Sobald ein Typus verschwindet, werden andere häufiger, und wenn dieser Vorgang sich fortsetzt, bleiben immer weniger väterliche Abstam.J mungslinien übrig. Eine derartige Zufallsevolution führt über längere Zeit zur Auseinanderentwicklung isolierter Gruppen.

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Es gibt eine unendliche Fülle solcher Geschichten, und Darwin machte Wissenschaft daraus. Mit seinem Begriff der sexuellen selektion ging er von den unterschiedlichen Investitionen der Eltern in I ihre Nachkommen aus. Um sich eine Partnerin zu beschaffen, mÜssen Männchen hohen Aufwand treiben, sei es mit einem Geweih oder einem Sportwagen. Danach sind sie aber kaum noch zu weiteren Beiträgen verpflichtet. Von den Weibchen dagegen wird für jedes Kind von Anfang an eine hohe Investition verlangt. Im BÖrsenjargon sind Männer die Bullen und ihre Partnerinnen die Bären. Ein Samenspender muss eine Menge hineinstecken, um überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben, aber oberhalb dieses Investitionsminimums bringt jede kleine Steigerung gewaltige Renditen. Für ihn ist das Glücksspiel um zukünftigen Erfolg immer lohnend. Seine Partnerin lässt mehr Vorsicht walten: Sie bringt den Vorgang zum Abschluss, aber dafür muss sie einen so hohen Aufwand treiben, dass dies größere Sicherheit voraussetzt.

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Der Liebesrausch der Elefantenrobbe ist ein denkwürdiges Beispiel nicht für die männliche, sondern für die weibliche Macht. Die größeren Tiere mögen zwar dominant wirken, wenn sie die Nase aufblasen, röhren und einander verprügeln, bis das Blut fließt, in Wirklichkeit aber werden sie von ihren Gefährtinnen gezwungen, die Besten unter ihnen auszuwählen. Zu Beginn weisen die Weibchen jeden zurück, der ihnen den Hof macht. Jedes Männchen, das so kühn ist und eine Kopulation versucht, wird energisch abgebÜrstet; das wiederum erregt die Aufmerksamkeit der anderen, die kurz darauf zu kämpfen beginnen. Das Objekt der Begierde wartet schüchtern, bis sich herausstellt, wer der Beste ist. Diesem unbeugsamen Männchen gestattet sie dann die Paarung. Der Kampf war seine Sache, aber ausgewählt hat letztlich sie.

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Die Schimpansen haben enge Verwandte, an denen die Bandbreite der Verhaltensweisen von Menschenaffen noch deutlicher wird. Der Bonobo oder Zwergschimpanse -er ähnelt seinem Vetter so sehr, dass manche Biologen ihn nicht einmal für eine eigene Spezies halten -ist ein viel ruhigeres Tier. Wie man an seiner DNA erkennt, entstand er vor noch nicht einmal einer Million Jahren, lange nach der Abspaltung der menschlichen Abstammungslinie. In seiner Heimat beiderseits des Flusses Zaire führt er ein angenehmes \Leben mit mehr Nahrung und weniger Konkurrenz durch andere Primaten als an Orten wie Gombe. Hier bilden die Weibchen anstelle ihrer männlichen Gefahrten die sozialen Gruppen. Sie leben in großen Rudeln und sind in ihrem Verhalten wesentlich aufgeschlossener und friedlicher. Bonobos führen ein lustbetontes Dasein mit häufigen Geschlechtsakten von Angesicht zu Angesicht, Gruppensex und einer Menge Homosexualität. Di~ Tiere kopulieren nicht nur, wenn die Weibchen empflingnisbereit sind, sondern mehr oder weniger jederzeit.
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 Der Biologe Patrick Geddes (der mit der teilnahmslosen Eizelle) hätte da wohl nicht groß widersprochen. In seinen Augen «drückt sich in der Abgrenzung zwischen männlich und weiblich ein tief greifender Unterschied der Konstitution aus. ..Was bei den vorzeitlichen Protozoen entschieden wurde, kann nicht durch ein Gesetz vom Parlament rückgängig gemacht werden.» Manche sehen das Leben der Männer nach wie vor von der Urzeit bestimmt, andere fühlen sich durch solchen Fatalismus abgestoBen, wünschen sich, es gäbe keinen Phallus, und argumentieren allen Indizien zum Trotz, zwischen den Geschlechtem bestehe keinerlei Unterschied. Beide Überzeugungen sind so fest gefügt, dass es häufig schwer ist, die Wahrheit zu finden.

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 Es braucht nicht besonders betont zu werden: Die Tatsache, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, bedeutet natürlich nicht, dass sie auch angeboren sein müssen. Dies zeigt sich bei jenen, die noch nicht gelernt haben, was von ihnen erw1!rtet wird. Die Kindheit hat sich, zumindest in Romanen, weit von Tom Tindall entfernt. Moderne Eltern streben im Gegensatz zu ihren Vorgängern nach politischer Korrektheit und neigen dazu, ihre Kinder als Experimentierfeld für Umwelteinflüsse zu betrachten, auf dem die Gene keine Rolle spielen. Von Der Wind in den Weiden bis WinniePuh war das Kleinkindalter eine fast asexuelle Zeit, und eine geschlechtslose Art des Daseins wurde für Jungen zur Norm. Auch Mädchen wurden zu Zwittern. In Fünf Freunde auf großer Fahrt von Enid Blyton rennt George -eine junge Dame -gegen ihr Schicksal an: «<Es ist blöd, ein Mädchen zu seim, sagte George ungefähr zum einmillionsten Mal in ihrem Leben. <Immer muss man aufpassen, und die Jungen können tun, was sie wollen.»> Heute vergöttern Mütter und Väter sanfte Jungen und selbstbewusste Mädchen, aber in Büchern goutiert man durchaus alte Klischees (was sich am Erfolg der Harry-Potter-Serie zeigt: Hermine fällt beim Anblick eines Trolls fast in Ohnmacht, Harry !und seine Kumpels dagegen verprügeln ihn mit einem Stahlrohr}. Schon bevor Jungen und Mädchen ihren ersten Satz von sich S 179 ten Mädchen lieber mit Puppen, die meisten Jungen mit Auto
 Ein Jahr später ist bei fast allen das Bewusstsein der Geschlechtszugehörigkeit fest verankert. Ungefahr mit fünf Jahren haben Jungen sich mit der traurigen Wahrheit abgefunden, dass sie immer in ihrem jetzigen Zustand bleiben werden, und nun werden sie so sexistisch wie der unaufgeklärteste Erwachsene. Ihre Spiele haben mit handfesten Gegenständen zu tun, ihre Schwestern dagegen leben stärker im emotionalen Universum. Jungen spielen zehnmal häufiger mit Jungen als mit Mädchen; sie bevorzugen größere Gruppen, rauere Beschäftigungen und den Aufenthalt im Freien. Ihre Spiele dauern länger, weil sie sich um die Regeln streiten, und wenn man sie zwingt, dabei mit einem Mädchen zu sprechen, geht es schon bald um die dringende Notwendigkeit, einer anderen Beschäftigung nachzugehen.
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Das Geschlecht dürfte also den Schädelinhalt durchaus beeinflussen, aber es hat dabei eine schlechte Presse. Der männliche Geist reagiert über eine lange Kette innerer und äußerer Ereignisse auf seinen mächtigen kleinen Schalter, das SRY-Gen. Manche seiner Hervorbringungen sind alles andere als attraktiv. Verbrechen zum Beispiel sind für eine Hälfte der Bevölkerung ein Hobby. Ein Mann wird mit zehnmal größerer Wahrscheinlichkeit zum Mörder -und um die Gleichung auszubalancieren: fünfmal häufiger zum Mordopfer –als eine Frau. Und das alles ist nicht nur eine Folge der Zivilisation: In einem Stamm der südamerikanischen Ureinwohner hat fast jeder zweite Mann schon einmal einen anderen Mann umgebracht, während die Frauen so gut wie nie aggressiv werden.
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 Gegen Ende des letzten Jahrtausends bekamen die Männer plÖtzlich Magendrücken. Es wurde bekannt, dass ihre Dienste überflüssig waren: Das Klonschaf Dolly war da -und es war ohne männliche Mitwirkung entstanden. Dollyerinnerte die Hälfte der Bevölkerung daran, in was für einer heiklen Position sie sich befindet. Vielleicht, so die Befürchtung, kehrt die Natur mit Hilfe der Wissenschaft in ihren ursprünglichen, weiblichen Zustand zurück, und die Männer verschwinden von der Bildfläche. Schließlich ist das Y -Chromosom nur der Überrest einer früher sehr einflussreichen Struktur, und in ein paar Millionen Jahren ist es womöglich ganz verschwun.den. Wie konnten seine Besitzer sich noch sicher fühlen? Sie haben allen Grund zur Sorge. Die Männer welken auch ohne Zutun klonender Wissenschaftler dahin. Ein Mann zu sein ist, zumindest in den Industrienationen, schon lange eine Minderheitenposition, aber die grausamen Tatsachen von Leben und Tod haben sie noch schwieriger gemacht. Von der Spermienzahl bis zur gesellschaftlichen Stellung und von der Befruchtung bis zum Tod sind die Träger des Y -Chromosoms im Niedergang begriffen. Sogar ihre Stellung in der Gesellschaft, die früher unumstritten war, wird heute durch die Fortschritte der weiblichen Seite in Frage gestellt. Die Flammen des Prometheus, der das Feuer brachte, sind seit Darwins Zeit schwächer geworden. Doch nicht alle Nachrichten sind schlecht. Es gibt auf der Welt , vierhundert Milliardäre. Neun von zehn gehören zum Geschlecht des Prometheus, die Hälfte hat ihr Vermögen selbst verdient (und nur eine einzige Frau, die Gründerin der Textilkette «Gap», hat ihr Geld nicht geerbt, sondern selbst erworben). Aber ob Krösus oder armer Schlucker, alle Männer zahlen für ihre Privilegien einen hohen Prei
S. Was früher eine natürliche Überlegenheit zu sein schien, ist angesichts einer vielfaltigen Unfähigkeit, mit der modernen Zeit zurechtzukommen, den Bach hinuntergegangen. Aus der Sicherheit seiner beherrschenden Stellung heraus hat der Homo sapiens die Welt verändert -oft zum Guten: Beide Geschlechter leben heute länger, gesünder und vielleicht auch glücklicher als früher. Die Säuglingssterblichkeit ist in großen Teilen der Dritten Welt auf einen Wert gesunken, wie er in den Industriestaaten um 1970 galt, und die Lebenserwartung ist weltweit um ein halbes Jahrzehnt gestiegen. Für die meisten Menschen ist das Dasein einfacher als je zuvor, aber diejenigen, die mit einem geschlechtsbestimmenden Gen ausgestattet sind, haben daran nicht ihren gerechten Anteil. In schlechten Zeiten stehen Frauen besser da, und in guten schwel

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Für Menschen, die mit einem y -Chromosom gesegnet sind, ist das Leben von Anfang an hart, und es wird im Laufe der Zeit immer härter. Bei der Befruchtung entstehen männliche Embryonen in geringer Überzahl {vielleicht weil die betreffenden Samenzellen schneller schwimmen können), aber von da an geht es bergab. Schon vor der Geburt kommen Männer schlechter zurecht. Deshalb gibt es mehr weibliche als männliche Zwillingspaare: Jungen überleben seltener die belastenden Bedingungen, wenn sie sich den Mutterleib teilen müssen. Wächst der Fetus heran, treten bei ihnen häufiger Gehimschäden und andere Geburtsfehler auf. Außerdem können sie -von der Farbenblindheit bis zum Muskelschwund -ein ganzes Spektrum von Krankheiten bekommen, die durch defekte Gene auf dem X-Chromosom verursacht werden und bei Mädchen in der Regel verborgen bleiben, bei ihren Brüdem jedoch stets zu Tage treten. Bei der Geburt sind sie gegenüber den Mädchen um fünf Prozent in der Überzahl, und erst nach einem Monat erreicht ein Junge den Reifezustand eines neugeborenen Mädchens. Dann setzt der Niedergang ein. Bis zum fünfzigsten Lebensjahr ist das Mengenverhältnis zwischen den Geschlechtem ziemlich ausgeglichen, aber die britische Königin schickt an ihre hundertjähri~gen Geschlechtsgenossinnen rund neunmal so viele GlÜckwunschtelegramme wie an ebenso alte Männer. Vom mittleren Alter an leben wir in einer Welt der Frauen. Eine derart große Kluft zwischen Männem und Frauen ist ein recht neues Phänomen (glaubt man schwedischen Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert, als die Lebenserwartung halb so hoch war wie he~te, schnitten Frauen allerdings schon damals geringfügig besser ab). Noch vor hundert Jahren starben Männer und ihre Ehefrauen in den Vereinigten Staaten fast im gleichen Alter. Und selbst Mitte des 20. Jahrhunderts blieb sowohl Frauen als auch Männem, die das Pensionsalter erreichten, durchschnittlich ein gutes Jahrzehnt zum Ausruhen. Amerikanerinnen, die heute geboren werden, können mit acht Jahren mehr rechnen als Amerikaner, und in England lebt ein Mann statistisch gesehen dreiundsiebzig Jahre, seine Partnerin dagegen einundachtzig. Teilweise ist die Verschiebung darauf zurückzuführen, dass eine Seite durch ungefährlichere Entbindungen -in Viktorianischer Zeit die häufigste Ursache eines frühen Todes, inzwischen allerdings ist die Sterblichkeitsquote dabei äußerst niedrig -hinzugewonnen hat, ein größerer Anteil ist allerdings mit den angeborenen Schwächen der Männer und ihrer hartnäckigen Weigerung zu erklären, sie zur Kenntnis zu nehmen. Warum ergeht es Menschen mit dem tödlichen Gen so schlecht?

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Weibchen (bei Pottwalen macht der Unterschied dreißig Jahre aus), ein Indiz dafür, wie wichtig die Körperchemie ist -ihrer unmittelbaren Wirkungen wegen und weil sie Wut und Wollust steuert. Das Testosteron ist ein Kennzeichen mehrerer ausgetretener Pfade, die in den Untergang führen. Bei jungen Männern ist Selbstmord heute die verbreitetste Todesursache -Söhne sind davon dreimal stärker gefährdet als Töchter. Seine Häufigkeit hat sich bei Jungen seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts verdoppelt, bei Mädchen ist sie nahezu gleich geblieben. Andere unnatürliche Todesursachen von Unfällen bis zum Mord gehen zurück, aber auch hier hinkt die männliche Seite hinterher, und Jungen kommen durch einen Unfall zweimal so oft um wie Mädchen. Der Unterschied ist schon bei Vierjährigen beachtlich.
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 In den Vereinigten Staaten hatte jede Generation seit dem Bürgerkrieg {mit Ausnahme der «Baby-Boomer» nach dem Zweiten Weltkrieg) weniger Kinder als die vorherige, und 1990 waren kinderlose Haushalte gegenüber denen mit Nachwuchs erstmals in der Überzahl. Vor dem gleichen Problem steht die gesamte westliche Welt. Die Presse ist voller Gerüchte über den Schwund der Manneskraft. Vielleicht leidet nicht nur der ganze Mann unter den Belastungen des modernen Lebens, sondern auch seine unentbehrlichen Körperteile. Im Jahr 1950 lag die durchschnittliche Spermienzahl bei Männern, die bereits mindestens ein Kind hatten und demnach bekanntermaßen fruchtbarwaren, bei 100 Millionen Samenzellen je Milliliter. Das Jahr 1974 brachte einen Schock: Die Zahl hatte sich um die Hälfte reduziert; nur jeder zwanzigste Mann erreichte den früheren Wert. Sofort folgte eine ganze Reihe von Übersichtsuntersuchungen -mit gemischten Ergebnissen: Bei den Schotten war die Zahl von den fünfziger bis in die siebziger Jahren jährlich gesunken, bei ihren englischen Geschlechtsgenossen hatte die Schwimmfähigkeit der Zellen nachgelassen, und in Dänemark fand man einen größeren Anteil geschädigter Spermien. Das ohnehin bereits gut ausgestattete Finnland dagegen konnte in Zahl und Qualität der Zellen mit einer echten Verbesserung aufwarten. Eine neuere weltweite Studie mit einigen tausend Freiwilligen lässt darauf schließen, dass die Zahl von über 100 Millionen Samenzellen im Jahr 1940 ein halbes Jahrhundert später auf nur 66 Millionen zurückgegangen war. Wenn es so weitergeht, werden die Bewohner der Industrieländer bis zum Ende unseres Jahrhunderts gar keine Samenzellen mehr produzieren.

