|
Herzlich
Willkommen
auf der
Internetseite zum Roman
NANINA -
die Nebel der Apokalypse
Männer sind aggressiv, gewalttätig und behaart.
Sind sie noch zu retten?
Besonders
während der Beschreibungen der
Gesellschaft im Post-Mann-Zeitalter kann die Autorin auftrumpfen, und
in
gelungener Weise beschreibt sie eine so ganz andere Welt, die
allerdings trotz
aller Friedlichkeit auch von Stagnation und Verfall geprägt ist...
Mutig
traut sich die Autorin an Themen heran, die
in der SF bislang nur wenig Beachtung gefunden haben...
(aus einer
Rezension von Rupert Schwarz)
Es ist ein Buch, das eine neue
Gesellschaft beschreibt und letztlich auf ein gutes Ende
hinausläuft...
(aus
einer
Rezension von Erik Schreiber)
Exposé
Genre: Gesellschaftskritische SF, Dystopie
Exposition:
Die Welt nach der Apokalypse
Tomas hat den
Kollaps der Gesellschaft in einem Bauernhaus eines
zerstörten Dorfes überlebt. Dass er dort überleben
konnte,
verdankt er
seinem Onkel, der dieses Haus mit Vorräten
und
Überlebenseinrichtungen versehen hat. Da Tomas sehr
zurückgezogen lebt,
ist die gesellschaftliche Entwicklung der Post-Apokalyptischen Zeit an
ihm vorübergegangen.
Kurzinhalt:
Nahezu Tausend
Jahre sind nach der verheerenden Apokalypse der
Menschheit vergangen. Die Gesellschaft ist stabil, nahezu frei von
Gewalttätigkeit und Aggression, sie kommt nun ohne den Beitrag des
männlichen Geschlechtes zur Reproduktion aus.
Auf einer
Inselgruppe im Atlantik, abgeschirmt von der übrigen
Zivilisation wird an einer Wildcard der Evolution, an einer höchst
unwahrscheinlichen Wendung in der Entwicklung der Menschen gearbeitet.
Ist diese
Forschung auch willkommen oder gefährdet sie die Stabilität
der gesamten monogeschlechtlichen Menschheit?
Nanina, die in
einem einsamen Blockhaus mit zwei anderen Kindern
isoliert aufwächst, könnte es erfahren. Sie gehört zu
einem geheimen Genpool,
der endgültig aufgelöst und vernichtet werden soll. Doch es
gibt mehrere
Interessenten für die aus den genetischen Experimenten
entstandenen
Kinder.
<==
ZURÜCK
Interview 2007
für das Internetforum
www.forum.politik.de
Fragen:
1. Wie bist du aufgewachsen: Familie,
Geschwister, Schulen, Ausbildungen,
Beruf, Arbeit etc?
Aufgewachsen bin ich ohne
Geschwister in einem reinen
Frauenhaushalt bei meiner Oma und der Geld verdienenden Mutter. Das
Haus, in
dem wir wohnten, lag am Rande eines Waldes und hatte einen kleinen
Garten. Ich
würde die Verhältnisse heute als ärmlich bezeichnen, was
mich als Kind damals
nicht störte.
Die Schule war in der Stadt und dahin fuhr ich jeden Tag mit
dem Fahrrad. Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel waren unsere
Fortbewegungsmittel.
Nach dem Abitur verließ ich diese Idylle. Meine Oma starb,
als ich 16 , meine Mutter, als ich 25 Jahre alt war.
Ich studierte eine naturwissenschaftlich-technische
Fachrichtung und blieb danach an der TU um dort nach vier Jahren zu
promovieren. Nach Abschluss meiner Dissertation heiratete ich und kurz
darauf
wurden unsere beiden Söhne geboren. Die Betreuung der Kinder haben
wir uns
beide geteilt. Danach ging ich in die Entwicklungsabteilung eines
großen
Konzerns, um die während meiner Uni-Zeit am Computer entwickelten
Methoden und
Programme erfolgreich in die
"Praxis zu überführen".
Wiederum nach vier Jahren
wechselte ich erneut zu einer Uni,
um dort an einer Habilitation zu arbeiten. Wir hatten das Glück,
beide an
derselben Uni zu sein.
Eigentlich wunderschön, wenn beide Partner eine solche
Lebensstellung haben.
Aber der akademische Betreib kann auch langweilig werden. Es
gibt ja noch so viele interessante andere Bereiche im Leben. Wir sagten
beide
der Uni ade.
Meine inzwischen
vierköpfige Familie verließ die Stadt und
wir kauften ein Haus auf dem Land. Neben dem Hausgarten pachteten wir
noch so
etwas wie eine Wiese nebst einem Acker und begannen uns auf
Selbstversorger
umzustellen. Vielleicht auch wegen der "besseren Nahrungsmittel"
für
die Kinder.
Wir pflanzten Kartoffeln, was die dort ansässigen
Wildschweine ganz toll fanden und züchteten Gemüse. Die Wiese
versorgte unsere
Kaninchen mit Gras und Heu. Im Hausgarten liefen schöne
weiße Pekingenten
herum.
Das Schlachten dieser Tiere hatten wir uns dann doch
einfacher vorgestellt. Das war dann letztendlich der Grund dafür,
diese
Lebensweise wieder aufzugeben.
Damals setzten wir uns
gemeinsam sehr stark für den Umweltschutz
ein und hatten eine Zeit lang die Absicht, nach Neuseeland
auszuwandern, der
Umwelt wegen.
In dieser Zeit absolvierte ich extern ein Literaturstudium
und begann zu schreiben. Der Arbeitstitel des ersten Romans hieß
sinnigerweise
"Das Haus". Ich fand einen namhaften Verlag dafür, aber die
Lektorin
wollte so viele Änderungen, dass ich nicht mehr weiter schrieb.
Irgendwann werde ich das Thema noch einmal aufnehmen.
Langsam wurden wir
beruflich selbständig und zogen wieder in
die Stadt. Dann kauften wir erneut ein Bauernhaus auf dem Land. Der
Garten ist jetzt
allerdings viel kleiner und eher ein Ziergarten. Aber letztes Jahr habe
ich
wieder angefangen, etwas Gemüse anzubauen, weil das auch in meinem
Roman
vorkommt.
2.
Wie lebst Du jetzt?: Arbeit, Freizeit, Familie?
Das Entwerfen und
Entwickeln von Computerprogrammen
beschäftigt mich noch immer, daneben habe ich aber auch
verschiedene Bereiche
der Psychologie erkundet und betätige mich auch als Coach.
Jetzt, wo die Kinder aus
dem Haus sind, habe ich auch wieder
mit dem Schreiben angefangen.
In der Freizeit reisen wir
gern, allerdings nur noch zu
zweit. Wir besuchen unsere Söhne gern und sie uns, obwohl sie weit
weg wohnen.
Wir haben begonnen, auch Sachbücher zu schreiben. Daneben gehen
wir ins Kino
und lesen Bücher.
Das Internet belegt auch
einen nicht mehr zu
vernachlässigenden Teil unserer Freizeit.
3.
Welche Bücher hast Du in letzter Zeit so gelesen und weshalb.
Welche
Bücher/Autoren haben Dich in Deinem Leben am meisten beeinflusst.
Das
letzte Buch, das ich las war "Harry Potter".
Es reicht auch. Ich könnte wahrscheinlich keinen 8.
Teil mehr lesen. Davor habe ich den
"Gotteswahn" von Dawkins gelesen, davor "Die Welt ohne uns" von Weisman….
Natürlich habe ich in
letzter Zeit Bücher gelesen, die mit
dem Thema "Welt ohne Männer" meines Romans zu tun haben. Die
letzten
waren "Yin" von Akif Pirincci, ein anfangs recht witziges, später
dann ekliges und zum Schluss ein für mich nicht nachvollziehbares
Buch.
Außerdem passen da noch Elisabeth Vonarburg: "Die Maerlande
Chroniken",
etwas zu umfangreich und für mich auch zu breit geschrieben. Das
möge genügen,
ich will ja hier keine Bücherliste generieren.
Beeinflusst hat mich in
der Jugend vor allem die
SF-Literatur, hier wäre Stanislav Lem hervorzuheben. Parallel dazu
haben mir
die Romantiker und besonders Eichendorf gefallen.
Von Dostojevski ist mir
noch "Der Idiot" in guter
Erinnerung und von Thomas Mann "Joseph und seine Brüder".
Besonders hervorheben
möchte ich Goethes "Faust"
und "Doktor Faustus" von Thomas Mann. Die beiden Bücher waren
meine
Prüfungsthemen im Literaturstudium in der Klassischen Deutschen
Literatur. Eine
Zeitlang habe ich auch viel Hermann Hesse gelesen. Saul Bellows
"Herzog" hat mich ebenfalls inspiriert.
4. Gibt es Menschen,
die Du bewunderst und weshalb? Kannst Du, wenn
vorhanden, mal ein paar nennen?
Menschen, die ich
bewundere sind Galileo Galilei, Giordano
Bruno, Caroline Herschel, Liese Meitner und noch viele andere.
Galilei war mutig und klug
zugleich, einer nahezu
allmächtigen Institution wie der Kirche die Stirn zu bieten.
Giordano Bruno hatte
Visionen über die Zukunft und den Mut,
sie auszusprechen.
Caroline Herschel stand
als Frau ganz im Schatten ihres
Bruders Wilhelm und hat doch genau so viel geleistet. Es waren noch
keine guten
Zeiten für Frauen in der Wissenschaft.
Lise Meitner liebte die
Physik und war Pazifistin.
5. Wie bist Du auf das Politikforum
gestoßen? Und weshalb schreibst Du
hier, also was ist Deine Intention oder Motivation? Wie findest Du das
Politikforum?
Angefangen
habe ich mit der "Kopftuch-Debatte"
und der öffentlichen Zur-Schau-Stellung von religiösen
Symbolen.
Wie ich auf das Politforum
gestoßen bin, kann ich nicht mehr
genau sagen.
Was ich an diesem Forum
gut finde ist die Vielfalt und
Aktualität der Themen. Manchmal ist es etwas oberflächlich,
aber das sind
andere Foren ja auch.
Solche relativ freien
Foren haben auch etwas Evolutionäres
an sich: In einem großen Haufen mit viel Mist kann sich auch
manchmal wirklich
etwas Neues bilden. Deshalb sollte man die Sperren nicht zu eng ziehen
und
lieber mit "don't feed a Troll" arbeiten.
6. Du schreibst ja einen Roman? Kannst Du
mal ein bisschen darüber
berichten? Um was geht es darin? Was ist das Ziel, die Motivation, die
Intention zum Schreiben des Romans? Wie weit bist Du
diesbezüglich? Hast Du
bereits einen Verlag gefunden? Wann wird er erscheinen?
Ich schreibe diesen Roman,
weil ich schon länger einen
schreiben wollte und eigentlich erst jetzt etwas mehr Zeit dafür
habe. Dazu brauchte
es aber noch eine Initialzündung. Die war damit gegeben, als ich
einen
amerikanischen Film sah über einen Planeten, auf dem es nur Frauen
gab, die
angeführt wurden von einer Priesterin und einer Königin. Dann
gab es da eine
Notlandung eines "Männerraumschiffes", worauf die Priesterin und
die
Königin zu Rivalinnen um die Gunst dieser Machos wurden. Das war
so ein
(Männer-)Schwachsinn, dass ich mir gesagt habe: Hier muss man
etwas dagegen
setzen. Dann brauchte es noch einige Tendenzen in der Gesellschaft,
deren
Weiterführung in die Zukunft mir bedenklich erscheinen. Da war der
Fall des
elfjährigen Raoul, der seine noch kleinere Schwester in Amerika
auf den
Venusberg geküsst hatte. Das wurde von den Nachbarn gesehen,
worauf der Junge
mit Handschellen abgeführt und inhaftiert wurde.