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 Die Arbeiten werden fortgesetzt und dürften echte Veränderungen der männlichen Qualitäten ans Licht bringen. Was dabei auch herauskommen mag, es bleibt die beunruhigende Tatsache, dass die Schwankung der Zahlen parallel zu andereil Fortpflanzungsproblemen verläuft. Hodenhochstand, Prostatakrebs und Penisfehlbildungen -all das ist heute verbreiteter als früher, und die Häufigkeit von Hodenkrebs hat sich in den westlichen Ländern während der letzten zwanzig Jahre verdoppelt. Die Dänen haben in ganz Europa die niedrigste Spermienzahl, und jeder hQlldertste Mann in Dänemark Ibekommt die Krankheit. Der Hodenkrebs beginnt schon vor der Geburt und geht von einem Fehler in derjenigen Zelllinie aus, die zu den Samenzellen führt. Vielleicht gibt es tatsächlich eine globale Krise, und die Probleme sind Symptome eines neuen Übel
S. J Seine Ursache könnte darin liegen, dass die beiden großen MotoS 307 Doch den Samenzellen drohen noch andere Gefahren: In den Industrieländern gibt es in jedem Haushalt Tausende von kÜnstlichen Substanzen -sie stecken in Kunststoff, Farben, Pestiziden, Putzmitteln, Waschpulver und vielem anderen. Die meisten sind ungefährlich, aber manche haben eigene sexuelle Vorlieben. Chemiker sind meist Männer, ihre Produkte allerdings haben die Welt verweiblicht. Vor vierzig Jahren tauchten in europäischen Seen und Flüssen die ersten Fischzwitter auf. Im Fluss Aire in Yorkshire zeigten alle Männchen deutliche Anzeichen für das Bestreben, die Identität zu wechseln, und ähnliche Effekte beobachtete man in fast allen anderen Flüssen der Region unterhalb von Kläranlagen. Später verbreitete sich die Zweideutigkeit wie eine Pest in den Vereinigten Staaten. Alligatoren im Lake Apopka in Florida hatten auf einmal einen sehr kleinen Penis, Möwenweibchen versuchten einander zu begatten, und so weit sich das feststellen ließ, ging sogar die Spermienzahl bei Panthern geringfügig zurück. In Japan produzierten die Männchen mancher Meeresfische plötzlich neben Samenzellen auch Eizellen. Im Meer rund um Großbritannien dagegen waren weibliche Netzreusenschnecken mit einem Phallus ausgestattet.
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 Die Pille hat das Leben der Männer in mehrfacher Hinsicht verändert. Sie war die Ursache, dass Fortpflanzungshormone ins Trinkwasser gelangten, und wurde sowohl für die Geschlechtsumwandlung der Süßwasserfische als auch für den Rückgang der Spermienzahl bei uns selbst verantwortlich gemacht. Ein endgültiges Urteil steht bisher noch aus, der Einsatz anderer Hormone jedoch hatte mit Sicherheit katastrophale Folgen. Früher glaubte man fälschlicherweise, ein Wirkstoff namens Diethystilböstrol könne Fehlgeburten verhindern. Fünf Millionen Mütter nahmen ihn ein, und eine Zeit lang wurde er sogar als Zusatzstoff im Hühnerfutter verwendet. Ein Drittel der Jungen, die im Mutterleib mit der Substanz in Kontakt kamen, litten später an Hodenschrumpfung und einem verkleinerten Peni
S. Bei Ratten ruft die Verbindung Prostataund Hodenkrebs hervor (bei Menschen gibt es dafür bisher keine Anhaltspunkte).
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 Wie auch die Wahrheit über die biologische Verweiblichung aussehen mag, die Männlichkeit ist auf einem schnellen Rückzug. Die Krise kommt nicht von außen, sondern von innen: Ihre Ursache ist der starke Verlust an Selbstvertrauen, der sich auf der ganzen Welt bemerkbar macht. Adlai Stevenson, der den Absolventinnen des Smith College (einer Universität für Frauen in Massachusetts} 1955 riet, sie sollten ihr Leben dem Bestreben widmen, ihren Mann und ihre Söhne «durch die bescheidene Rolle als Hausfrau zu beeinflussem>, würde beute ausgebuht. Wer zu jener Zeit Magazine wie COSmopolitan las, konnte sich an den Bildern von Models ergötzen. Etwa ein Fünftel der Frauen war in einem gewissen Maß entkleidet, aber entsprechend den damaligen Wertvorstellungen hatte nur jedes dreißigste männliche Model wenigstens ein einziges Kleidungsstück abgelegt. Heutzutage stellen doppelt so viele Männer wie Frauen ihr nacktes Fleisch zur Erbauung der Leserinnen zur Schau. Die New Economy legt die Schwachpunkte des Mannes auf andere Weise bloß. So betrachtet, ist die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts mit ihrer größeren Gleichberechtigung die Rückkehr in ein längst verloren geglaubtes feministisches Utopia. S 313 Männlichkeit und Abenteuerlust verloren haben.» Der Erfolg des Bestsellers Eisenhans von Robert B I y in den neunziger Jahren mit seinen Forderungen nach göttlicher Energie, männlicher Größe, nach dem Feuchten, Sumpfigen, Wilden und Ungezähmten (und den recht kostspieligen Wilder-Mann-Wochenenden) lässt darauf schließen, dass der Kreislauf der Selbstgeißelung sich fortsetzt. Aber wenn sie sich au~h geißeln mögen, so haben die meisten Männer fast ein Jahrhundert nach Roosevelt doch erkannt, dass ihre Versuche, der urwüchsigen Vergangenheit gerecht zu werden, zu gesellschaftlichen und politischen Katastrophen geführt haben, die eine Welt mit Massenvernichtungswaffen sich nicht mehr leisten kann. Unkriegerische Bequemlichkeit scheint heute ein natürlicherer Zustand zu sein als eine irgendwie angeborene, schicksalhafte, primitive Überlegenheit. . Der Mensch im Allgemeinen (oder, wie französische WÖrterbücher sagen: Ramme -terme generique qui ernbrasse ta femme) stammt natürlich von anderen Primaten ab -das hat Darwin als Erster bewiesen. Seit jener Zeit hat die Wissenschaft uns gezeigt, dass Männer die Produkte ihrer Y-Chromosomen sind; aber diese Entdeckung bedeutet weniger, als man oft annimmt. Noch vor nicht allzu langer Zeit schien die biologische Grundlage des männlichen Zustands eine ebenso fest gefügte Wahrheit zu sein wie unsere Abstammung von den Mfen, aber -das, so hoffe ich, hat dieses Buch deutlich gemacht -die Gene müssen sich häufig der
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 Wenn Charles Darwin heute zurückkehren würde, wäre er begeistert, dass seine Gedanken über den Ursprung unserer Spezies sich bestätigt haben, aber das Schicksal seiner Ansichten über die Männer würde ihm sicher weniger gefallen. In den kurzen eineinhalb Jahrhunderten seit seiner großen Erkenntnis ist die Welt nicht \ stehen geblieben. Geschlechtsunterschiede sind im Zuge des gesellschaftlichen Wandels immer unwichtiger geworden. Wir befinden uns mitten in einer Aufschwungphase für die Frauen mit einem entsprechenden Abstieg der Männer. Teilweise kann dieses Geschlecht sein Verhalten vielleicht ändem, um damit dem irn Y-Chromosorn verschlüsselten Schicksal zu entgehen. Bisher erkennt man aber kaum Anzeichen, dass es sich überhaupt mit dem Problem auseinander setzt. Selbst der Tod weiB nicht, für welche Möglichkeit er sich entscheiden soll. Das Sterben war für Shakespeares Antonius weiblich ( «Nun will. ich sein / Ein Bräutigam dem Tod und zu ihm eilen / Wie zu der Liebsten Bett»), für Harnlet dagegen ist das Ende «der grause Scherge Tod» -ein Mann. Die letzten Worte des heiligen Franziskus waren «Willkommen, Schwester Tod», aber der Sensenmann selbst trägt meistens Hosen. Ein Jahrhundert der Fortschritte seit der Abstammung des Menschen hat dem Tod einen Penis verliehen, und den Männem hat es tröstlicherweise eine Antwort auf die Frage gegeben, warum dieses Organ so gefährlich ist. Wie sie mit dem Problem umgehen, ist eine ganz andere Frage, und die hat -wie so vieles irn Leben der Menschen mit Wissenschaft kaum etwas zu tun.

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 Auszug aus dem Essay

Das Dritte Zeitalter der Menschheit

 
Vorwort

 
Von der Gegenwart aus in die Zukunft zu schauen, ist immer wie vor einer Wegverzweigung zu stehen. Der Weg aus der Vergangenheit fächert sich mit Überschreiten der Gegenwart sofort auf in ein ganzes Spektrum unter­schiedlich wahr­scheinlicher Wege in die Zukunft. Sze­narien dafür sind viele denkbar und je weiter dieser Blick der Gegenwart voraus geht, desto unbestimmter werden die Schluss­folgerungen daraus.
In dem Essay “Das Dritte Zeitalter der Menschheit“ wird der Blick nicht nach vorn in eine ungewisse Zukunft ge­wagt. Die Richtung der Betrachtung wendet sich aus einer fiktiven Zukunft zurück auf die Gegenwart und Ver­gangen­heit. Da gibt es keine Wegverzweigungen in eine Vielzahl von Ver­gangenheiten mit unterschiedlicher Wahr­schein­lich­keit.
In einem finalen Szenarium in einer zeitlich unbestimmten Zukunft gerät die Menschheit an den Rand ihrer Existenz. Es sind keine möglichen äußeren Einflüsse, wie Kometen­einschläge oder eine Pandemie, die zu dieser fiktiven Krise der Menschheit geführt haben, es sind vielleicht sogar nur gut gemeinte Entwicklungen, die aber in ihrem komplexen Zusammenwirken nicht mehr aufhaltbar waren.
Ergänzend dazu wird in dem Essay “Warum der Kampf-Sport immer den nächsten Krieg vorbereitet“ ein Problem aus der fiktiven Menschheitsgeschichte mit der Lupe näher be­trach­tet.
Entstanden sind diese dystopischen Essays aus dem Kon­zept zu einem Roman, das tausend Jahre nach einer existentiellen Krise der Menschheit zu einer neuen, anders­artigen Ent­wick­lung der Menschen führt.

Evolution zur Apokalypse?

Seit wann ist es wichtig zu wissen, wie die Geschichte wirklich war? Interessant ist doch nur, wie uns die Ver­gangenheit helfen kann, unsere Ziele in der Zukunft zu erreichen. (Verfasser unbekannt)
 