Daraufhin schrieb ich das
Essay "Das Dritte Zeitalter
der Menschheit" in dem solche Trends als dystopische Fiktion
weitergeführt
werden. Dieses Essay war ursprünglich als Geschichte zum Roman
konzipiert, um
den Roman selbst nicht mit Soziologie überfrachten zu müssen.
Das Essay wird noch in
diesem Jahr erscheinen.
In anderen literarischen
Fiktionen verschwinden die Männer
meist durch eine vernichtende Seuche, um das "Land der Frauen" zu
erreichen. Ich bin da einen neuen Weg gegangen und habe die Männer
durch sich
selbst verschwinden lassen.
Tausend Jahre nach der
Apokalypse beginnt der Roman. Die
Gesellschaft ist eine reine Frauengesellschaft. Das Männliche ist
verschwunden
und wird als eine überwundene Etappe der Evolution betrachtet. Die
Gesellschaft
ist insofern gewaltfrei, als keine Kriege mehr stattfinden. Auch die
Erinnerungen daran sind fast verschwunden, so gibt es zum Beispiel kein
Schachspiel mehr, weil da ja ein König und Krieger auftreten
müssten. Alle
Spiele, die Aggressionen erzeugen könnten, sind nicht verboten,
aber geächtet
und gibt es praktisch nicht mehr.
Es gibt da allerdings noch
ein gefährliches Relikt aus der
Vergangenheit. Anfangs hatte man zur Sicherheit immer noch ein paar
männliche
Kinder aufwachsen lassen, die man aber rechtzeitig, bevor sie ihre
Männlichkeit
voll ausprägen konnten, dann einer Geschlechtsumwandlung
unterzogen hat. (Da
gab es auch so einen traurigen Fall eines Jungen in Amerika, der mir
das
Vorbild geliefert hat.)
Nun wird dieses Relikt der
Vergangenheit auch noch
abgeschafft, bis auf ganz wenige, die zu genetischen Experimenten
freigeben
wurden…
Weiter geht es im Roman.
Der Roman ist aber kein
theoretisches Konstrukt, sondern
soll Unterhaltung und Spannung bringen. Vielleicht verfolgt der Leser
auch eine
falsche Spur und wird dann am Ende überrascht sein.
7. Dein Roman ist ja eine Dystopie, ein
Kassandraruf vor einer
möglicherweise in Zukunft stattfindenden selbst gemachten
Apokalypse der
Menschheit. Verantwortlich dafür ist in erster Linie der Mann mit
seinem
Aggressions- und Gewaltpotential. Ist für Dich der Mann allgemein
ein Monster?
Und wenn ja, wie begründest Du dies oder wie kommst Du zu dieser
Auffassung?
Und wäre die Frau das Gegenteil vom Mann, also das Gute und wie
begründest Du
diese Auffassung?
Wenn ein Mann das Essay
"Das Dritte Zeitalter der
Menschheit" liest, wird er spätestens beim "Monsterspektrum" in
Wut geraden. Betroffenheit zu erzeugen, ist ein Grund für das
Schreiben. Was da
die Randbereiche dieses Spektrums sind, die gibt es schon aber mit
welchen statistischen
Verteilungen muss man da rechnen? Das ist natürlich absichtlich
offen gelassen.
Der Mann ist nicht
allgemein ein Monster. Ich habe nur das
etwas überhöht, was so oft in den Medien dargestellt wird:
"Die Bestie
Mann".
Wenn ein Mann in unseren
Medien dauernd über Männergewalt,
Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch durch Männer liest, wie
sollte der da
nicht verunsichert werden?
Welche Reaktion bleibt ihm
da?
Entweder er reagiert
trotzig und versucht dagegen zu steuern
mit teilweise lächerlichen Aktionen, oder er sieht es ein, dass er
zu dieser
gewalttätigen Spezies gehört und bekommt ein schlechtes
Gewissen, das ihn
vielleicht dann dazu befähigt, besonders hart gegen seine
gewalttätigen Geschlechtsgenossen
vorzugehen, um sich damit wenigsten etwas rein zu waschen.
Wir dürfen
natürlich dabei nie vergessen, dass die spezielle
männliche Aggressivität auch die entscheidende
Triebkraft zu unserer
schnellen Entwicklung der
Zivilisation gewesen ist.
Die Frauen können
sich dabei nicht immer die Hände in
Unschuld waschen. Trotz aller Vergewaltigungen und Unterdrückungen
im
Patriarchat haben sie auch bei ihrer Partnerwal wesentlich zum heutigen
Ist-Zustand unserer Gesellschaft beigetragen.
Die Frau ist nicht das
Gegenteil vom Mann, sie verkörpert
nicht das Gute an sich. Sie hat vielleicht ein wenig Glück in
unserer Zeit, da
sie physisch nicht so gewalttätig ist. Es bildet sich ja langsam
ein Konsens in
unserer Gesellschaft heraus, der zu einer Ächtung der physischen
Gewalt führen
wird. An diesem Konsens sind nicht nur die Frauen beteiligt.
8. Könntest Du einmal Deine
anthropologischen Grundannahmen des Menschen
explizieren. Was macht den Menschen aus? Sind die Verhaltensweisen des
Menschen
rein biologistisch determiniert (Anlage) oder gibt es auch
Umwelteffekte
(Sozialisation, Erziehung, polit-ökonomische Struktureffekte etc.)?
Das ist dieser (ur-)alte
Streit: Was hat den größeren
Einfluss auf die Ausprägung der Persönlichkeit eines
Menschen, die Erbanlagen
oder die Umwelt?
Natürlich hat beides
einen Einfluss. Wie hoch der Einfluss
jeweils ist, hängt sicher auch vom Untersuchungsgegenstand ab. Es
gab da mal
diese geflügelte Wort: "Einem Schimpansen kann man nicht die
Infinitesimalrechnung beibringen."
Es gibt biologische
Grenzen bei der Sozialisation, bei der
Erziehung und natürlich auch bei den ökonomisch-strukturellen
Einflüssen. Diese
Grenzen herauszufinden ist sicher eine interessante Aufgabe für
die beteiligten
Wissenschaftler. Nur leider erreichen wir in den Sozial- und
Geisteswissenschaften nicht immer die Exaktheit der
Naturwissenschaften. In der
Psychotherapie entscheidet z. B. nicht die angewande Methode über
den Erfolg
der Therapie sondern die Persönlichkeit des Therapeuten.
Also auch die Erziehung
zur Gewaltfreiheit wird an ihre
Grenzen kommen. Trotzdem muss man sich überlegen, wie es damit in
der Zukunft
weitergehen soll.
Lässt sich das
aggressive Potential im Menschen
transformieren, ohne seine biologische Ausgangsbasis zu verändern?
Aus heutiger Sicht
würde ich das für mich verneinen.
9. Würdest Du Dich irgend einem
Feminismus zuordnen und wenn ja, welchem?
Was hälst Du vom sozialwissenschaftlichen Feminismus, der ja von
einem sozialen
und einem biologischen Geschlecht ausgeht oder noch radikaler, die auch
das
biologische Geschlecht dekonstruieren wie z.B. Judith Butler oder die
Queer-Theorie?
Ich ordne
mich keiner Art des Feminismus zu und
sprachphilosophische Konzepte interessieren mich nicht besonders.
Es geht doch einfach nur
darum, das breite Spektrum zwischen
den Geschlechtern als eine Realität anzuerkennen. Auch hier darf
man sich das
nicht nur als ein breites Band vorstellen, das rein Weibliche und rein
Männliche,
von der Sexualität her gesehen, sind schon die größten
Attraktoren in diesem
Spektrum.
10. M.E. beziehst Du Dich ja in Deinem
Roman vor allem auf ein
naturwissenschaftliches Weltbild und sozialwissenschaftliche empirische
Ergebnisse werden von Dir nicht rezipiert. Weshalb diese Ausblendung
der
Sozialwissenschaften.
Ich glaube nicht, dass
meinen Roman schon jemand kennt. Da
ein Verlag für das Internet ein "Anlesekapitel" möchte, habe
ich
dafür die Exposition zum Roman gewählt, die jetzt hier
zu finden ist.
Ich weiß nicht, ob
in dem Roman die
"Sozialwissenschaften ausgeblendet" sind.
Mein Anliegen war
Unterhaltung, Spannung und vielleicht
Nachdenken zu erreichen und keine literarische Ausgestaltung der
Sozialwissenschaften. Das zu beurteilen überlasse ich dem
geschätzten Leser.
11. Neben dem Mann mit seinem
evolutionsbedingten Aggressions- und
Gewaltpotential werden die Religion und der Sport als weiteres
destruktives
Potential für die Menschheit gesehen, die mithelfen, dass es zur
Apokalypse
kommen könnte. Weshalb gerade Sport und Religion?
Ich beziehe mich dabei
vornehmlich auf Kampfsport. Dieser
hat seinen historischen Ursprung in all den Aktivitäten, die einen
Krieg, ganz
gleich ob defensiv oder offensiv, vorbereitet haben.
Die Frage, die dabei
natürlich entsteht, ist: Gibt es in
einer Zeit, in der Kriege die Menschheit an den Rand ihrer Existenz
bringen
können, nicht etwas Anderes, etwas Friedlicheres?
Die großen
monotheistischen Religionen sind
"Gott-Vater-Religionen", also Konstrukte des Patriarchates. Ich halte
weder das Patriarchat noch das Matriarchat für eine
gesellschaftliche
Ausprägung, die es uns ermöglicht eine ferne Zukunft zu
erreichen.
Für ganz
gefährlich halte ich diese Religionen, da sie ihren
Anhängern nach einer Apokalypse das Himmelreich und all ihren
Feinden und den
Ungläubigen die Schmach der Hölle versprechen. So etwas senkt
nicht gerade das
Risiko für einen globalen Krieg.
12. Sport ist Kriegsvorbereitung und
Religion ist eine Art männliche
Ideologie, um die Frau zu beherrschen. Siehst Du auch positive
Eigenschaften im
Sport und der Religion? Weshalb sollten gerade Religionskriege zur
Apokalypse
führen und nicht Verteilungs- und geopolitische Hegemonialkriege?
Religion ist nicht nur ein
Instrument zur Beherrschung der
Frauen, es dient allgemein dazu, eine Herrschaftshierarchie aufrecht zu
erhalten. In den Religionen wird das besonders deutlich, die nur
männliche
Priester zulassen. Diese Priester sind dann auch so etwas wie
"Frauengurus". Einer selbstbewussten Frau muss das suspekt vorkommen.
Dass nur Religionskriege
zur Apokalypse führen, ist so nicht
richtig. Selbstverständlich werden Verteilungs- und
Hegemonialkriege eine
primäre Ursache sein, die dann aber auch die Religionen mit
einbeziehen.
Die Religionen spielen bei
der Vorbereitung eines kommenden
Großen Krieges eine große Rolle, da sie es sind, die eine
Akzeptanz der
kriegerischen Auseinandersetzung in der Bevölkerung wesentlich
verbessern
können.
Für viele Menschen
haben die Religionen auch etwas
Positives, sie fühlen sich geborgen in einer Welt, die immer
komplexer wird und
vom einzelnen Menschen kaum noch durchschaut werden kann. Die
Religionen
beantworten die Fragen, die diese Menschen haben.
Ich kam auch nicht umhin,
in meinem Roman wieder Religionen
zuzulassen.