Der lange Weg der Menschen aus dem Tierreich hat einige Fakten geschaffen, die irgendwann einmal dazu führen können, einen final stabilen oder katastrophalen Abschluss zu finden.
Ein katastrophaler Abschluss der Evolution der Menschheit und deren Untergang werden im Laufe der Zeit immer wahrscheinlicher. Warum sollte die Art “Mensch“ nicht auch eines Tages aussterben wie so viele andere Tierarten?
Auch die Entwicklung einer menschlichen Kultur bietet keinen Schutz vor einer Apokalypse. Die Kultur, gemessen am immer größer werdenden Abstand zur Natur, bietet hierfür noch besondere Risiken, die diese Wahrschein­lichkeit der totalen Vernichtung der Art Mensch drastisch erhöht. Die Abhängigkeit der Menschheit von ihren tech-nischen Arte­fakten nimmt Dimensionen an, die ein Über­leben in der Natur für die gesamte Menschheit sehr un­wahr­scheinlich machen. Ein Wegfall all dieser Kultur­pro­dukte würde einem verschwindenden Rest der Mensch­heit in abgelegenen Gegenden vielleicht eine geringe Über­lebenschance auf dem Niveau der Steinzeit­menschen er­mög­lichen. Diese Menschen müssten aber heute noch ein­ge­übt sein in eine Subsistenzwirtschaft, die sie den abso­luten Verlust der Kultur ersetzen lässt.
Die Atomtechnik und die damit einhergehenden Risiken sind ein Produkt der menschlichen Kultur und von einem ähnlichen Potential der Vernichtung, wie es nur ein Zu­sammenstoß der Erde mit einem Kometen oder Asteroi­den hervorbringen kann. Die Nutzung dieser technischen Arte­fakte ist an ein Mindestmaß an wissenschaftlich-tech-nischem Verständnis in der Gesellschaft geknüpft.
Verlieren große Teile der Menschen dieses Verständnis und die Motivation für die Entwicklung von Technik und Wissen­­schaft, vielleicht weil sie von Religionen und ihren Heils­versprechungen mehr erwarten, dann wird ein Nie­dergang der menschlichen Kultur sehr wahrscheinlich. Viele Re­ligionen neigen zu apokalyptischen Erwartungen. Sie wün­schen die Errichtung eines Gottesstaates und als Voraus­setzung dafür muss die bestehende Welt in einem apo­kalyptischen Inferno transformiert werden. Der Neu­beginn startet nach einem verheerenden Kampf des „Guten gegen das Böse“, falls danach ein Neustart überhaupt noch möglich ist.   
Dass die Menschen im Laufe der Evolution die Fähigkeit der Reflektion, Modellbildung und Sinngebung ihres Tuns erlangt haben, ist noch keine Garantie für eine stabile Entwicklung. Exponentielle, asymptotische und lineare Ent­wicklungen über längere Zeiträume sind in der Natur nicht sehr häufig. Dagegen neigen viele Prozesse zu zyklischem Verhalten. Vielleicht liegt es daran, dass unsere Evolution  schon Milliarden von Jahren in ein streng rhythmisches planetares System eingebettet ist. 
Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen kann man davon ausgehen, dass ein Untergang der Menschheit noch vor dem physischen Ende des Weltalls, vor dem Ende jeder Zeit passieren wird, vorausgesetzt, wir lassen eine wie auch immer geartete Ewigkeit göttlichen Ursprungs außen vor.
Die Frage ist also nicht: Gibt es ein Ende der Menschen? Sondern die relevante Frage ist: Wie lange kann das Ende der Menschheit hinausgeschoben werden?
Wann der stabile oder der chaotische Endpunkt erreicht sein wird, kann nur der Laplacesche Dämon voraussagen, den es ja bekanntermaßen nicht gibt und auch nicht geben kann. Doch dass es ein Ende in der einen oder anderen Art geben wird, steht zweifelsfrei fest.
Ob das hier beschriebene Dritte Zeitalter der Menschheit, ein final stabiles sein wird oder wieder nur in eine Überganszeit zu einem neuen, vierten Zeitalter mündet – wir wissen es noch nicht. Wir wissen aber, dass es ein gewisses Potenzial für eine lang andauernde Stabilität in sich birgt und das ist doch schon einmal recht tröstlich.
Das Erste Zeitalter
So wie es in einem genügend großen Ozean hin und wieder vorkommt, dass sich eine sehr große Welle durch Überlagerungen sehr vieler kleiner Wellen bildet, haben sehr viele Überlagerungen von notwendigen Bedingungen dazu geführt, dass in diesem winzigen Raumbereiches des Welt­alls, den unser Planet ausfüllt, das Leben entstehen konnte.
Wir Menschen sind dann schon der zweite, höchst un­wahr­scheinliche Peak in einem wabbelnden Ozean von Lebe­wesen, die diesen Planeten Erde beleben.
Warum eine spezielle Art von Affen nicht über Jahrtausende Affen geblieben sind, ist wahrscheinlich einem Zufall geschuldet.
Irgendeiner dieser Affen hat beobachtet, dass ein harter Gegenstand (Stein) einem Tierkadaver die Knochen zer­schla­gen kann. Und was damit seiner ständigen Fresslust geboten wurde, war das energiereiche Nervengewebe und die Gehirnmasse. Offensichtlich blieb diese Beobachtung keine Eintagsfliege und diese Nische der Evolution mit der hoch­energetischen Nahrung wurde an die nächsten Gene­rationen weitergegeben. Das Schädeleinschlagen eines Opfers, um an sein Gehirn zu kommen, war in späteren Zeiten eine Domäne der männlichen Hälfte der Menschheit. Aber auch das ist nicht gesichert und kann ein Trugbild sein, das dem Nebel der Vergangenheit geschuldet ist.
Lassen wir das erste Zeitalter beginnen mit der deutlichen Herauslösung der noch affenähnlichen Menschen aus dem Tierreich. Die Benutzung von primitiven Werkzeugen und später des Feuers sind die markanten Veränderungen die­ser Frühmenschen. Ab diesem Zeitabschnitt beginnt für die Evolution eine neue Qualität. Sie ist nicht mehr blind tastend bei ihrer Suche nach Nischen des Lebens. Sie schafft diese Lebensräume jetzt selbst. 
Doch schon stößt sie an ihre erste Grenze. Die neue Qualität des Menschen in der Evolution ist erfolgreich, schnell ge­winnt er eine Überlegenheit und wird zum ge­fähr­lichsten Raubtier. Er setzt sich an die Spitze der Nah­rungskette und breitet sich ungehemmt aus. Das gelingt natürlich auch anderen Lebewesen. Bakterien und Viren können sich auch soweit ausbreiten, dass sie sich selbst die Grundlage ihrer Existenz nehmen. Sie breiten sich in einem Wirtskörper aus, bis dieser zugrunde geht. Für die erste Expansionswelle der Menschen war dieser “Wirtskörper“ der Bestand an jagdbaren Tieren. Plötzlich waren nicht mehr genügend Tiere da, die für die Existenzsicherung be­nötigt wurden. Vielleicht haben auch Klimaverän­derungen einen Beitrag zu dieser Katastrophe geliefert. Wäre diese erste Grenze der Ausbreitung nicht gekommen, was wie­derum sehr unwahr­scheinlich ist, dann hätte die Evolution die nächste Stufe nicht erreicht und die Menschen würden heute noch als Jäger und Sammler die Erde mitbevölkern. Tiere und Pflan­zen mussten jetzt domestiziert und ge­züchtet werden. Das was in der Natur blind und langsam erfolgte, das Anpassen an neue Umweltbedingungen, er-folgte jetzt viel schneller durch gezielte Selektion der Pflan­zen und Tiere.
Die Menschen wurden zur Sesshaftigkeit gezwungen. Das alte Jagen und Sammeln musste ergänzt werden durch das bequemere Domestizieren und Züchten. In Tausenden von Jahren wurden im Menschen selbst Fähigkeiten selek­tiert, die vor allem das Gehirn betrafen. Eine neue Fähigkeit kam hinzu, die Raumzeit. Das Muster von Aktion und Reaktion breitete sich über immer größere Zeit­abschnitte aus. Wer Saatgut ein Jahr aufbewahrte, der hatte eine Vorstellung davon, dass es ihm einen Vorteil brachte.
Kein einzelner Mensch konnte Ackerbau, Viehzucht, Jagd betreiben und Werkzeuge gleichzeitig herstellen. Das Zu­sammenwirken in einer Sippe hatte ja schon in der vor­hergehenden Epoche so erfolgreich funktioniert, dass der Mensch sogar den ihn an Stärke weit übertreffenden gro­ßen Raubtieren überlegen war. Die Polarisierung in männ­lich und weiblich brachte auch immer mehr Vorteile. Die männ­lichen Mitglieder einer Sippe spezialisierten sich auf den Außenraum, die weiblichen stärker auf den Innen­raum.  Der Außenraum wurde bestimmt durch Feinde und jagd­bares Wild, das immer den physischen Kampf um Leben und Tod beinhaltete. Der Innenraum war ein Rück­zugsraum, hier musste das neue Leben geschützt und be­wahrt werden. Feindseligkeiten konnten sich nur in einer nichtphysischen Ebene ausbilden, sollte nicht die Existenz der gesamten Sippe in Frage gestellt werden.  
Die universalistische Art Mensch, verbunden mit der Fähigkeit der Differenzierung seiner Tätigkeit, hatte nur eine Chance im Überlebenskampf als Sippe, wenn Erfah­rungen an die nächste Generation weitergegeben werden konnten. Das waren in erster Linie weibliche Mitglieder der Ge­sellschaft, da sie für ein gewisses Kontinuum garan­tieren konnten und im Allgemeinen eine höhere Lebens­erwartung besaßen. Sie waren es, die zuletzt übrig blieben, wenn die männlichen Mitglieder bei der Jagd oder im Kampf mit Nachbarsippen alle umgekommen waren. Die siegreichen Nachbarsippen nahmen sie meistens auf, wenn auch nicht immer gleichberechtigt.
In schriftlichen Überlieferungen der späten Bronzezeit, zum Beispiel der Bibel, finden sich nicht selten Aussagen da­rüber, das bei der Eroberung eines fremden Stammes oder einer anderen Sippe alle männlichen Mitglieder, auch die männ­lichen Kinder, getötet wurden. Frauen und Mäd­chen stell­ten das wertvollste Beutegut dar, waren sie es doch, die jetzt zusätzlich Kinder gebären konnten und damit einen Macht­zuwachs darstellten.
Die anfänglichen Menschenhorden unterschieden sich in dieser Beziehung kaum von den auf Pflanzenkost speziali­sierten Herdentieren. Muskulöse und aggressive, auf Kampf spezialisierte Alpha-Männchen gaben eine gewisse Garan­tie für die Erhaltung der Art im Überlebenskampf aller ge­gen alle ab.
Raubtiere nahmen meist eine andere, androgynere Ent­wicklung. Das ergab sich zwangsläufig. Im Phänotyp sind ein Tiger und eine Tigerin vom ungeübten Auge kaum zu unterscheiden. Wer an der Spitze der Nahrungskette im Tier­reich steht, hat keine sichtbaren Feinde. Die Aufspal­tung in Beschützer vor äußeren Feinden und Konkurrenten und Bewahrer des Nachwuchses und der inneren Ordnung entfällt. 
Wer von beiden ist gefährlicher, ein Tiger oder eine Tige­rin, ein Bär oder eine Bärin? Diese Frage erübrigt sich meistens oder wird sogar zugunsten des weiblichen Part­ners beant­wortet werden, wenn es gilt, Junge aufzuziehen.
Nicht so beim Menschen. Er steht an der absoluten Spitze. Die Differenzierung in starke Männchen und gebärfreudige Weibchen, eine Differenzierung auch der pflanzen­fres­senden Herdentiere, wird zu einem der Probleme späterer Zeitalter. Das Rollenverhalten zwischen Männern und Frauen ist nur für einen Abschnitt der Evolution von Vorteil.
Zentrale Figur dieses 1. Zeitalters ist “Die große Gebä­rende“, die auf Grund ihres Wissens und ihres langen Lebens eine Garantin für den Fortbestand der Art und ihrer Erfahrungen bildete. Not und Mangelsituationen und ihre Bewältigung schafften diese überlebenswichtigen Erfah­rungen. Die we­nigen, die so alt wurden, waren schon auf Grund ihrer Seltenheit etwas Besonderes.
Das Ziel war immer die Erhaltung der Sippe und damit der Art. Das ist der Prägung der vorher stattgefundenen Evo­lution aus dem Tierreich zu verdanken. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich solche sozialen Tugenden wie Nächsten­liebe und Hilfsbereitschaft stets auf die engsten Verwandten und die eigene Sippe bezogen. Menschen, die nicht zum Innenraum gehörten, wurden fast immer als Feinde auf Leben und Tod angesehen. Diese unausge­sprochene Beschränkung ethischer Werte auf die eigene Gruppe wird in späteren Zeitaltern eine apokalyptische Di­men­sion an­nehmen.
Die Evolution mit ihren Komponenten Selektion und Mu­tation verfolgt kein höheres Ziel, sie folgt keinem höheren Sinn, aber was entsteht, ist durchaus in letzter Instanz sinn­voll zu nennen.
Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle sein, dass die Insekten eine weit ältere Tradition im Überleben haben und ein Konkurrenzmodell zur menschlichen Gemeinschaft ent­wickelten: das Erfolgsmodell Insektenstaat.   
In dieser Epoche ist die Geburt von Mädchen wichtiger als die von Jungen. Jungen und junge Männer werden geopfert in Notsituationen und daraus abgeleiteten naturmystischen Ritualen. Hier finden wir vielleicht eine Ursache dafür, dass in späteren Zeiten immer noch Men­schenopfer darge­bracht werden, sei es, um Unheil abzu­wenden oder ganz allge­mein, um die Götter günstig zu stimmen.
Solche Notsituationen waren gegeben, wenn eine Bedro­h­ung von außen erfolgte. Männer müssen sich für die Sippe opfern, wenn ein Konflikt mit der Nachbarsippe um ein Jagdgebiet, um Weideland oder um fruchtbares Ackerland besteht. Nur der im Kampf Stärkere kann da überleben. Das ist natürlich weiterhin im Sinne der Evolution. Wenn (fast) immer nur der Stärkere, die stärkere Sippe überlebt, steigen die Chancen für das Überleben der ganzen Menschheit.
Die Männer wissen auch ganz genau, wer sie erwartet: Der Tod. Umso üppiger und berauschender feiern die Über­lebenden ihren Sieg. Hier finden wir auch erste Anhalts­punkte für die Weiterentwicklung einer Unter­kategorie der Intelligenz, die physischer Stärke ebenbürtig ist.
Wie stellt Mann es an, dass er eine solche tödliche Ausein­andersetzung unbeschadet überlebt? Durchschaut er den Ritus des Kampfrausches, in den die Männer erst kommen müssen, damit sie kämpfen wie Berserker? Erfreulicher­weise sind solche Gene über längere Zeiträume erhalten geblie­ben, wenn auch nicht dominant. Später musste Mann dann einen Platz auf dem Feldherrnhügel erobern und das Heldentum anderen überlassen.
Bedrohungen von Innen sind vor allem Hunger durch Nahrungsmangel, Kämpfe um die Vorherrschaft, Krank­heiten und Untergruppenbildung. Vor allem Nahrungs­mangel aller Art ist eine ernste Bedrohung der Gemein­schaft, sei er durch fehlendes Jagdglück oder durch Auf­zehren der gesammelten Bestände bedingt. Männliche Kinder sind Esser, auf die man in einem gewissen Umfang in solch einem Falle verzichten kann. Wichtig ist es nur, die "Gebärfähigkeit der Sippe" zu erhalten und das sind nun mal die Frauen und Mädchen.
Das Schlachten und Aufessen eines männlichen Babys oder Kindes in solch einer Notsituation ist ein starker Konflikt und nur über eine "Einsicht in eine höhere Notwendigkeit" der betroffenen Mutter beizubringen. Diese höhere Not­wen­digkeit war ja existentiell gegeben und das mystische Ritual erleichterte die brutale Handlung.
Der Erbstrom läuft im Ersten Zeitalter über die weiblichen Gene: Nur die Mutter erkennt ihr Kind. Die Frau wählt die Männer in friedlichen Zeiten aus, mit denen sie Kinder haben will. Die Erfahrung zum Überleben, zum Bewahren ist in den “Alten Frauen“ akkumuliert. Kinder haben eine größere Überlebenschance, wenn sie den alten Frauen und, wenn es sie gab, den alten Männern blind vertrauen. Nur diese konnten die nächste Generation warnen vor den existenziell bedrohlichen Gefahren der Umwelt.
„Gehe nicht zu nahe an das Wasser, dort wohnen Wassernixen, die dich für immer auf den Grund ziehen!“ solche und ähnliche Weisheiten, hier in einer späteren Formulierung, schützten die kleinen Kinder vor einem frühen Ende ihres Lebens.   
Die heranwachsenden und noch nicht kampffähigen Jungen werden zu Sex benutzt bei längerer Abwesenheit der Männer (Jagd), bei Verlust durch Kriege mit Rivalen oder rivali­sierenden und siegenden Tieren. Für das Über­leben einer Sippe reichen sehr wenige Männer aus; theo­re­tisch genügt ein Mann für eine Überbrückungszeit. Männer wachsen nach einer bestimmten Zeit wieder nach. In der Zwischenzeit ist es für die Frauen zwar nicht beson­ders bequem und sie müssen teilweise Männertätigkeiten ver­richten, was sie in Not­situationen auch können, aber nicht besonders gerne tun.
Eine weitreichende Differenzierung in männliche und weib­liche Individuen schafft gegenüber den Mitbewerbern (vor allem Raubtieren) einen großen Vorteil.
Der männliche Jäger ist fixiert auf das zu erjagende Tier, er muss sich konzentrieren, Mut und Rücksichtslosigkeit be­weisen und ein Durchsetzungsvermögen gegenüber der Beute und auch gegenüber seinen Artgenossen zeigen. Nur so kann er vielleicht Alpha-Männchen werden. Obwohl alle die Führung der Horde anstreben, kann es immer nur ein Mann werden.
Jäger waren keine Tierschützer, sie waren, mit unseren Moralvorstellungen gesagt, grausam, rücksichtslos und aggressiv. Ihr Verstand war einfach, logisch kausal und räumlich orientiert. Das reichte zunächst aus, um auf der Jagd erfolgreich zu sein. Später dann verschaffte er sich Vorteile durch probieren und entwickeln von Hilfen zur Jagd: Stein, Stock, Speer, Bogen, Steinschleuder…. alles Hilfsmittel, die ihm auch bei der Besiegung und Tötung seiner kon­kurrierenden Artgenossen behilflich waren. In späteren Zeiten wurden dann aus diesen Jagdhilfsmitteln Waffen entwickelt, die nichts mehr mit der Jagd zu tun hatten und nur der Massenvernichtung der konkurrie­renden Artgenossen dienten.
Die Mütter, durch ständiges Kinderkriegen und Versorgen der kleinen Kinder an der Jagd gehindert, mussten im Ge­gen­zug soziale Intelligenz entwickeln, die Sippe erhalten, den sozialen Frieden bewahren und ein soziales Geflecht gegen­seitiger Hilfe aufbauen.
Sie waren objektiv an der Ausübung männlicher Aktivitäten gehindert. Zum Kämpfen mit physischen Waffen nur wenig geeignet, waren sie es, denen das Bewahren des erreichten gesellschaftlichen Zustandes am Herzen lag.
So ist es nicht verwunderlich, wenn in den Zeiten, in denen die Männer länger auf der Jagd waren oder aus anderen Gründen nicht bei den Frauen und Kindern sein konnten, die friedvollsten und glücklichsten Zustände in der Ge­meinschaft der Frauen herrschten.
Kamen die Männer wieder zurück, dann setzte sich der Männerkampf fort, der Kampf untereinander um die Füh­rung, um die Frauen, der Kampf der Männer gegen die Frauen und Kinder durch Gewalt und Vergewaltigung. Waren die Männer wieder da, erwachte auch das weit bescheidenere Konkurrenzdenken der Frauen unterein­ander, das Buhlen um die Gunst der Männer.  
Neben der Differenzierung der intellektuellen Fähigkeiten kam es auch zu einer Differenzierung des Körpers. Ein männlicher Körper musste den Strapazen und Kraftanfor­derungen der Jagd angepasst sein. Später dann war dieser Körper auch für kraftanstrengende und gefährliche Arbeiten geeignet, die dem Aufbau des industriellen Wohlstandes dienten.
Dieser Körper war ein reiner Kampfkörper geworden, der immer kämpfen musste. Auch wenn es nichts zu be­kämpfen gab, musste etwas gefunden werden, um dieses Bedürfnis befriedigen zu können. In der friedvollsten Form waren das Kampfspiele, die später dann verschleiernd als Sport be­zeichnet wurden. Wer fit blieb, der war besser auf Kämpfe vorbereitet. 
Ein weiblicher Körper musste in erster Linie den Männern gefallen und ein breites Becken besitzen, damit er gebären konnte. Er musste auch Durchhaltekraft besitzen, um den Nachwuchs bis zur Eigenständigkeit zu bringen. Die höhere Entwicklung des Menschen gegenüber den Tieren erfordert eine lange Kindheit und Jugend.  
Während das erste Zeitalter unter einer geistigen Führer­schaft steht, die oft weiblicher, matriarchalischer Natur ist und noch keine ausgeprägten Führungshierarchien kennt,  beginnt sich in der Übergangszeit das Patriarchat zu ent­wickeln, das neben der physischen auch die geistige Füh­rer­schaft be­ansprucht.
Unter den Männern bilden sich besonders starke heraus, da es für das Überleben günstiger ist, wenn in Zeiten der Gefahr die "Fäden in einer Hand" liegen. Diese Gefahren liefert in immer stärkerem Maße die eigene Gattung. Gegenüber den Mitbewerbern aus dem Tierreich ist der Mensch nun absolut überlegen. Zum größten Feind des Menschen wird der Mensch selbst.
Es besteht jetzt eine Notwendigkeit für ausgeprägte Füh­rungs­hierarchien, um durch größere Menschenmassen eine Überlegenheit zu erreichen. Die Sippe wird zu einer Un­ter­­gruppe eines Volkstammes. Nur diese sind jetzt er­folg­reich im Evolutionsdruck. Es sind Wahlhierarchien und noch keine Erbhierarchien.
Führungskräfte werden gewählt, weil sie physisch stärker, rücksichtsloser, intriganter und brutaler sind als andere und sich damit auch erfolgreich gegen die Konkurrenten durch­setzen können. So wird die Wahrscheinlichkeit für das Über­­leben der eigenen Sippe, des eigenen Stammes er­höht.
 
Das Zweite Zeitalter
Dieses Zeitalter beginnt mit der Organisierung von Stammes­verbänden und der Akkumulierung von Macht und materiellem Besitz. Das erfordert eine neue Qualität in der Beherrschung der Natur. Die Technologie der Wer­kzeug-, Waren- und Nahrungsmittelherstellung hat einen Stand erreicht, der eine Überproduktion in größerem Maß­stab erlaubt. Es werden Waren hergestellt, die als Tausch­objekte dienen. Erst mit dem Handel der Überproduktion wird die Akkumulation von materiellem Besitz und Reich­tum möglich.    
Dieses Zeitalter bringt das Patriarchat zur vollen Blüte. Der Patriarch gründet seine Herrschaft anfangs allein auf physische Stärke, Rücksichtslosigkeit  und Grausamkeit ge­gen­­über den Mitbewerbern und Feinden, auch gegenüber denen in den eigenen Reihen. Gütig und jovial verhält er sich zu seinen Gefolgsleuten aus der eigenen Sippe und dem eigenen Stamm.  
Das große Problem der Stammesfürsten, das Altern und damit der Verlust ihrer physischen Kraft, verbunden mit ihrer "Abwahl", wird durch die heterosexuelle Gemein­schaft der Ehe für lange Zeit gelöst.
Die alternden "Führerpersönlichkeiten" sind gefährdet, wenn ihre physische Kraft nachlässt, sie sind aber statistisch ge­sehen weniger gefährdet, wenn ein "persönlicher Nach-komme" sie beschützt. Damit das besser funktioniert, muss Macht und Besitz akkumuliert werden. Aus den Stammes­fürsten werden die Patriarchen, die ihre Führungsrolle immer stärker dem Erbstrom verdanken und der damit verbundenen Akku­mulation von Macht und materiellem Besitz. 
Es entstehen die verschiedenen erblichen Machtstrukturen und Machthierarchien. Damit ist aber bereits ein gefähr­licher Keim zur Selbstzerstörung gelegt. Das Erbpatriarchat neigt zur Erstarrung und ist an irgendeinem Punkt seiner Ent­wicklung überfällig. Besitz und Macht müssen nicht ständig neu er­worben und erkämpft werden, sie fallen den Nachfolgern wie reife Früchte in den Schoß.
Das Patriarchat dehnt seinen Einfluss nicht nur auf physische Machtbereiche aus. Es gelingt auch die an sich überlegene soziale Intelligenz der Frauen durch religiöse Versklavung zu bändigen. Das übernehmen Schamanen und später Priester. Die sich entwickelnde Intelligenz ermö­glichte eine weitere Differenzierung in physisch starke und geistig starke Alpha-Männchen. Immer blieben es aber Alpha-Männchen. Diese Differenzierung ging nicht bis zu einer Polarisierung, sondern zeigt nur die Ausweitung eines bestehenden Spektrums an. Klug und stark zu sein waren allemal die besten Voraus­setzungen für eine erfolgreiche Karriere in der Führungs­hierarchie.  Bis zu einem gewissen Maße konnte Stärke durch Klugheit oder Klugheit durch Stärke kompensiert werden.
 
Zwei große Machthierarchien teilen sich in die Beherr­schung der menschlichen Rasse:
Die patriarchalisch weltliche Ordnung gründet sich in erster Linie auf physische Stärke, rigoroses Durchsetzungs­vermögen, brutale Gewalt und vielfältige Formen von Aggressivität. Duckmäusertum, sklavische Unterwürfigkeit und Kadavergehorsam sind sekundäre Erscheinungs­formen.
Um diese Form der Machtausübung aufrechtzuerhalten, müssen beständig neue, gewaltigere und gefährlichere Waffen entwickelt werden. Das ist die Geburtsstunde der Technik, speziell der Waffentechnik. "Der Vater dieser Technik ist der Krieg" ist eine schon seit den Anfängen dieses Zeitalters bekannte philosophische Wahrheit. Technik ist eine rein männliche Kulturleistung, erfunden zur Ausübung und Erhaltung der weltlichen Ordnung.
Die Beherrschung des Schmiedens von Langschwertern aus Eisen wirkte sich verheerend für die Völker aus, die noch mit den weichen Bronzeschwertern kämpfen mussten, selbst wenn sie eine höher entwickelte Kunst und Kultur besaßen. Eine überlegene Waffentechnik zu besitzen, blieb Jahr­hunderte lang das erste Ziel der patriarchalisch gepräg­ten Machthierarchien.  Kriege zur Expansion der Macht wurden ständig geführt, bis das angehäufte Vernichtungs­potential eine solche Qualität erreicht hatte, dass ein ungehinderter Einsatz die Wahrscheinlichkeit für den ge­meinsamen Untergang sehr hoch werden ließ. Es konnte keine Sieger und Besiegten,  sondern nur noch Vernich­tung auf beiden Seiten geben. Lange Zeit herrschte dieses Gleich­gewicht des Schreckens wie ein Damoklesschwert über der ganzen Menschheit. Es hatte die apokalyptische Phase des Zweiten Zeitalters begonnen.
 
Die patriarchalisch religiöse Hierarchie gründet sich auf Glaubensdogmen, und wird genährt durch die (normale) Angst des Menschen vor dem Tod und durch die Angst vor strafenden göttlichen (weil allmächtigen) transzendenten Gewalten. Diese Dogmen berufen sich auf eine göttliche Offenbarung. Eine Missachtung kommt einer Missachtung der patriarchalischen Autorität gleich. Verbunden damit ist eine Selbstimmunisierung gegen jede Kritik.
Sie nimmt die Erfahrungen der zuvor herrschenden Naturreligionen geschickt auf. Ab einer gewissen Entwicklungsstufe der Menschheit entstanden spezielle Rituale und Handlungen für die Kommunikation mit dem Göttlichen, zunächst noch ohne priesterliche Vermittler. Die in den Naturreligionen praktizierten Kontaktaufnahmen wie Fasten, Isolation und Visionen wurden zu Bestandteilen der monotheistischen Religionen. Fruchtbarkeitsriten, die sich auf Jahreszeiten be­zogen, wurden nahezu identisch übernommen.
Die religiöse Hierarchie gibt vor, den Schlüssel für eine ewige Glückseligkeit zu besitzen und sie verspricht dem Individuum, an dieser Glückseligkeit teilzuhaben, wenn es sich unterwirft.
Religion ist in erster Linie ein Nebenprodukt der Evolution, das geschickt zum Aufbau einer Machtstruktur genutzt werden kann, die nicht vornehmlich auf physischer Stärke aufbaut. Es verschaffte den heranwachsenden Menschen, den Kindern und Jugendlichen, Überlebensvorteile, wenn sie den älteren Mitgliedern ihre Sippe bedingungslos vertrauten und glaubten, was diese über die Gefahren der Umwelt wussten und wie man mit diesen Bedrohungen umzugehen hatte.
Deshalb wurden vor allem schon Kinder religiös erzogen, weil damit eine bessere Gewähr für den Erhalt der religiösen Machtstruktur gegeben war. Kinder können noch nicht entscheiden, was reale von eingebildeten Gefahren unter­scheidet.
Sie glauben, weil es sich in im Laufe der Evolution als ein Überlebensvorteil herausgestellt hat. Sie glauben auch die religiösen Dogmen aus dem gleichen Grund. Besonders wenn sie aus einem System von Bestrafung und Belohnung bestehen.
Gipfelpunkt dieser irrationalen Indoktrination ist das Differenzieren von Gut und Böse in Himmel und Hölle, die Erbsünde und das symbolischen Tragen von Folterinstrumenten in Form des christlichen Kreuzes mit oder ohne Gekreuzigtem.
Zentraler Machtfaktor ist die "Stellvertreter- oder Vermittlerrolle" der Patriarchen zu "göttlichen" Glaubensprodukten. Zur Absicherung des geistigen Alpha-Männchens wird ein transzendentes Alpha-Männchen, ein Gott, bemüht. Gipfelpunkt dieser Evolution sind die monotheistischen Religionen.

Es ist ein individueller personaler Gott, der die Welt geschaffen hat und außerhalb stehend in sie eingreifen kann.
Gegenüber dem Polytheismus, der oft auch weibliche Gottheiten umfasste, ist die monotheistische Religion konsequent auf einen "Vatergott" zentriert und damit direktes Abbild der patriarchalischen Struktur der Gesellschaft.
 
Die monotheistischen Religionen waren anfangs oft in den unteren Schichten und bei den Sklaven verbreitet und dienten dort als eine Art Erlösungshoffnung im Jenseits von den konkreten Leiden in einer brutalen Sklavenhaltergesellschaft. Die damit verbundene Gruppensolidarisierung konnte den gesellschaftlichen Status mildern und das soziale Los erträglicher gestalten.
Später dann, als Staatsreligion, wandelte sich die monotheistische Religion zu einem starken patriarchalischen Herr­­schaftsinstrument. 
Falschheit, Lügen, List, Angst vor göttlicher Bestrafung, religiöser Fanatismus gegenüber anderen und bedingungslose Abhängigkeit sind die sekundären Erscheinungsformen einer Erlösungshoffnung von irdischem Leiden, von physischem Tod und ewigen Qualen im Jenseits.

Eine aus der Religion abgeleitet Ethik bezieht sich nur auf die Angehörigen des eigenen Glaubens oder wird missionarisch zur Gewinnung neuer Anhänger und zum besseren Ansehen der Glaubensgemeinschaft eingesetzt. Dabei ist es unerheblich, ob der einzelne Gläubige aus ehrlichem Glau­ben heraus handelt. Für die Entwicklung der Gesellschaft sind die mono­theistischen Religionen als Gesamtheit von Bedeutung. So wie das Patriarchat auf dem Prüfstand steht, sollten auch die patriarchalisch monotheistischen Religionen auf den Prüfstand kommen.
 
Beiden Machthierarchien ist Unterdrückung ("der Ande­ren") und Expansion der eigenen Macht gemeinsam. Zu­sam­men sind sie das Grundübel und der Risikofaktor späterer Zeiten.
Die beiden Hauptformen der Machthierarchie lassen zu­nächst den weiblichen Mitgliedern der Gesellschaft nur eine sekundäre, "geheime" Machtausübung und Beein­flussung der männlichen Hierarchien durch sexuelle Ver­weigerung, Intri­gen und soziale Geflechte im Untergrund.
Die mangelnde Bereitschaft zur Weiterentwicklung ethi­scher Vorstellungen, vor allem in religiösen Hierar­chien, wirkt sich nachteilig für die Evolution aus. Es erschwert die Anpassung von Verhaltensregeln an neue gesellschaftliche Gegeben­heiten, wie sie mit einer Weiterentwicklung von Wissen­schaft und Technik erforderlich sind. Der Einfluss­bereich eines transzendenten Gottes wird durch die Ent­wicklung von Wissenschaft und Technik immer weiter ein­geschränkt. Schließlich beschränkt sich der Einfluss auf eine “Zeit“ vor der Zeit, auf eine Zeit vor dem Beginn der Welt. Das hält jedoch die Menge der wahrhaft Gläubigen nicht davon ab, einem Kinderglauben nachzuhängen und darin psychische Harmonie zu finden. Glauben lässt im Gegen­satz zu einem wissenschaftlichen Weltbild keine Falsifi­zierung, kein In­fragestellen des Glaubensinhaltes zu.
Viele, namentlich religiöse Menschen, sind jedoch prakti­zierende Atheisten. Deshalb gibt es auch Kämpfe zwischen den weltlichen und religiösen Machthierarchien.
Dieses Zeitalter ermöglicht die Geburt von Kunst und Technik als einem wesentlichen Faktor zum Erhalt und zur Festigung der beiden patriarchalischen Machtstrukturen. Auf dem Höhepunkt dieses Zeitalters gibt es praktisch keine weißen Flecke auf der Erdoberfläche mehr. Die Grund­lagenforschung konzentriert sich mehr auf die Suche nach einer einheitlichen “Weltformel“. Die angewandte For­schung weitet sich aus und schafft einen gigantischen Wohlstand für einen Teil der Weltbevölkerung. Daraus entstehen nicht zu lösende Ungerechtigkeiten, die nach einer immer umfassenderen Organisation, nach einer Welt­regierung verlangen. 
 
Evolution bedeutet Veränderung. Komplexe Systeme ver­suchen, sich immer in Richtung eines stabilen Zustandes zu verändern. Ist ein solcher erreicht, tritt Stagnation ein und die Entwicklung kommt zum Stillstand. Ein solcher Zustand kann sehr harmonisch sein und größere Zeiträume über­dauern. Er könnte sogar praktisch unendlich lange so be­stehen, wenn das Universum nur aus diesem einen System bestünde.
Komplexe Systeme bestehen aber meist aus Untersystemen und konkurrieren mit anderen, ähnlich großen oder grö­ßeren Systemen.
Eine längere, stabile Phase eines Systems bietet immer einem anderen, nicht stabilen, dynamischen System ge­nügend Anreize, sich so zu verändern, dass es besser wird als der Konkurrent. Meist wird dabei die Stabilität zerstört und der Zyklus beginnt von neuem.
Evolution findet nur statt im ständigen Wechsel zwischen instabilen und stabilen, zwischen disharmonischen und harmonischen Zuständen.
Der Übergang ins Dritte Zeitalter der Menschheit bedeu­tete eine besondere, so noch nicht da gewesene Qualität an Instabilität für die menschliche Gesellschaft. Es war eine Transformation in einen anderen Zustand.
Das lag zum einen daran, dass dieses System "Menschliche Gesellschaft" an ihre Grenzen gestoßen war und zum anderen daran, dass viel zu lange versucht wurde, Stabilität und Harmonie aufrecht zu erhalten. Das ist aber Gift für die Evolution jedes höheren Systems.
Beide Umstände vergrößerten die Wahrscheinlichkeit der totalen Zerstörung. Zuletzt bestand die Stabilität nur noch als Gleichgewicht des Schreckens. Zu groß war das ange­häufte Vernichtungspotential.
Es war verständlich, dass die Menschen aus den Erfah­rungen von zwei zerstörerischen Weltkriegen, in denen es um die Vorherrschaft von Untersystemen in der Gesell­schaft ging, nun endlich die "gewaltfreie, humanistische Gesellschaft" propagierten.
Das war eine Richtung auf ein neues Etappenziel der menschlichen Evolution.
Was die meisten Menschen aber nicht wahrhaben wollten, war die Tatsache, dass solch eine neue harmonische und stabile Gesellschaft nur durch gewaltige Instabilitäten er­reicht werden konnte. Instabilitäten, Unsicherheiten und Chaos konnten nur entstehen, wenn die bisher stabilen gesell­schaftlichen Untersysteme radikal in Frage gestellt wurden.
Nur wenige erkannten anfangs die existentielle Bedeutung dieser Problematik. Da das System global an Grenzen ge­stoßen war, mussten alle Bereiche der menschlichen Ge­mein­schaft in Frage gestellt werden. Es bestand eine große Gefahr darin, dass versucht wurde, einige Bereiche davon auszunehmen.  
 