13. Maßnahmen der Eugenik, der
Gentechnologie, der Anthropotechnik werden
von Dir offensichtlich gutgeheißen, wenn es darum geht, die
Apokalypse zu
verhindern wie z.B.
- Sterilisation des Mannes, wenn er Verfehlungen gegenüber Frauen
und Kindern
begeht.
- Hormone im Trinkwasser, um Entwicklung der Hoden zu hemmen
- Nachkommen werden einer gesteuerten Selektion unterzogen
- Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale
werden gehemmt.
- Kastration oder Geschlechtsumwandlung von aggressiven Jugendlichen
- Gene von Eltern werden gesperrt, wenn diese mal kriminell auffielen
oder ihre
Kinder kriminell auffielen.
- Künstliche Gebärmutter
Deine Vorstellung ist also, den Menschen mittels Eugenik und
Gentechnologie zu
einem friedfertigen Menschen umzuwandeln, mit anderen Worten: Das Ziel
heiligt
die Mittel. Gibt es bei Dir diesbezüglich keine ethischen Bedenken
gegenüber
solchen Maßnahmen?
Alle oben
aufgeführten Punkte, mit Ausnahme der Gebärmutter,
sind Dystopie, die schon heute in den Ansätzen zu beobachten ist
und die ich
für eine gefährliche Entwicklung halte.
Man könnte
tatsächlich zu der sarkastischen Annahme kommen,
dass sich das Problem "Gewaltätiger-Mann" damit gelöst
hätte. Selbst
wenn die Gesellschaft sich in dieser Richtung bewegt, wird das keine
Lösung
bringen. Das versuche ich auch mit dem Roman zu simulieren. .
Ethische Bedenken?
Um es provokativ zu
formulieren: Ethische Bedenken hätte
ich, wenn wir den Menschen so lassen wollen, wie er jetzt ist. Um es
noch
krasser zu formulieren: Mit Neandertalern können wir keinen
Siegeszug der
Vernunft ins Weltall starten.
14. Weshalb sollte die Vernichtung der
Menschheit so lange es geht
hinausgeschoben werden, wenn man ihn anthropotechnisch so
verändern muss, damit
er sich selbst nicht vernichtet? Also, weshalb könnte man nicht
sagen, nun gut,
wenn der Mensch sich selbst ausrottet, dann haben die anderen Lebewesen
des
Planeten wieder eine viel grössere Chance, viel länger zu
überleben?
Je weiter wir in die
Zukunft schauen, desto unsicherer
werden unsere Voraussagen. Wir können persönlich nicht
wirklich wissen, wann
wir sterben, dasselbe gilt auch für die menschliche Gesellschaft.
Wenn man nicht daran
glaubt, dass nach dem individuellen Tod
im Himmel alles besser ist und das irdische "Tal der Leiden" dann
hinter einem liegt, und wenn man außerdem noch Kinder hat und
liebt - das
müssen ja nicht immer die eigenen sein - denen
man auch eine friedliche und
glückliche Lebenszeit wünscht, wie
man sie selbst hat, dann macht man sich schon Gedanken über das
bevorstehende
Zeitalter der Menschheit.
Mit großer
Wahrscheinlichkeit sind wir Menschen in einer
weitgesteckten kosmischen Umgebung die intelligentesten Lebewesen. Ich
halte es
deshalb für eine großartige Vision und Motivation für
die gesamte Menschheit,
diese Einmaligkeit zu erhalten und noch weiter auszubreiten. Das
können die
patriarchalischen Religionen nicht liefern.
Warum sollen wir nicht
auch das Weltall besiedeln?
Spätestens dann müsste der Mensch sich anthropotechnisch
stark verändern.
Ich bin aber der Meinung,
dass mit der Globalisierung der
Erde kein rechtsfreier Außenraum für die Menschen mehr
vorhanden ist, in dem
sich "die Bekämpfung eines Feindes von der Auslöschung einer
Sache nicht
mehr eindeutig unterscheiden lässt." (Zitat Sloterdijk; Im
Weltinnenraum
des Kapitals.)
Diesen Außenraum
gibt es nicht mehr und damit werden all die
meist männlichen Fähigkeiten obsolet, die diesen
Außenraum erobert haben.
Bei dem gegenwärtigen
Tempo der Zivilisationsentwicklung
halte ich natürliche Selektionsprozesse für nicht ausreichend
ebenso wie
Sozialisationsprozesse, um den Menschen für die neuen
Herausforderungen
anzupassen.
Das Interview
führte der User Orca5
<== ZURÜCK
__________________
Literaturzitate:
Aus
DER MANN
Ein Irrtum der Natur?
von
Steve Jones
Diese Zitate erschienen mir
wichtig und sind (noch) nicht verbessert, sie sind so, wie sie der
Scanner eingelesen hat.
Samenzellen
haben sich in der Evolution für den Transport körpereigener
Gene entwickelt,
aber heute werden sie unter anderem dazu verwendet, fremde DNA in
Eizellen zu
befördern -der bisher größte Erfolg in dieser Hinsicht
waren Mäuse, die im
Dunkeln leuchten. Man kann menschliche Proteine in Tiersperma
produzieren,
weshalb das literweise anfallende Ejakulat männlicher Schweine
eine nützliche
Ware ist. Eines Tages wird der Mann womöglich völlig
überflüssig, weil seine
Samenzellen sich in Tierhoden züchten lassen, und zumindest bei
Mäusen kann man
die Eizelle mit einer Körperzelle eines anderen Weibchens
befruchten, sodass
das wirkliche zweite Geschlecht vollkommen außen vor bleibt.
S.
16
Männliche
Wesen sind in vielerlei Hinsicht
Parasiten ihrer Partnerinnen. Sie sind vor allem daran interessiert,
dass diese
in die Fortpflanzung investieren, während sie selbst darauf so
wenig Mühe wie möglich
verwenden. Wie alles Ungeziefer, von den Viren bis zu den
Bandwürmern, zwingen
sie ihre widerstrebende Gastgeberin, Abwehrmechanismen auszubilden oder
sich zu
unterwerfen. Entwickelt der Wirt sich so, dass er mit dem ungeliebten
Besucher
besser zurechtkommt, beginnt zwischen beiden ein biologischer Tanz.