Industrie – Produktion – Wohlstand
 
Obwohl die Gewinnung der Ressourcen an Rohstoffen und Energie immer uneffizienter wurde, wollte die Mehrheit der Menschen in den Industrienationen nicht auf den Wohl­stand verzichten.
Die in Jahrmillionen aufgespeicherten Energien in Form von organischen Brennstoffen erreichten eskalierend den Höhe­punkt ihrer Ausbeutung, um dann in den Zustand der Vernutzung zu kommen. Das, was sich effizient abbauen ließ, war abgebaut. Die Kohle, das Öl und das Gas waren zum größten Teil verbrannt und die Rückstände wieder in der Luft. Die daraus gewonnene Energie war zum größeren Teil als Wärmestrahlung in den Weltraum entwichen.
Die Hoffnung, man könne mit alternativen Energien wie Sonnen-, Wasser-, Erd-, und Windkraft den Wohlstand für alle erhalten, erwies sich als fataler Trugschluss. Allein die Herstellung dieser Anlagen und ihre Wartung erforderte selbst so viel Energie, so dass im Ergebnis sehr wenig zur freien Verfügung stand. Daran änderte auch eine Renaissance der Atomkraft nichts. Die Reserven an Uran waren, wie die fossilen Energieträger auch, bald erschöpft. Die Beherrschung der Kernfusion erforderte einen gewal­tigen technologischen und materiellen Aufwand, für den gegen Ende des Zweiten Zeitalters keine Kapazitäten mehr vorhanden waren.
Die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und die restlose Besiedlung und Nutzung der zur Verfügung stehenden Landmassen machten solche Fähigkeiten wie Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Eroberungs- und Expansion­sdrang zu einer Gefahr für den Fortbestand der Menschheit. Es gab nichts mehr, was ungestraft und ohne Missbilligung von einzelnen Interessengruppen, Staaten und Staaten­bünd­nissen erobert werden konnte, weder Land noch Menschen.
Die Ressourcen waren aufgeteilt. Die westlichen Industrie­nationen konnten ihren Wohlstand nur aufrechterhalten, wenn der große Rest der Weltbevölkerung weiterhin auf einem niedrigen zivilisatorischen Niveau gehalten wurde. Doch das stellte sich als eine Illusion heraus. Die Industrie­nationen hatten ja ihren eigenen Totengräber schon ge­schaffen: die Globalisierung. Das Maß der Ungerechtigkeit wurde jetzt im globalen Maßstab überdeutlich sichtbar.
Weltweiter Waren-, Finanz- und Nachrichtenverkehr schu­fen die Grundlage für neue Begehrlichkeiten und Teilhabe­forderungen der Benachteiligten am Wohlstand der reichen Industrieländer. Obwohl sich die westlich gepräg­ten rei­chen Länder wie in einer Wagenburg zu verteidigen such­ten, gelang es doch immer mehr "Zornigen Jungen Männern" aus der dritten Welt die Befestigung zu durch­brechen.
Um diese ständig wachsenden Probleme zu lösen, wurde in streng vertraulichen Kreisen über die Möglichkeiten lo­kaler Kriege nachgedacht. Mit fingierten Kriegsgründen und Pro­pa­gandakampagnen wurden Staaten zu Terrorstaaten ge­macht, die den Weltfrieden gefährdeten. Sie wurden gleich­sam als Krebsgeschwüre angesehen, die vernichtet werden mussten. Doch sie verhielten sich dann tatsächlich wie Krebs­­geschwüre und setzten überall in den westlichen Industrie­ländern ihre Metastasen ab.   
Die demografischen Zustände in den unterentwickelten Ländern waren der Grund dafür, dass die vielen arbeits­losen männlichen Jugendlichen zu einem gefähr­lichen aggressiven Potenzial anwuchsen. Diese sozialen Miss­stände, gepaart mit Heilsversprechungen und Beloh­nungen im Himmel mit einer Schar von Jungfrauen (War­um wur­den die Jungfrauen eigentlich so hart bestraft?) ergaben eine explosive Mischung für junge männliche Gottes­krieger. Die Aussichtslosigkeit vieler von ihnen auf einen Job, um damit eine Familie zu gründen und zu erhalten, wurde immer größer.
Selbst unter Jugendlichen in den westlichen Industrie­ländern machte sich eine gefährliche Endzeitstimmung breit. Nieder­qualifizierte Arbeiten wurden immer stärker unterbezahlt. Nur wenige in den wohlhabenden Industrie­nationen wurden durch die Zins- und Inflationspolitik ohne eigene Arbeit immer reicher. Diese inneren Spannungen überlagerten sich mit den äußeren Spannungen, die aus den Widersprüchen zu den immer erfolgreicher werden­den bevölkerungsreichen Ländern entstanden. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Energie betrug in den wohlhabenden Industrienationen ein Viel­faches gegenüber dem Verbrauch in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Ein gerechter Ausgleich, mit einem drastischen Wohlstandsverzicht, war nicht konsensfähig. 
Die Kriegsgefahr nahm zu. Eine drohende Umverteilung des Reichtums und eine Neuaufteilung der verblieben Rohstoffe und Energieträger wurde immer wahrschein­licher. Da halfen auch keine antiterroristischen Maß­nah­men, die führten nur weiter in eine totale Über­wachung aller und erzeugten gefährliche Spannungen in der Bevöl­kerung. Denn der Grund und die Basis des so genannten Terrorismus wuchsen weiter und konnten nicht beseitigt werden. Dieses Dilemma vergrößerte sich ständig.
 
Soziale Strukturen der Gesellschaft
 Die soziale Basis des Zweiten Zeitalters der Menschheit war die patriarchalisch organisierte Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft. Sie sorgte lange Zeit für Stabilität und Wachs­tum. Auch die anderen Bereiche der Gesell­schaft waren patriarchalisch hierarchisch aufgebaut.
Erst bildeten Könige, Kaiser, Päpste und Kirchenfürsten, später dann Kanzler, Präsidenten, Päpste, Religionsführer, Industrie- und Finanzbosse die Spitzen der Hierarchie.
Als die Industrie ihre niederqualifizierten Arbeiter verlor (sie wurden einfach nicht mehr gebraucht), die Kirchen in den westlichen Industrieländern leer blieben und die Bürger immer weniger zu den Wahlen ihrer politischen Hier­archien gingen, merkte man langsam, dass auch dieser Bereich auf dem Prüfstand der Werte stand.
Was in der patriarchalischen Gesellschaft so gut funk­tioniert hatte, begann sich aufzulösen. Das betraf auch die kleinste Zelle dieser Gesellschaft, die Familie. Die nicht mehr auf­zuhaltende Befreiung der Frauen aus den Fesseln der ver­gangenen Epochen brachte die alten Familien­strukturen zur Auflösung. Keine Frau wollte sich mehr als Untertan des Mannes fühlen. Wirtschaftliche Unab­hängigkeit von dem sich patriarchalisch verhaltenden Mann wurde für viele Frauen ein Ziel ihrer Selbstver­wirklichung. Ehegemein­schaften hatten eine immer ge­ringer werdende Lebens­dauer. Es begann erst langsam in den westlichen Industrie­gesellschaften und breitet sich dann immer schneller über den Globus aus.
Viele Familien lösten sich auf, nachdem die Kinder er­wachsen waren. Später lösten sie sich auch viel früher auf oder wurden gar nicht erst gebildet. Alleinerziehende Elternteile wurden trotz der wirtschaftlichen Probleme immer häufiger. Allgemein ging aber die Geburtenrate in diesen Ländern zurück. Das war sicher auch sinnvoll, da die Gesellschaft sich längerfristig auf ein nachhaltiges Wirt­schaften einstellen musste und das verlangte einen Rück­gang der Bevölkerungsdichte, sollte es nicht zu katastro­phalen Verteilungskämpfen kommen. Doch dadurch ent­standen neue Spannungen zu den religiös geprägten und in archa­ischen Gesellschaftsstrukturen verbliebenen Ländern. Diese hatten, bedingt durch die fast totale Abhängigkeit der Frau vom Familienoberhaupt, dem Mann, eine höhere Gebur­tenrate. Außerdem besaßen diese Gesellschaften meist einen geringeren Bildungsstand. Die Epoche der Aufklärung, die Säkularisation, die Trennung von Staat und Kirche war in diesen Ländern, wenn überhaupt, sehr schleppend und unvollständig vonstatten gegangen.   
Mit grotesken Kampagnen wurde versucht, die alten Struk­turen zu retten. Die Rückbesinnung auf die "Geborgenheit der Großfamilie und Sippe" mit alten religiösen Werten sollte die Lösung bringen und den Einfluss der Kirchen erhalten. Doch dieser Archaismus funktionierte nur noch in bildungs- und internetfernen Schichten der Bevölkerung. Die heran­wachsenden Generationen, aufgewachsen mit Computer und Handy, und freiem Zugang zu weltweiten Infor­mationen, geriet immer mehr in Widerspruch zu den Alten, die als Entscheidungsträger und konservative Wächter in den Regierungen und Expertenkommissionen saßen. Hier baute sich ein enormes Konfliktpotential auf, das dann später nicht mehr zu kontrollieren war. 
Die Ehegemeinschaft wurde immer brüchiger und war nicht mehr überlebensfähig. Sie war unter dem Trend der ge­schlech­tlichen Gleichberechtigung nicht mehr länger stabil, sie hatte sich überholt und wurde rückständig und später geächtet. Wahre Gleichberechtigung war nur unter andro­gynen Formen möglich. Die Menschen sind aber keine andro­gynen Wesen, wie die als edler empfundenen Raub­tiere unter den Tieren. Die Menschen sind viel stärker den Herdentieren ähnlich.
Nachdem Ehescheidungen immer häufiger und kurz­fristiger erfolgten und auch die neuen Eheschließungen immer ent­täuschender wurden, setzte sich endgültig der Trend zur allein­erziehenden Frau durch. Der Mann musste in der Familie seine (physischen) Aggressionen unter­drücken, was nie ohne psychische Probleme verlief, während die Frau ihre sozial sanktionierten, psychisch dominierten Aggressionen voll ausleben konnte. Getrennte Wohnungen milderten das Problem. Die gemeinsamen Zeiten zwischen Männern und Frauen waren so auf ein für beide Seiten er­trägliches Maß reduziert. Die Frau be­wohnte eine Woh­nung meist mit den Kindern zusammen, der feste Freund hatte eine räumlich getrennte Unterkunft. Gemein­same Zeiten beschränkten sich auf die Wochen­enden, Feiertage und gelegentlich auch auf den Urlaub. Diese Form konnte längere Zeit stabil bleiben.
Den meisten Frauen in einer archaischen Ehegemeinschaft gelang es später, auf Grund ihrer überlegenen sozialen Kompetenz, sich mit ihren Kindern zusammen gegen den Mann zu verbinden und diesen bis zum Äußersten zu bringen, sodass die Ehe aufgelöst werden konnte.  
Das Selbstwertgefühl der Männer geriet in eine nicht mehr zu beseitigende Krise. Es bildete sich in ihren Reihen Widerstand aus, der ein Zurück zu den traditionellen Rollen­­verteilungen zwischen Mann und Frau in der Gesell­schaft propagierte. Besonders heftig wurde das Gender­main­­­streaming, das Gleichstellen der Geschlechter, be­kämpft. Das war ein entscheidender Fehler der kon­servativen Männer­bewe­gungen, der dann folgerichtig die Wahrschein­lichkeit einer Katastrophe erhöhte.
Die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau war am Ende.
 