Jeder
verfolgt eigene Ziele, und sobald der eine die Oberhand gewinnt,
schlägt der
andere zurück. Oftmals verläuft dieser Pas de deux in
hektischem Tempo.
S. 30
Die Gene, die
für die Androgenrezeptoren
verantwortlich sind, neigen ebenso zu Defekten wie alle anderen. Das
Molekül,
das sich in den Zellen mit dem Testosteron verbindet, ist auf dem
X-Chromosom
codiert. Es kann sich auf unterschiedliche Weise verändern,
entweder durch
einfache Mutationen oder durch zusätzliche DNA-Stücke, die
sich Zutritt
verschafft haben. Durch manche derartigen Fehler wird die Vertiefung im
Molekül
in Mitleidenschaft gezogen, in der das Hormon festgehalten wird, andere
beeinträchtigen das Segment, das an das Zielgen bindet. Solche
Abweichungen
können den Weg zur Männlichkeit ganz oder teilweise
versperren. Unter Umständen
verursachen jene Fehler nur einen leichten Männlichkeitsverlust,
sie können
aber auch zur Geburt eines Kindes führen, das auf den ersten Blick
ganz und gar
weiblich aussieht. Diese Mädchen tragen in sich ebenso viel
männliche Essenz
wie ein normaler Junge, nur dass sie ihr Ziel niemals erreicht, weil
das
Schloss zur zelleigenen Tür beschädigt ist. Der
Hormonüberschuss im Blut wird
von der Aromatase in Östrogen umgewandelt, und deshalb haben
solche Menschen
häufig besonders große Brüste, eine glatte Haut und
fast keine Körperbehaarung.
S.
90
Solche
gedankenlosen Manipulationen hatten
für jene, deren seelische und körperliche Welt nicht
übereinstimmten, häufig
tragische Folgen. Die Chirurgen hatten ganz besondere Vorlieben. Manche
entfernten
bei männlichen Babys, deren Penis weniger als eineinhalb
Zentimeter lang war,
alle Anzeichen der Männlichkeit. Andere waren strenger: Bei ihnen
mussten die
Patienten ein Organ von zwei Zentimetern Länge vorweisen, um dem
Messer zu
entgehen obwohl sie mit ihrem ursprünglichen Zustand
wahrscheinlich gut zurechtgekommen
wären. Eine Vagina zu modellieren ist gefährlich einfach, und
der Eingriff
wurde vielfach vorgenommen, aber das Ergebnis funktioniert meistens
nicht
richtig. Das Bedürfnis nach Eindeutigkeit führte in vielen
Fällen zur
Katastrophe. Über die Hälfte derer, die einer solchen
Operation unterzogen
wurden, kommen später wegen Nachbesserungen wieder, und einige
sind für ihr
Leben traumatisiert.
S. 91
einer
chirurgischen Entfernung der Eierstöcke
verliert sich das erotische Interesse in manchen Fällen
völlig. Ein Schuss der
Männlichkeitstinktur als Ergänzung der Hormonersatztherapie
hellt das Leben
wieder auf, mit häufigerem Geschlechtsverkehr und mehr Orgasmen.
Gelegentlich
wird die Ansicht vertreten, man solle von einem bestimmten Alter an
allen
Frauen Testosteron verschreiben, und zwar in so geringer Dosierung,
dass die
Lebensfreude wächst, ohne dass die vielfältigen, mit einem
Identitätswechsel
verbundenen Unannehmlichkeiten auftreten.
S. 100
Die Durchtrennung
der Samenleiter, Vasektomie
genannt, ist ein Eingriff von etwa zehn Minuten, und indische
Rekordchirurgen schaffen
ihn in 45 Sekunden -ihre Geschicklichkeit erwarben sie während des
Notstandes
in den siebziger Jahren, als die Demokratie eingeschränkt wurde;
damals machte
man bei acht Millionen Männem den Schnitt, ohne sich allzu viel um
die
Einwilligung zu kümmern. Die Chinesen injizieren an der richtigen
Stelle einen
Superkleber -das geht noch schneller -, und eine weitere Beschleunigung
dürften
Experimente mit Mikrowellen bringen, mit denen man die entscheidende
Rohrleitung verkocht. Heute sind bereits fünfzig Millionen
Männer operiert, und
in manchen Regionen ist die Methode sehr verbreitet. In Neuseeland hat
ein
Viertel aller Männer im fortpflanzungsfähigen Alter den
Eingriff hinter sich,
in den USA liegt die Quote bei zehn Prozent. … Die Vasektomie
lässt sich im
Prinzip rückgängig machen, und da in den westlichen
Industrienationen die
Hälfte aller Ehen mit einer Scheidung endet, an die sich
häufig eine Wiederheirat
anschließt, besteht bei denen, deren Pläne sich
geändert haben, eine , große
Nachfrage nach einem erneuten Eingriff. Eine Erfolgsgarantie gibt es
allerdings
nicht, auch wenn durch die herausnehmbaren Verschlüsse, die heute
in einigen
Kliniken verwendet werden, die Sache einfacher geworden ist. Manche,
die sich
um einen solchen Eingriff bemühen, stehen nämlich vor einem
Problem: Sie
besitzen . mittlerweile Antikörper gegen die eigenen Samenzellen.
S. 125
Zur
Rechtfertigung des Eingriffs wurden viele
Gründe angefÜhrtFrüher galt er als gezieltes Mittel zur
Verhinderung der
Masturbation. Ein Präsident des englischen Royal College of
Surgeons
formulierte es in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts
unverblümt so:
«Clarence war dem heimlichen Laster verfallen, das unter Jungen
praktiziert
wird. Ich nahm die Beschneidung vor. Er brauchte den Schmerz des
Schneidens als
gerechte Bestrafung für unerlaubte Wollust.» Aber der
Präsident hatte Unrecht:
Die so Behandelten befriedigen sich, laut einigen Studien, sogar
häufiger
selbst. Noch radikaler war Kellogg, der durch die Cornflakes
berühmt geworden
ist er war wegen des wollüstigen Zeitvertreibs äußerst
besorgt.
S.
132
Die
Entfernung der Hoden ist in mehrfacher Hinsicht ein groß, artiges
Stärkungsmittel. In Indien traten Eunuchen bei Wahlen an und
argumentierten,
sie seien wegen ihrer Kinderlosigkeit weniger korruptionsanfällig.
Wird der
Eingriff früh genug vorgenommen, beugt er auch anderen typisch
männlichen
Nachteilen vor, von der Akne bis zur Glatze. Am chinesischen Kaiserhof
waren
Eunuchen für ihre lange Lebensdauer bekannt (der letzte wurde 93
Jahre alt), und
ihren Schicksalsgenossen im Westen geht es ebenfalls gut. In den
Vereinigten
Staaten wandte man die Orchidektomie in den dreißiger Jahren des
20.
Jahrhunderts bedenkenlos als Therapie -oder Strafe -für
Masturbation oder
kleinere Vergehen an. Vierzig Jahre später entdeckte man bei einer
Folgestudie
über solche unglücklichen, die heute noch in Heilanstalten
leben, dass ihre
durchschnittliche Lebenserwartung um dreizehn Jahre höher liegt
als bei ihren unversehrten
Geschlechtsgenossen.
S.
145
Behörde
dieser Ansicht an: Sie nahm 1996 die
chemische Kastration in ihren phantasievollen Katalog der
Bestrafungsmethoden
auf. In der Vorschrift AB 3339 heißt es: «Für jede
Person, die zum ersten Mal
wegen bestimmter Sexualstraftaten verurteilt wird, bei denen das Opfer
unter
dreizehn Jahre alt ist, kann bei der Haftentlassung eine Behandlung mit
Medroxyprogesteronacetat angeordnet werden, und wer zwei solcher
Verbrechen für
schuldig befunden wird, muss sich nach der Haftentlassung einer solchen
Behandlung unterziehen.» Und eine etwas seltsame Ergänzung
lautet: «Unterzieht
sich I ein Häftling freiwillig einer chirurgischen Behandlung mit
dauerhafter
Wirkung. .., findet der vorstehende Absatz keine Anwendung.» Die
medikamentöse
Behandlung kann auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden, und man kann
selbst
einen dreizehnjährigen Jungen dazu zwingen, der mit einer
Zwölfjährigen
geschlafen hat.
S.
148
Mehrere
US-Bundesstaaten sind dem Beispiel
Kaliforniens gefolgt. In Montana sieht ein Gesetz für
Vergewaltiger schon nach
dem ersten Verbrechen die Kastration vor, und die gleiche Vorschrift
gilt auch
in Texas -wobei der Betroffene dort allerdings einwilligen muss
Zur
Begründung heißt es, dass die Operation
billiger sei als eine chemische Behandlung. Einem Häftling in
Georgia wurde
mitgeteilt, vor seiner Entlassung müssten die Hoden entfernt
werden. Er legte
gegen das Urteil Berufung ein.
S. 149
Das Mittel des
«Golden State» für
Vergewaltiger wurde unter dem Namen «Depo-Provera» bekannt.
In den achtziger
Jahren wurde das Medikament als LangzeitVerhütungsmittel für
Frauen entwickelt,
doch dann entdeckte man, dass es bei Männern die Libido
dämpft. Es drosselt die
Hormonausschüttung durch die Hypophyse und lässt das Feuer
der Begierde nur
noch auf kleiner Flamme brennen. Depo-Provera erfüllt seine männlichkeitsfeindliche Aufgabe nicht so
gut
wie eine Kastration, aber es vermindert tatsächlich das erotische
Verlangen und
häufig auch die Erektionsfahigkeit. Die
Nebenwirkungen_Depressionen, Diabetes
und Brustwachstum gelten in Kalifomien als unbedeutend. S150
Gewebezucht ist
mittlerweile eine große Branche. Eines Tages (wird -man mit ihrer
Hilfe
vielleicht die Leber oder sogar das Gehirn ersetzen können, aber
am Anfang
stand die unscheinbare Vorhaut. Deren Entfernung galt früher
manchmal als
ruchloser Eingriff in den Körper (einst bezeichnete man
manipulierte Münzen als
«beschnitten» -ein deutlicher Hinweis, welche
Gesellschaftsgruppe man damit in
Verbindung brachte). Entstanden ist sie wahrscheinlich aus einer noch
größeren
Verstümmelung des äußeren Erscheinungsbildes, und deren
Ursache wiederum war
entweder das Bestreben, einen Feind zu entmannen, oder die Abscheu vor
der sexuellen,
unspirituellen Seite des Menschen. Solche Sichtweisen sind keineswegs
ausgestorben. In Florida bietet ein anonymer Amateurchirurg all jenen,
die aus
persönlichen Gründen operiert werden möchten, die
Kastration an. Er hat den
Eingriff eigenen Behauptungen zufolge schon an einer Riesenzahl von
Freiwilligen vorgenommen. Ein Honorar verlangt er nicht.
S.153
Pierre Abaelard
wollte zugleich der
Vorstellung ein Ende bereiten, die Geschlechtsorgane gefährdeten
die
spirituelle Reinheit. Die Auffassung, Sexualität sei Sünde,
reicht weit zurück:
Am vehementesten wurde sie irn Gnostizismus vertreten, eine
Glaubensrichtung, die
irn fruchtbaren Halbmono geboren wurde, wo auch die Landwirtschaft (und
die
Kastration) ihren Ursprung hat. In derselben Region soll der Garten
Eden
gelegen haben, aber der war nach Ansicht der Gnostiker ein Traum, den
ein
Teufel namens Ialdoboath Adam und Eva träumen ließ. Vielmehr
seien Männer und
Frauen erst nach einer Periode des erhabenen Zwitterturms auf der
Bildfläche
erschienen, und Gott klärte seine Untertanen darüber auf,
dass die Liebe die
Ursache des Todes ist.