Fortpflanzung und Erhaltung der Art

Höhere Lebewesen auf dem Planeten Erde sind polar organisiert in weibliche und männliche Exemplare.
Die Entwicklung hat gezeigt, dass es sehr sinnvoll war. Ein neues Lebewesen entstand in der Regel je zur Hälfte aus den Erbinformationen seines weiblichen und männlichen Eltern­teils. Es entstanden ständig neue Mischungen der Eigen­schaften und angeborenen Fähigkeiten und jedes neue Exemplar Mensch war ein Individuum. Durch dieses stän­dige Mischen, verbunden mit den Mutationen, konnte auf Um­weltver­änderungen, die auch in Form ver­heerenden Krank­heiten auftraten, besser reagiert werden.   
Sehr sinnvoll war auch die Differenzierung in männlich und weiblich. Das ermöglichte die Spezialisierung des anson­sten uni­versa­listisch entwickelten Menschen. Jagende Män­ner­­horden waren den konkurrierenden Raubtieren zumin­dest ebenbürtig gewesen. Diese, sich in Jahr­tau­senden heraus­gebildete Spezialisierung, wurde später zu einem Hindernis der weiteren Entwicklung. Es war eine Sackgasse der Evolution geworden. Diese Spezialisierung war vorteil­haft auf einer niederen Stufe der Intelligenz­entwicklung. Aber es war ja auch diese Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten, die den Abstand zum Tierreich ständig ver­größerte und all das, was aus dem Tierreich stammte, obsolet werden ließ.
Durch äußerliche Einwirkungen auf das Erbmaterial und besonders auf die sehr empfindlichen männlichen Samen­zellen entstanden ständig Abweichungen, Mutationen. Die meisten dieser Mutanten waren schlechter angepasst als ihre Eltern, einige sehr wenige aber auch besser. Die natürliche Auslese bei den Paarungsriten sorgte dafür, dass die besseren ihre neuen Fähigkeiten und Eigenschaften fortpflanzen konnten. Die männlichen Exemplare einer Gattung hatten die Aufgabe, die genetischen Verän­de­rungen in ihrer Gattung zu beschleunigen.
Diese Art der Fortpflanzung kam erst sehr spät auf den Prüfstand der Evolution. Es gab enorme Widerstände bei der sich langsam herauskristallisierenden Gewissheit, dass diese Methode der Fortpflanzung ein Hindernis für die Weiter­entwicklung der Menschheit war. Es war nicht nur ein Hindernis, diese Art der Vermehrung der menschlichen Rasse gefährdete sogar ihren Fortbestand.
Die Männer wollten nicht begreifen, dass ihr Beitrag für die Zukunft der Menschheit aus den verschiedensten Gründen irrelevant war. Dabei wurden Gentechnologien einfach ignoriert, die neue Menschen über In-vitro-Fertilisation, intrazytoplplasmatische Spermieninjektion, Klonen (vehe­ment bekämpft, vor allem von religiösen Moralisten) oder später dann die Vereinigung zweier weiblicher Eizellen, deren Chromosomenzahl auf die Hälfte reduziert wurde.
Es wurde immer wahrscheinlicher, dass der menschliche Nachwuchs in einer künstlichen Gebärmutter aufwachsen konnte und das die dazu benötigten Ei- und Samenzellen aus Stammzellen auch außerkörperlich gezüchtet werden konn­ten. Selbst wenn es eine gewisse Zeit dauerte, bis diese Technologie voll ausgereift war, kam sie jedoch nicht zu spät. 
Aggressionen der Männer, die sich hauptsächlich im Physischen ausleben, werden immer stärker gesellschaftlich geächtet. Diese Aggressionen müssen (von ihren Besitzern) verdrängt werden. Nur leider heißt verdrängen nicht be­seitigen, sondern oft nur verschieben in andere Bereiche und Gebiete. Nur ritualisierte Angriffe und Aggressionen (typisch männliche Sportarten: Fußball, Football, Stier­kampf, Boxen, Tennis…) bei denen getreten, gestoßen, geworfen und niedergerungen wird, sind noch als Betätigungsfeld männlicher Aggression erlaubt.
Der gemeine Mann besitzt eine morbide Faszination für Gewalt und Blut. Autounfälle, Schlägereien schon auf Schul­höfen, Boxkämpfe, Automobilrennen, Fußballspiele lockten täglich Millionen von begeisterten Männern und Jungen, gierig nach Augenblicken der Gefahr, Schlägen ins Gesicht, gebrochenen Knochen, bewusstlosen oder sogar sterbenden Wettkämpfern.
Karrierismus und Mobbing, vornehmlich im stetig wach­senden Beamtenapparat, waren auch kein vollständiger Ersatz für physische Aggressivität.
Allerdings, und das führte zu großen Problemen, kann die eingeübte Aggressivität nicht mehr wirklich ausgeübt wer­den. Kriege als ein geeignetes Instrument dafür sind, da sie den Fortbestand der gesamten Menschheit gefährden, nicht mehr länger geeignet. Auch die sogenannten Prä­ventiv­kriege lassen sich nicht länger rechtfertigen.
Als Folge von psychischen Verdrängungseffekten entsteht ein weites Spektrum aller möglichen Perversionen in Sub­kul­turen. Dort herrscht sadomasochistische Gewalt in kleinen abgeschotteten Kreisen und Sekten. Einzeltäter und Amok­läufer machen das Problem "Mann" immer wieder öffentlich.
Gegen Ende dieser Übergangszeit entlud sich die ver­drängte und aufgestaute Aggressivität in einem apoka­lyptischen Religions­krieg von vernichtender Brutalität.
Dagegen ist aggressives Verhalten der Frau (üble Nachrede, Freundschafts- und Liebesentzug, Verächtlichmachen, Ver­spotten, Intrigieren) sozial erlaubt.
Diese frauenspezifischen Widersprüche liegen eine Ebene höher als die Widersprüche einer männerdominierten Ge­sellschaft. Aggressionen der Frau sind, im Gegensatz zu den Aggressionen der Männer, auf der psychischen Ebene viel stärker zu finden. Für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation war es aber von entscheidender Bedeutung, dass die Aggressionen auf der physischen, auf der kör­perlichen Ebene verschwanden. Nur die Lösung dieser männer­be­dingten Widersprüche konnte die Gesellschaft insgesamt auf eine höhere Ebene der Entwicklung bringen.
Gegen Ende dieses Zeitalters sind die Erbhierarchien der Macht zerfallen, die Beamtenhierarchie in beiden Macht­strukturen, speziell aber in den weltlichen Strukturen, nimmt immer groteskere Formen an, da sie allein noch eine gewisse Existenzsicherheit im Leben geben kann. Immer mehr Jugendliche, die sich dem Konkurrenzdruck in der freien Wirtschaft nicht gewachsen fühlen, versuchen in diese Oasen der Sicherheit zu gelangen.     
Ein immer unförmigerer und langsam erstarrender Beam­ten­­apparat absorbiert alle physische und geistige Macht der übrigen Gesellschaft. Sachzwänge und ein undurchdring­licher Urwald aus Gesetzesvorschriften wirken immer lähmender auf die Gesellschaft. Dieser Apparat ist in ho­hem Grade egoistisch und auf den Selbsterhalt orien­tiert. Das Individuum in dieser Hierarchie hat seine (steigende) Besol­dung und die gesicherte Altersversorgung im Auge.
Das Ziel des Apparates ist es, omnipotent zu sein und die absolute Macht auszuüben. Die totale Kontrolle und Macht­ausübung über die Individuen der menschlichen Gesellschaft ist das Ergebnis. Intrigen, persönliche Be­reicherung und psychische Schikanierung des Restes der Gesellschaft sind "Tugenden" dieses Apparates. Die Legi­timation wird aus der Propagierung der "humanen, gewalt­freien Gesellschaft" ge­schöpft. 
Aggressivität und andere, dem Männlichen zugeschriebene Eigenschaften, werden vorerst nach außen verdrängt. Lo­kale Präventivkriege zur Sicherung der Macht werden hinter ver­schlossenen Türen diskutiert und dann mit oft fingierten Kriegsgründen auch begonnen. Offiziell werden solche Kriege im Namen der eigendefinierten Freiheit eines herr­schenden Systems oder zur Bekämpfung des Terroris­mus geführt.
In Wirklichkeit geht es in jedem Falle nur um den eigenen Machterhalt.
Im Innenbereich der Gesellschaft werden die überlebten patriarchalischen Strukturen im individuellen Zusammen­leben propagiert. Die sogenannte Rollenverteilung soll den patriarchalischen Anspruch des Mannes retten. Der Mann sorgt für die Familie mit seiner Arbeit im Außenraum, die Frau soll mit der Aufzucht der Kinder, der Ernährung, der Sauberhaltung der Wohnung und der Schaffung eine be­quemen Umgebung für den Mann im Innenraum beschäf­tigt sein. Es wird das biologische Modell des Organismus zur Rechtfertigung bemüht. Die Zelle dieses Organismus ist die Familie.
Dem entgegen steht die Selbstverwirklichung der Indi­viduen (vor allem der Frauen) als Nachholbedarf aus frü­heren Zeiten. Damit wird versucht, den bisher unter­drückten weiblichen Teil der Menschheit für den totali­tären Staat zu gewinnen mit dem Ziel der Führungs­elite, sich eine breitere Legitimation zu verschaffen.
Inzwischen wird aber ein gravierendes Problem und Grund­übel der Zivilisation langsam ins Bewusstsein ge­hoben: Der Mann.
Gipfelpunkt der Übergangszeit ist die sich langsam durch­setzende Erkenntnis des "Monsters Mann": Jungen und Männer sind potentielle Vergewaltiger und Eroberer und gefährden in zunehmendem Maße die Existenz der mensch­lichen Gesellschaft.
Die zunehmend fraulichere Gesellschaft musste sich vor ihnen schützen, wollte sie eine Zukunft haben. Dabei spielte es keine Rolle, dass sich bei weitem nicht alle Männer in dieses Monsterschema einordnen ließen. Die globalisierte Medienlandschaft machte weltweit die Gewalt­taten der Männer publik und es entstand eine scheinbar männer­bedingte Gewalt- und Aggressionsdichte, die vorher so noch nicht öffentlich existiert hatte. Diese Probleme waren zwangs­­läufig eine Folge der weit fortge­schrittenen körper­lichen und psychischen Differenzierung zwischen den weib­lichen und männlichen Exemplaren der Spezies Mensch. Eine Androgynisierung, eine Annäherung in Physis und Psyche hätte diese Schwierigkeiten länger­fristig mildern und vielleicht sogar beseitigen können. Doch dazu kam es nicht.
Sport war größtenteils Kampfsport und darauf ausgerichtet, die Kampfmaschine Mann fit zu halten. In Sportstätten und Fitnessstudios wurde der männliche Körper trainiert, als müsste er in eine Schlacht mit Schwert und Schild. Doch seine Betätigung schränkte sich immer mehr ein auf das Halten eines Schreibgerätes und auf das Bedienen einer Tastatur.
Dieser Widerspruch wurde und wollte auch nicht erkannt werden.  
Das propagierte männliche Monsterspektrum:

 

Eunuch

    <Spektrum >

Lustmörder

In einem letzten quälend lust­vollen Or­gasmus lässt er sich die Hoden und den Penis ab­schnei­den.

Was dazwischen liegt ist stierhaft, tierisch bis hün­disch unterwürfig. Auf alle Fälle immer triebhaft tierisch.

Orgasmus wird erreicht, wenn ein er­wach­sener Mensch (oder noch schlimmer ein Kind) zu Tode ge­quält wird.

Und das am lieb­sten auch noch von Frauen.

In jedem Mann steckt so ein (manchmal recht gut) getarntes Monster.

Kastrieren reicht hier nicht mehr.

 

Zwischen den Extre­men gibt es nichts, absolut nichts, was diese behaarten Mon­ster akzeptabel macht könnte.

 

 

 

In Kriegen jeglicher Art wurde das "Monster Mann", auch das bisher gut getarnte, zum Frauen- und Kinderschänder und Mörder. Oft kamen in diesen Kämpfen mehr Frauen und Kinder als Soldaten um.
Kriege waren untauglich geworden, die Männer auf ein für die Gesellschaft erträgliches Maß zu reduzieren und der Gesellschaft neue Ziele zu geben. Technik ist an sich wert­frei. In Folge der männlichen Domäne über die "Technik" entsteht eine starke Gefährdung der Menschheit. Die frauliche Technikfeindlichkeit mit dem Motto: "Gefähr­dung der Mensch­heit durch (neue) Techniken" richtete sich gegen die gesamte Technik, da es unmöglich war, in einer männlich dominierten Gesellschaft, die Technik nicht ge­fährlich werden zu lassen. Jede neue technische Entwick­lung wurde zunächst abgelehnt und bekämpft. Das Erhalten und Bewahren, verbunden mit einer ökologischen Sicht­weise, die nicht weit entfernt von einem „Zurück zur Natur“ angesiedelt war, stellte sich technischen Neuer­ungen in den Weg. Der oft nicht explizit religiös formulierte Hintergrund eines Gaia-Organismus der Erde wurde zur Begründung für die Ab­lehnung technischer Entwicklungen herangezogen. Die Kom­plexität der einzel­nen Erdsphären, ihre gegenseitige dyna­mische Kopplung und Vernetzung erheischte diese religiöse Betrachtung. Doch konnten diese Strömungen die weitere Expansion der Weltwirtschaft nicht stoppen. Alle wirt­schaftlichen Systeme waren weiterhin nur existenzfähig, wenn sie Wachstum und Expansion zeigten.     
Glücklicherweise zerstörte sich das Patriarchat auf Dauer selbst. Jedoch nicht durch die Frauenbewegung, die ihren Geburtsfehler "Es den Männern gleichzutun" und "es ihnen zeigen zu wollen" nur schwer überwinden konnte.
Das Patriarchat ging an seinen durch die bisherige Evolution aufgebauten Widersprüchen zu Grunde. Die zunehmende Intelligenz, vor allem auch die Zunahme intelligenter und selbstbewusster Frauen in der Bevöl­kerung, ließ diese Wider­sprüche deutlich werden. Der Mensch begriff sich immer stärker als ein Lebewesen, das dem Tierreich entwachsen war. Er wusste, was er nicht mehr sein wollte, aber wusste lange Zeit nicht, was er jetzt werden wollte.
Konnte man in solch einer Situation noch blind der Evo­lution vertrauen?
War es nicht besser, die Evolution, auch des Menschen, zu beschleunigen und vor allem sicherer gegen Rückfälle ins Tierreich zu machen?
Das sahen auch immer mehr intelligente Männer ein.
Heftige Widerstände begannen sich zu formieren, vor allem von religiösen, älteren Männern, die ihre Macht, andere, jüngere zu beeinflussen, in diesem Rollback der alten Tra­ditionen auszunutzen versuchten.
Erst durch Quoten, später dann durch legale Macht­über­nahmen werden die Männer aus den Führungs­po­sitionen verdrängt.
Objektiv gab es zunehmend weniger "ursprüngliche Männer". Durch Umwelt,  und Erziehungs- und Sozialisie­rungs­prozesse bedingte Impotenz und freiwilliges Zölibat wurden langsam zu einem Problem. Die Geburtenraten gingen in den ent­wickelten Industrienationen zurück.
Die menschliche Gesellschaft brauchte dringend mehr weibliche Fähigkeiten und Tugenden. Doch wie sollten diese erreicht werden? Eine weitergefasste Eugenik führte auf Widerstände und konnte nur sehr langsam eingeführt werden.
Wie konnte dem neuen Menschen, vor allem dem neuen Mann, zum Durchbruch verholfen werden?
Die Zurückdrängung der obsolet gewordenen, spezifisch männlichen Eigenschaften musste gewagt werden. Die Sterilisation wird zur staatlich sanktionierten Strafe für alle Männer mit immer weiter gefassten "Verbrechen und Verfehlungen" wie z. B. aggressivem Verhalten Frauen und Kindern gegenüber.
Hormone im Trinkwasser wirkten ebenfalls unterstützend, sie hemmen zusätzlich die Entwicklung der Hoden und die Qualität des Spermas. Hormonelle und psychische Beeinflussung bringt als Ergebnis weniger Sperma von schlechter Qualität und weiche Männer, die gerne "Frau" sein würden. Es ist ein Ansteigen der Transvestiten und eine schleichende Zunahme von Fehlgeburten zu beobachten. Auch Frauen blieben zunehmend unfruchtbar. Wenn auch die Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter auf starke Widerstände stößt, lässt sie sich nicht mehr aufhalten. Es gibt gewichtige Gründe dafür. Das ständige Geburten­defizit in den wohlhabenderen Ländern wirkte sich langsam aus. Eine Massenproduktion von Babys erschien immer dringender zu werden. Die Nachkommen könnten einer gesteuerten Selektion unterzogen werden. Nur die wirklich erwünschten Kinder werden geboren. Die Babys wachsen sicherer in einer künstlichen Gebärmutter auf. Störende Einflüsse in Form von chemischen und biolo­gischen Schadstoffen wie Alkohol, Nikotin und Medikamenten könnten vermieden werden.
Ein wichtiger Aspekt ist der Vorteil für die Frau. Sie kann ihre jugendliche Figur länger behalten und sie ist nicht mehr den Risiken einer Schwangerschaft ausgesetzt. Sie kann selbst bei Erkrankungen der Gebärmutter ihren Kinderwunsch realisieren. Als ein Nebeneffekt dieser Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter war die nicht mehr notwendige Bedingung der Gebärfähigkeit einer Frau. Eine Androgynisierung im physischen Körperbau bekam eine größere Chance für die weitere Entwicklung der Menschen. Weltweit konnte sich die künstliche Gebärmutter allerdings nicht vor der Apokalypse durchsetzen.  
Durch eine vornehmlich weibliche Erziehung vom Baby­alter bis zum Abitur wurde zunehmend mehr psychischer Druck auf Jungen ausgeübt. Es erfolgte eine gesell­schaftliche Ächtung aller Kampf- und Computer­spiele. Die typisch "männlichen" Kinderspiele wurden aus den Kinder­zimmern ver­­bannt. Als Folge davon wird die Ent­wicklung der pri­mären und sekundären männlichen Ge­schlechts­merkmale ge­hemmt. Das ging nicht ohne anfangs er­bitterten Wider­stand von Teilen der männlichen Bevöl­kerung vonstatten.
In eine Spätphase wurden Männer auf Grund ihrer noch vorhandenen typisch männlichen Verhaltenweisen mit dem Schuldkomplex nicht mehr fertig, begingen Selbst­mord oder meldeten sich freiwillig zur Sterilisation, um endlich von diesem Druck befreit und über jeden Verdacht erhaben zu sein. "Endlich frei von quälender sexistischer Aggression" war ihr Ziel und wurde von immer mehr Männern als Erlösung empfunden.
Ein geringer Teil der Männer geht in den Untergrund und verhält sich dort unauffällig amoralisch.
Gegen Ende dieser Übergangszeit wird bereits den Eltern von verhaltensauffälligen (aggressiven) Jungen nahegelegt, einer Kastration oder Geschlechtsumwandlung zuzu­stim­men.
Für solche Fälle, in denen abzusehen war, was aus diesem laten­ten Monster von einem Jungen wird, gab es nur zwei Lösungen: Kastration oder Geschlechtsumwandlung. Hier ein typisches Fallbeispiel aus dieser Zeit:
Ein fünfjähriges Mädchen sitzt im Buchladen in der Kinderecke, während seine Mutter in den Regalen stöbert. Ein 11jähriger Junge nähert sich dem Kind und spricht es an. Eine Verkäuferin hört, was der Junge zu dem Mädchen sagt, und ist schockiert. In Frauenkreisen nennt man das übelste sexuelle Belästigung. Dazu der zeitgemäße Kommentar: Sexuelle Gewalt oder sexuelle Nötigung ist es auch, wenn ein Jugendlicher ein Kind oder auch eine schon ältere Person gegen den erklärten Willen körperlich berührt, es muss nicht unbedingt eine erogene Zone sein oder auch ein er­zwungener Kuss zählt als sexuelle Gewalt und ist sozusagen in dem selben Paragraphen abgehandelt, wie die brutale Verge­waltigung.
Hier ist nur eine Kastration noch sinnvoll.
Als die Kriminalstatistik immer schlimmere Zahlen zu Tage förderte und sich die Fallzahlen in immer kürzeren Ab­ständen verdoppelten und immer mehr Vergewaltiger noch unter 14 Jahren waren, die ein anderes Kind zu sexuellen Handlungen gezwungen oder eine gewaltsame Penetration auch mit Gegenständen vorgenommen hatten, wurden die entsprechenden Gesetze zur Kastration und Geschlechts­umwandlung der auffälligen Jungen erlassen.
Zunächst wurde noch versucht, durch Erziehungs­maß­nahmen das Problem zu bekämpfen. Beschwichtigend wurde behauptet, dass es besonders schüchterne, mit wenig sozi­alen Kompetenzen versehene, ausgegrenzte, aus Patch­work-Familien stammende Jungen seien, die selbst Schlim­mes erlebt hätten. Diese Art der Verharmlosung und Ab­schie­bung des Problems hatte keinen längeren Bestand, da die Faktenlage anders war und alle Bereiche der Gesellschaft betraf.
Man glaubte noch, dass eine Umerziehung Erfolg haben könnte, bis man einsah, dass auch diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen konnten. Da halfen dann auf Dauer auch keine beschönigten Rückfallquoten aus der Umer­ziehung.
So wie sich die Nebenwirkungen eines Medikamentes nur durch Absetzung des Medikamentes beseitigen lassen, so konnten auch nur die Nebenwirkungen des männlichen Hormons Testosteron durch Beseitigung des Testosterons vermieden werden.
Wenn ein Sexualdelikt in sehr jungen Jahren (Kindergarten) begangen wurde, und insbesondere dann, wenn es ein Sexualdelikt war, das etwa mit großer Brutalität und als Einzeltäter, also nicht unter dem Druck einer Gruppe er­folgte, wenn also solche Dinge vorlagen, dann wurden nach der Geschlechtsumwandlung des Jungen auch die Gene der Eltern gesperrt, denn es war sicher, dass hier eine kriminelle Karriere vorprogrammiert war. Hier zwei zeit­gemäße Fälle:
Wenn 4-, 5-, 6-jährige Jungen eine altersuntypische Sexualität zeigten: den anderen immer die Hose runterziehen und sie danach anfassen wollten, die eine stark sexualisierte Sprache benutzten, die bestimmte Mädchen auf der Toilette einfach nicht in Ruhe ließen oder überhaupt, wenn Jungens Mädchen anfassten, dann war der Tatbestand, der zur Geschlechts­umwandlung führte, voll gegeben.
Wenn ein Jugendlicher eine Freundin hatte, die noch nicht 14 war, und mit ihr sexuellen Verkehr, es musste gar nicht Geschlechtsverkehr sein, sondern sexuelle Kontakte oder irgendwelche Berührungen hatte und das kam irgendwie heraus und kam zur Anzeige, dann wanderte das in die polizeiliche Kriminalstatistik als ein Fall eines sexuellen Kindesmissbrauchs. Und das führte dann zu einer Verurteilung vor einem Gericht. Kastration des Jungen mit nachfolgender Arbeitserziehung war die Strafe.
Später wurden die Gesetze dann überfällig und (bis auf wenige Ausnahmen) wurden alle Jungen nach der Geburt einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Das war die folgerichtige Entwicklung nach der Apokalypse.
Die gesellschaftlichen Kosten der "Männergewalt" waren bis dahin bereits bis zu einem unerträglichen Maß ange­stiegen, ebenso das Verhältnis von Mann zu Frau bei Gewaltdaten. Auf 1000 (physisch) gewalttätige Männer kam nur eine (physisch) gewalttätige Frau.
Und wenn diese "physische Gewalttat" der Frau genauer untersucht wurde, dann war sie ursächlich immer auf Männer zurückzuführen, weil frau es wegen eines brutalen Mannes oder wegen Eifersucht getan hatte.
Nachdem alle frauenpädagogischen Anstrengungen vorhe­riger Zeiten versagt hatten und auch Sozialisierungs­maß­nahmen der Männlichkeit von wenig Erfolg geprägt waren, brachten dann endlich die Kastration und vor allem die Geschlechtsumwandlung im Kindesalter den dringend er­hofften Erfolg.
Es wurden Stimmen laut, die nach anderen Wegen der Evolution fragten. So wurde eine Androgynisierung der Ge­sellschaft vorgeschlagen, eine Angleichung zwischen den Geschlechtern. Die Ausbildung der Jungen in aggressions­fördernden Sportarten, wie zum Beispiel Fußball, sollte aufhören. Die kleinen Jungen sollten "Küssen statt Kicken" schon in der Schule lernen. Eine Minderheit war der An­sicht, dass Frauen und Männer in der alten Ge­schlechter­rolle nicht mehr zusammenpassten. Vom Sport mit seinen aggressions­fördernden Eigenschaften wollte man nicht lassen, war er doch die beste Kriegsvorbereitung schon zu Friedenszeiten.
Eine neue Ebene der Evolution wurde dennoch erreicht, nur nicht so friedlich wie der Übergang hätte sein können.
Die expansive und ausbeuterisch gewalttätige Etappe (auf allen Gebieten) der Menschheit war zu Ende. Das "Nach­haltige Wirtschaften" wurde dringend notwendig.
Davor kam es anfangs noch zu religiös verschleierten Kämpfen ("Heiligen Kriegen") zwischen patriarchalisch, religiös orientierten, archaischen Gesellschaften und soge­nannten modernen Industriegesellschaften. Zum Schluss kämpfte jeder gegen jeden.
Eine Reihe katastrophaler Zusammenbrüche wirtschaft­licher, finanzieller, religiöser und sozialer Art sowie mensch­­lich verschuldeter Naturkatastrophen leiteten diese Übergangs­epoche ein.
Ausgelöst durch Naturkatastrophen und Rohstoffknappheit, kam es in der ökonomischen, kommunikativen und po­litischen Globalisierung zu einer sich schnell ausbreitenden Hinwendung zu Glaubensinhalten. Die Komplexität der Gesellschaft war für das Individuum zu groß geworden. Zu viele Fragen mussten rational unbeantwortet bleiben. Dafür gab es dann die unterschiedlichen irrationalen Erklärungen der verschiedenen Glaubensrichtungen. Er­kennt­nisse, wie etwa die der natürlichen Evolution aus einer vorangegangen Epoche des Rationalismus und der Aufklärung, gerieten in Vergessenheit. Erst wurden die wissenschaftlichen Erkennt­nisse von religiösen Funda­men­talisten bekämpft und später verschwanden sie dann aus der immer stärker religiös ausgerichteten Schulung des Nachwuchses.
Der religiöse Fundamentalismus in allen Religionen nahm gewaltige Ausmaße an. Besonders in den monotheistischen großen, das Patriarchat stützenden Glaubensge­mein­schaf­ten, breitete sich eine apokalyptische Endzeitstimmung aus. Die Religionen steuerten auf eine Entscheidungs­schlacht hin, in der schließlich jeder Mensch gezwungen wurde, sich für oder gegen den jeweiligen Gott zu entscheiden. Die grausame Verfolgung der anderen, der "Ungläubigen" setzte ein.
Der Humanismus, wenn es je einen gegeben hatte, endete auf dem Scheiterhaufen der Geschichte. Die Menschheit schien auf den Höhepunkt des sittlichen Verfalls, der Gewaltverbrechen, der Ungerechtigkeiten gekommen zu sein. Die Herrschaft des Bösen wurde jeweils in den anderen Religionen und Wirtschaftsmächten gefunden, gegen die man dann unerbittlich den Endkampf "Gut gegen Böse" führen musste.
Die eigentliche Ursache, das Auslaufmodell der Evolution, der Mann, der diese monotheistischen Religionen erst hervorgebracht hatte, wurde nur von den wenigsten er­kannt. Aber diese wenigen handelten, zunächst noch im Ver­borgenen und später waren sie es dann, die auf dem Trümmer­feld, das die Gotteskrieger hinterlassen hatten, die neue Gesellschaft aufbauten.
Alle Religionen hatten ihren Anhängern das "Paradies auf Erden" versprochen, was sie erreichten, war die fast vollständige Vernichtung der Menschheit im "Apoka­lyptischen Nuklearkrieg". 
Es war aber nicht die totale Vernichtung der Menschheit sondern nur die totale Vernichtung des Patriarchats.   
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass hier einige Frauen aus dem geheimen Untergrund aktiv beteiligt waren, indem sie die verbliebenen Gottes-Männer und Gottes-Krieger in ihre "letzten Gefechte" schickten.
 
Das 3. Zeitalter, das wahrhaft "Goldene Zeitalter" konnte jetzt endlich beginnen.
Was die Insekten, von manchen Biologen als die eigent­lichen Herrscher der Erde bezeichnet, vorgemacht hatten, konnte nun in Angriff genommen werden: die praktisch mono­geschlechtlich stabile Gesellschaft. Die physische Ent­wicklung war zu Ende, jetzt begann die lang ersehnte geistige Ent­wicklung der Menschheit.
 

Das Dritte Zeitalter

Lesen Sie hier weiter über das dritte Zeitalter
Essays 

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Warum Kampf-Sport immer den nächsten Krieg vorbereitet.
 
Diese Aussage scheint banal zu sein. Natürlich gab es in der bisherigen Geschichte immer Körperertüchtigung und Kampf­spiele zwischen den vielen Kriegen. Knaben wurden von klein auf sowohl im Umgang mit Fernkampfwaffen als auch im Nahkampf trainiert. Keine Sippe, kein Stamm, keine Volksgruppe konnte sich sogenannte männliche “Weicheier“ leisten. Die wenigen Männer, die sich nicht zum Krieg eigneten, wurden dann Händler oder übten andere Tätigkeiten aus, die denen der Frauen verwandt waren.
Man könnte auch meinen, Sport ist heute beinahe Selbstzweck geworden, denn ein moderner Krieg wird mit Technik geführt und am Abzug oder Bildschirm muss kein männlicher Muskelprotz mehr sitzen, da reicht auch ein schlapper Computerfreak, in Killerspielen trainiert, aus.
Doch dem ist nicht so. Ein moderner Krieg kommt ohne kräftezehrenden Bodenkampf nicht aus. Das zeigen die Erfahrungen der letzten amerikanischen Domestizierungskriege gegen den Irak.
Sport ist natürlich kein Kriegsgrund, er schafft nur Voraussetzungen für einen Krieg. Man stelle sich einen Staat vor, indem die Männer und Frauen nicht in getrennten Fußballmannschaften spielen. Würden das viele Männer nicht als lächerlich empfinden? Aber soweit muss es ja nicht gehen. Oder wie wäre es, wenn die Männer nur noch solche Fitness-Übungen machten wie Gymnastik, Tanzen und Wandern?
Unvorstellbar!
Es geht ja in Wirklichkeit im Sport gar nicht primär um Fitness und Volksgesundheit. Dafür braucht man keine Kampfspiele.
Vielleicht macht es nur Spaß, einen anderen Menschen im Sportkampf zu besiegen. Hinterher gibt man sich “ritterlich“ die Hand. Ritterlich? Da sind wir schon wieder fast übergangslos in der menschlichen Vergangenheit gelandet.
Ritterturniere, damit die Rüstungen nicht einrosten?
Nein, wir sind im Ritterturnier bei der Vorbereitung des näch­­sten Krieges, zu nichts anderem dienen diese Turniere.
Mit dem Spaß, den man zweifelsfrei erlebt im Kampfsport, hat es eine merkwürdige Bewandtnis. Woraus resultiert denn dieser Spaß, den der Kampfsport macht? Aus dem Auf- und Abbau von Aggressivität vielleicht? Aus dem Gefühl, der Sieger zu sein? Siegesfeiern sind etwas sehr Schönes nach einem…Krieg.        
Sport beherrscht zunehmend das Freizeitverhalten vieler Men­schen – vor allem der Männer – in der ganzen Welt. Mit Sport wird viel Geld verdient, für Sport wird viel Geld ausgegeben. Die Medien suggerieren uns, Sport sei die schönste Freizeitbeschäftigung, die es für den modernen Menschen geben kann.
Doch was ist Sport wirklich?
   
Zur Geschichte des Sports
 Vielleicht hat es in der Vorzeit des Menschen irgendwann einmal begonnen mit einer geistigen Vorwegnahme des bevorstehenden Kampfes mit einem Tier oder einer kon­kurrierenden Nachbarsippe. Man traf sich, tanzte um das Feuer und warf dann die Lanze mit dem scharfen Stein auf das gedachte Tier oder den gedachten Feind. Eine enorme Leistung des sich entwickelnden menschlichen Gehirnes, eine Leistung, die Roboter heute noch nicht beherrschen. (Nach Hans Moravec werden so etwas in Ansätzen erst die Roboter der dritten Generation haben, die er für die Zeit ab 2020 prognostiziert.)
Das Überleben jedes einzelnen Individuums hing davon ab, wie gut die Jungen und jungen Männer auf solche Kämpfe vorbereitet waren. Wer doppelt so weit, doppelt so genau seine Lanze werfen konnte, wer doppelt so stark, doppelt so listig wie das Zielobjekt war, der hatte praktisch schon gesiegt und die besten Chancen in der Evolution. Hartes Training von klein an bot die besten Voraussetzungen im Überlebenskampf.
Und Frauen, die aufgrund der biologischen Arbeitsteilung andere Aufgaben hatten, taten gut daran, nur solche Männer für die Zeugung ihrer Kinder zuzulassen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit besaßen, im Überlebenskampf als Sieger hervorzugehen.
Da alle von der Evolution gezwungen wurden, so zu handeln, hatte die hominide Art Mensch gute Entwick­lungs­möglichkeiten. Der einzelne Mensch gehörte nicht von vorn­herein zur Spitze der Nahrungskette, wie etwa ein Tiger, deshalb musste er auch Teamgeist entwickeln, um gegen die großen Tiere und natürlich auch gegen das "Nachbarteam" bestehen zu können. Unsere heutigen Ge­nerationen sind die Sieger von gestern.
Wen verwundert es da, dass die Athleten der Olympischen Spiele ausnahmslos Männer waren? Der postulierte Beginn des westlichen Sports waren militärische Übungen zur Demonstrierung von Mut, Geschick, Kraft, Schnelligkeit und natürlich Männlichkeit, denn das Training fand auch nackt statt. Ja, man kannte auch das Doping in Form einer speziell ausgewählten Ernährung und einer Enthaltsamkeit, die besonders dem Aufbau von Aggressivität entgegen kam.
Die Steigerung der Aggressivität und deren Umsetzung im aggressiven Kampfsport sind heute perfektioniert. Wenn die normale Produktion von männlichen Hormonen nicht ausreicht zum Sieg, werden Testosteron-Pflaster auf die Hoden geklebt.
Man muss schon ein Ethik-Akrobat sein, um ein Training der Aggressivität als ethisch gerechtfertigt anzusehen und ein Pflaster als so verwerflich, dass es strafbar sein soll. Das ist reine Feigenblatt-Ethik.
 
Sport trainiert Aggressivität selbst in solchen Sportarten, die nicht unmittelbar mit einem menschlichen Gegner in Kontakt kommen, sondern wo es nur darum geht, als erster ins Ziel zu kommen. Ruder-Bundestrainer Dieter Grahn nach einem verlorenen Wettkampf: "Möglicherweise haben wir nicht ganz richtig trainiert. Die Mannschaft hatte gute Ausdauer- und Kraftwerte. Aber in der Grundschnelligkeit gab es Probleme. Das Team war nicht aggressiv genug. Und man verliert die Aggressivität, wenn man zuviel Kraft- und Ausdauertraining macht. Ich habe mir die Niederlage auch selbst angeheftet."
Immer wieder wird von Kampfsportlern behauptet, dass Kampfsport keine Aggression fördert - im Gegenteil. Er helfe sogar, sie abzubauen. Jeder kann sich richtig austoben und so in der Freizeit ruhiger und gelassener sein. Zusätzlich lernt man beim Kampfsport seine Kräfte zu kontrollieren und den Gegner trotz eines Angriffes nicht zu verletzen. Man baut ein gesundes Selbstbewusstsein auf und kann so Konflikten ganz anders begegnen.
Ich hört es wohl, allein mir fehlt der Glaube. Natürlich kann man das als Kampfsportler behaupten. Aber ist es nicht vielleicht auch eine Schutzbehauptung? Weil ja das Ansehen der "Aggressivität" in der Gesellschaft in Verruf gekommen ist? Aber um Aggressivität abbauen zu können, muss sie erst mal aufgebaut werden. Und natürlich baut ein Krieg auch die vorher aufgebaute Aggressivität ab, bis hin zur, milde gesagt, physischen und psychischen Unfähigkeit, mit dem Leben danach fertig zu werden. Und baut sich nicht ein gesundes Selbstbewusstsein nur bei den Siegern auf? Bei den ständigen Verlierern kann man sich das nicht so richtig vorstellen.
Wie kann man bei der "härtesten aller Sportarten" dem Freefight, keine Aggressivität aufbauen oder nur Aggressivität abbauen? Woher kommt dann die Aggressivität, die man im Kampfsport abbauen muss?
Rätsel über Rätsel!
Sport war selbst bei den Chinesen bereits weit vor Christi Geburt identisch mit militärischen Übungen. Angeblich wurde um 600 vor Christus ein ballähnliches Gebilde nicht nur zum reinen Vergnügen von den Soldaten bewegt, sondern diente dem Zwecke, den Teamgeist,  Disziplin und körperliche Fitness für den Krieg zu stärken.
 
All diese antiken Kriegsübungen und mittelalterlichen Ritterspiele finden wir heute im "modernen Kampfsport" wieder.
Wobei die sich humanistisch nennende moderne Zivilisation gerne vergessen möchte, wo die noch heute wirkenden Rituale herkommen und welchen Zwecken sie wirklich dienten und uns immer noch dienen. Die modernen Sportethiker heucheln stattdessen: "Der Wettkampf der Völker sei der Weg zum Frieden und zur Freundschaft untereinander." Das kann man nur Kindern und Toren beibringen, oder es passt in die verlogene Ideologie der ehemaligen kommunistischen Ostblockländer. 
Die faschistische Diktatur in Deutschland war da noch offener als sie den Sport zur körperlichen Ertüchtigung und Teil der Kriegsvorbereitung werden ließ. Sport war offiziell eine vormilitärische Übung und sollte es auch sein. Bestrebungen bestanden während dieser Zeit, den Sportunterricht in den Schulen bis zu fünf Wochenstunden auszudehnen. Natürlich nur für die Jungen. Für Mädchen hatte man den Arbeitsdienst in Haus und Hof. Interessanterweise propagierte man die sexuelle Enthaltsamkeit und ächtete die Selbstbefriedigung der Jungen und jungen Männer, da das natürlich das Aggressionspotential steigerte und ohne das lässt sich offenbar kein Krieg beginnen.
 
Das Dilemma der arbeitslosen Kampfmaschine 
 
Aggressives Verhalten wird in den modernen Zivilisationen immer stärker gesellschaftlich geächtet. Das ist eine gute Nachricht für den Fortbestand der Menschheit. Aggressivität ist eine der Bürden aus der Evolution des Menschen aus dem Tierreich, die sich aus einem einstmals positiven Entwicklungsfaktor immer stärker zu einem Hindernis der weiteren Entwicklung wandelt. Das dringt immer stärker in das kollektive Bewusstsein. Ob es jemals die Stufe des Konsenses für die gesamte menschliche Gesellschaft erreicht, bleibt jedoch zweifelhaft.
Wo Licht entsteht, ist auch sogleich ein Schatten da: Was passiert mit all der Aggressivität, die durch den Sport weiter trainiert wird? Kann die so "friedlich" existieren, ohne ihrer Bestimmung gerecht zu werden und in einem finalen Krieg zu münden? Kann etwas trainiert werden, das keinen Sinn mehr ergibt? Natürlich, wird man sofort sagen, Sport ist Selbstzweck geworden. Doch so ganz kann man dem nicht glauben. Man sollte schon fragen: Wer in der Gesellschaft könnte ein Interesse an der Verschleierung der Tatsache haben, dass Kampfsport auch immer eine Kriegsvorbereitung ist?
 
Man spricht nicht mehr von "Wehrertüchtigung". Sport dient der Gesunderhaltung und persönlichen Fitness und nicht der Gier nach Blut und Knochenbrüchen, nach Siegern und Besiegten. Aber es ist bekannt, dass viele Olympiasieger und Olympiasiegerinnen Soldaten und Soldatinnen sind.
Warum muss es dann aber so mörderische Kämpfe geben, in denen es "Um viel mehr geht als in einem Spiel auf Leben und Tod", wie der berühmte Manager Bill Shankley des Fußballclubs Liverpool meinte. Und warum besitzen gerade die hehren Kampfsportarten, in denen es Blut und Knochenbrüche gibt, die fanatisierten Zuschauermassen? Sind das die Spiele der "Brot und Spiele-Politik“? Nein, das wäre zu einfach. Die Politik spielt nur mit dem, was sowieso schon vorhanden ist.
Die anlässlich eines Länderspiels hochgepuschte Aggressivität eines Fußballländerspiels triggerte 1969 einen Krieg zwischen den Staaten El Salvador und Honduras. Bilanz: ungefähr 3000 Todesopfer und weitere 6000 Schwerverletzte. Die Frage, die hier sofort auftaucht, ist: Hat Kampfsport allgemein diese triggernden Eigenschaften? Kann Sport den Konflikt zwischen zwei Staaten, Staatenbünden oder anderen Interessengruppen zur bewaffneten Auseinandersetzung bringen?  Das scheint auf dieser Ebene marginal zu sein. Es reicht ja, wenn der Fußballsport zu kriegsähnlichen Zuständen unter seinen Anhängern führt. Da triggert er auch den Aufbau von Aggressivität der nicht sporttreibenden Anhänger.
 Wehrertüchtigung durch die beschönigenden Begriffe Gesunderhaltung und Fitnesstraining zu ersetzen, ist so etwas wie Stabhochsprung in einer Irrenanstalt ohne Stab, ohne Latte und mit falscher Hoffnung (frei nach Epharaim Kishon).
Gesunderhaltung kann sehr gut und viel effektiver ohne Kampfsport betrieben werden. Dazu braucht es keine Kampfsportarten, dazu braucht es auch keinen Muskelaufbau, der zu Höchstleistungen befähigt. Nur weil im Kampfsport auch "regelmäßige körperliche Aktivität" oder sollte man lieber sagen "regelmäßige körperliche Dressur" stattfindet, ist es noch keine Legitimation für eine zwingend notwendige Gesunderhaltung.
 
In der modernen Familie gibt es keine Rollenteilung in männliche und weibliche Tätigkeiten mehr, sondern nur noch eine Arbeitsteilung. Mann und Frau teilen sich die Hausarbeit,  die Kinderpflege und Erziehung,  die Berufskarriere. Warum müssen dann noch Frau und Mann eine Ehe führen? Ja natürlich wegen der Kinder. Doch so einfach geht das nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei. Der zum Kampf trainierte Mann ist arbeitslos. Die körperlich anstrengende Arbeit, die so einigermaßen als Surrogat für den Krieg herhalten konnte, verschwindet so langsam. Die Kampfmaschine Mann wird arbeitslos und flüchtet sich in noch mehr Sport. Allerdings jetzt schon nicht mehr als Training für den Kampf, sondern direkt als Kampfersatz.
 
Der Fußballwahnsinn kann ganze Nationen in den Bann ziehen und zum stellvertretenden Weltkrieg werden. Im ersten Weltkrieg zogen die deutschen Soldaten mit solchen Parolen wie "Jeder Schuss ein Russ" und "Jeder Stoß ein Franzos" in den Krieg. Mit welchen Sprüchen ziehen denn die Fußballfans heute in den Ersatzkrieg? Was kann man da nicht alles für Kampfgeschrei hören.
Liebe Sport-Ethik-Funktionäre, es ist sehr löblich, dass ihr die Zähmung des "Wilden-Fußball-Mannes" versucht. Aber die Nebenwirkungen lassen sich nur beseitigen, wenn man den Fußball als das ächtet, was er ist: eine Art der Kriegsvorbereitung.
Rituelle Aggressivität, wie sie besonders in den sportlichen Kampfübungen wie Fußball, Boxen und Autorennen, um nur ein paar massenpsychotische Veranstaltungen zu nennen, geübt wird, kann durchaus als sozial geduldeter Stabilitätsfaktor der jeweils herrschenden Regierung fungieren. Hinter dem Slogan: "Wir sind die Fußballer der Herzen" lassen sich große Teile des Volkes fähnchenschwingend versammeln.
Auch wenn die Kampfmaschinen schütteres Haar und einen Bierbauch haben, bleiben sie doch immer verbal die Kampfmaschinen, die sie in jüngeren Jahren waren. Ja, sie kennen nichts anderes und wollen vielleicht auch nichts anderes.
Sie sind ein ernst zu nehmendes Problem der Zukunft.
Massensport steht immer unter dem Verdacht, die Militarisierung der Bevölkerung zu betreiben und als Stabilisierungsfaktor der Regierung missbraucht zu werden. Gerade die Mannschaftssportarten sind hervorragend zur emotionalen Steigerung der Aggressivität geeignet, sie wirken disziplinierend und haben nur ein Ziel: Sieg.
Jeder Politiker, der an der Macht bleiben will - und welcher Politiker will das nicht - wird das ausnutzen (müssen).
 
Leider kann eine Vorbereitung auf einen Krieg, wie sie der Sport betreibt, nicht ewig dauern. Irgendwann muss es dann auch den Krieg geben, auf den man sich, ob nun immer bewusst oder nicht, vorbereitet hat.
 

Wer bezahlt den Sport und wer braucht ihn wirklich?
 
Gibt es vielleicht jemand, der den Sport braucht und die Bevölkerung manipuliert?
Die Politiker brauchen ihn als Kriegsersatz. Katastrophen und Kriege sind immer geeignet, der Machtelite ihre Macht zu erhalten und noch mehr Macht zu akkumulieren. Ein paar Terroranschläge und die Bevölkerung schreit nach Antiterrorgesetzen, selbst wenn diese Terroranschläge nur inszeniert wären und ein Massenvernichtungspotential eines Schurkenstaates erlogen ist.
Wessen Bevölkerung zur Massenhysterie im Sport fähig ist, wird auch den "Schurken eins auf die Fresse hauen" wollen. Die Mächtigen der Politik bezahlen den Sport mit Wohlwollen und "geistiger Förderung".
Mit hartem Geld bezahlt wird der Sport, wie auch jeder Krieg, vom Steuerzahler. Da spielt es keine Rolle, ob das Individuum den Krieg und den Sport ablehnt.
Ethik-Akrobaten rechtfertigen den "Gerechten Krieg" und den "Völkerverbindenden Sport" ohne den wahren Grund für beides zu nennen.
Vergessen wir nicht die höheren Sportfunktionäre, die staatlich gefördert, gut vom Sport leben können und ihr eigenes kleines Königreich der Macht beherrschen. Der Jugend wird durch die hohen Gagen einiger Spitzenfußballer vorgegaukelt, wenn sie auch Fußball spielen, haben sie für den Rest des Lebens vorgesorgt. Ein Sechser im Lotto ist sicher wahrscheinlicher.
Das wirkt natürlich besonders stark in einer Welt, in der für Jungen die typischen Männerberufe wegbrechen. Was da entsteht, ist eine Zeitbombe, die nur durch geburtenschwache Jahrgänge gemildert werden kann.
Wer diesen Sportunsinn mitbezahlt, macht sich auch mitschuldig. Das trifft für alle Steuerzahler zu, nicht nur für die, die in die Stadien gehen.
Man stelle sich vor, es ist Krieg und keiner geht hin (frei nach Carl Sandburg). Man stelle sich vor, es ist Fußball und keiner geht hin – undenkbar!
Dass Sport "ein Schlüssel zu Freude und Spaß und die Akteure zu Freunden werden lässt", wie ein Schüler in einer im Internet veröffentlichten Hausarbeit schreibt, zeigt ganz deutlich, welche Illusionen von den wahren Verschwörern der Gesellschaft in die Gehirne der Jugend implantiert werden. Freude und Spaß an der Niederlage des Gegners, Freude, weil man gesiegt hat oder noch siegen muss? Was ist das für eine Freude und ein Spaß, die bei der Niederlage und Schwäche des Gegners entsteht? Das sind nahezu dieselbe Freude und derselbe Spaß, der nach einem gewonnenen Krieg entsteht. Und Freunde? Das sind doch nur Parteifreunde, Kumpane zur Bekämpfung des oft geschmähten Gegners. Sportkameradschaft ist direkt vergleichbar mit Kriegskameradschaft, man befrage dazu mal alte Kriegsveteranen.
Als ob Freude, Spaß und Freunde nicht durch vielfältige andere Aktivitäten gewonnen werden könnten.
 
 
Warum die Sublimierung der Aggressivität nicht funktioniert.
 
Frauen wollen dominante und erfolgreiche Männer, das hat ihnen die Evolution so diktiert. Man spricht es heute nicht mehr gerne offiziell aus, dass frau lieber eine muskelbepackte Kampfmaschine, ähnlich vielleicht Tarzan oder einem Neandertaler, begehrt.
Kann das noch länger als Entschuldigung gelten? Frauen sind also mitverantwortlich, wenn sich zwei Fleischbullen um das Weibchen streiten und sie dann dem Sieger den Vorzug gibt.
Aber liebe Frauen, die dominante Kampfmaschine, die ihr so sehr begehrt, wird auch euer Untergang sein. Richtig! Nicht nur der Mann ist an dem Dilemma unserer Zeit schuld. Frau trägt auch einen nicht unbedeutenden Anteil. Ihr bezahlt die Männer für ihr unzeitgemäßes Verhalten und seid damit mitschuldig.
Von den anderen Frauen reden wir nicht, die sind zu wenige.
 
Mann kann ja sagen, die männliche Aggressivität lässt sich in Kunst und Wissenschaft ausleben. Es gibt Männer, die nicht gewaltsam werden, die nicht vergewaltigen wen und was auch immer, die liebevoll und zärtlich sind, die so richtig softi sind. Es gibt Männer, die ihre männliche Aggressivität in der Wissenschaft ausleben oder über die geistigen Grenzen gehen.
Sie müssen ja nicht unbedingt über den Südpol wandern und mit erfrorenen Zehen zurückkommen.
Wollt ihr diese Männer wirklich, diese Schwächlinge und Weicheier?  Viel mehr als Lippenbekenntnisse der Frauen bleiben davon dann in der Praxis der Partnerwahl nicht übrig. Wäre es anders, dann sehe unsere Welt auch ganz anders aus.  
 
"So weiter wie bisher" hat ausgedient. Das Patriarchat hat ausgedient, ist unzeitgemäß. Es wäre schon längst beseitigt, wenn es nicht auch von Frauen am Leben gehalten würde. Wer denkt, nach dem Patriarchat kommt so etwas wie das Matriarchat wieder, der ist auf dem Holzweg.  
 
Gibt es Wege aus dem Dilemma?
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 Kommentare:

Kommentar einer Lektorin:

Die Lektüre Ihres Exposees/Ihrer Leseprobe war für mich
ein spannendes und zugleich bedrückendes Erlebnis. Dies mag daran gelegen haben, dass Sie
eine Welt zeichnen, die an der Oberfläche glatt und ebenmäßig wirkt, aber unter diesem Deckmantel umso maroder und angeschlagener ist. Sofort stellte sich bei mir eine Assoziation zu den Klassikern »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley und » 1984« von George Orwell her- was zeigt, dass Ihr Roman durchaus qualitativ hochwertig, aber keineswegs eine Kopie dieser Romane ist oder diverse Konstellationen übernimmt. Hier ist die Apokalypse schon vorbei, und der Mensch begibt sich scheinbar auf vermeintlich verheißungsvolle neue Wege der Evolution; er scheint autark von gesellschaftlichen Konventionen zu sein, die in der »alten Welt« zu Problemen geführt haben und für die zumeist das männliche Geschlecht verantwortlich gemacht wurde.
{Findet sich nicht hierin doch eine Verarbeitung von »soziologischen Problemen« der Gegen-
wart?) Ihre entworfene Welt aber ist in Wahrheit eine Welt ohne Hoffnung, in der der Mensch
an die Abgründe seiner Existenz gerät und in der es nur noch Misstrauen zu geben scheint. Alle männlichen Wesen sollen eliminiert werden; allein dies ist schon eine ziemlich düstere Vorstellung, an der aber auch der eine oder andere kritische Leser Gefallen finden wird. Denn obwohl Sie dem Genre Dystopie und somit gewissermaßen auch einer Form folgen, bringen Sie sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der sprachlichen Ebene neue und interessante Elemente hinein.
Als Beispiel ist hier zu nennen, dass Sie Grundzüge der heutigen westlichen Welt (mit der sich ein jeder identifizieren kann) in die Zukunft transportieren, was aber nicht unglaubwürdig oder künstlich wirkt. Die Fiktion ist Ihnen somit gut gelungen und wird durch den anschaulichen Erzählstil gestützt. So weit ich das überblicken kann, ist Ihr Roman einheitlich und logisch nachvollziehbar und bedarf somit nur geringer Überabeitung, was gemeinsam mit dem Lektorat geschehen.....

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