S.
155
Die
Eizelle schließt ihre Meiose erst dann ab, wenn die Samenzelle
bereits
eingedrungen ist und die Zellteilung begonnen hat. Noch länger
dauert es, bis
sich die DNA aus den Zellkernen von Vater und Mutter zusammenfindet.
Und auch
jetzt beeinflusst die Samenzelle auf vielfältige Weise das
Schicksal der
Eizelle. So bringt der Vater etwa an seinen Genen molekulare
Markierungen an,
und wenn sie fehlen, kann der Embryo sich nicht richtig entwickeln -das
ist der
Grund, warum das Klonen so schwierig ist. Außerdem steuert die
männliche Seite
Strukturen bei, die der befruchteten Zelle die Teilung erleichtern. Und
wo die
erste Zellteilung stattfindet, hängt ebenfalls von der Samenzelle
ab:
Nachkommen von Zellen in der Nähe der Eintrittsstelle teilen sich
schneller als
andere, und aus ihnen geht der Embryo hervor; entstehen sie in
größerer
Entfernung vom Ort des Auftreffens, bilden sie die sekundären
Häute und
Blutgefäße, von denen der Fetus umgeben ist und die zu
seiner Ernährung
beitragen. Die männlichen Zellen erfüllen noch eine weitere
unentbehrliche
S. 168
Funktion.
Aus ihnen stammt der Großteil der genetischen Defekte, mit denen
sich jede
Generation auseinander setzen muss -und da. mit liefern sie das
8,ohmaterialfür
~ E-YQlg~n. Spermien haben es schwerer als die meisten anderen Zellen.
Während
sie durch die sauerstofffreie Umwelt im Genitaltrakt der Partnerin
schwimmen, entstehen
giftige Abfallprodukte, durch die ihre DNA geschädigt wird.
Männliche Zellen
sind so empfindlich, dass selbst für die Kin. der starker Raucher
ein erhöhtes
Krebsrisiko besteht, vielleicht weil die Gene der Samenzellen durch die
eingeatmeten Giftstoffe in Mitleidenschaft gezogen werden.
S.
169
stimmten
Genen ist das Verhältnis noch niederschmetternder. Für manche
Krankheiten, zum
Beispiel eine häufige Form der Kleinwüchsigkeit, besteht bei
Kindern betagter
Väter ein zwanzigmal höheres Risiko als bei den Nachkommen
jüngerer Männer. .,-Der
Einfluss der Jahre ist auch im europäischen Adel zu erkennen. Eine
Aristokratentochter erhält eines ihrer beiden X-Chromosomen vom
Vater, der Sohn
dagegen hat sein einziges Exemplar von der Mutter. In siebenhundert
derartigen
Familien starben Töchter, deren Väter fünfzig oder
älter waren,
durchschnittlich mit vierundsiebzig Jahren, war der Vater allerdings
unter
dreißig, lebten sie im Durchschnitt drei Jahre länger. Auf
die Lebenserwartung
der Söhne (die vom Vater nicht das X-, sondern das Y-Chromosom
erben) hatte das
Alter des Vaters keine Auswirkungen. Wegen dieser Schwäche
älterer Männer nimmt
die American Fertility Society nur Spendewillige unter fünfzig
Jahren auf; die
Briten sind noch vorsichtiger: Hier liegt die Altersgrenze bei
fünfunddreißig. Wenigstens
bedeuten die Mutationen aber, dass auch die Männer zu etwas
nütze sind, halten
sie doch den genetischen Wandel in Gang. Manche Fehler sind
schädlich, andere
bringen einen Nutzen und werden schnell von der natürlichen
Selektion
aufgegriffen. Deshalb erfolgt ein oßer'U .er Evolution in der
ännlichen
Abstammungslinie. Am besten ist der Effekt a -Chromosom zu erken
S.
170
In Frankreich
werden als Samenspender nur
Männer zugelassen, die selbst bereits Kinder haben. In
Großbritannien dagegen
bevorzugt man Medizinstudenten, und es gibt rund dreitausend
regelmäßige
Spender. Sie zu rekrutieren ist nicht einfach. Manche Kandidaten machen
einen
Rückzieher, wenn sie hören, was von ihnen erwartet wird:
Fruchtbarkeitstests,
eine genetische Generaluntersuchung und ein halbes Dutzend Arztbesuche;
erst
dann dürfen sie die erste Spende abgeben, und danach folgen
maximal zwanzig
weitere (um Betrug auszuschließen, ist Heimarbeit nicht
gestattet). In der
Anfangszeit hatten einige britische Spender über zweihundert
Nachkommen; heute
darf jeder von ihnen maximal zehnmal Vater werden. In Dänemark,
das nur ein
Zehntel der Einwohnerzahl der Britischen Inseln aufweist, sind doppelt
so viele
Nachkommen gestattet, und entsprechend größer ist die
Wahrscheinlichkeit, dass Kinder
desselben Vaters sich kennen lernen und heiraten. Die Firma Cryos in
Aarhus
«<Wir geben dem Storch etwas zu tun!») ist mit mehreren
hundert Lieferanten
die größte Samenbank der Welt. Sie exportiert häufig
nach Schottland, wo das
Material besonders knapp ist.
S.
172
Hin und wieder
scheitert die künstliche
Befruchtung allerdings, sodass Samen und Eizelle im Reagenzglas
aufeinander
treffen mÜssen. Die ln-vitro-Fertilisation hat sich seit 1978, als
Louise
Brown, das erste «Reagenzglasbaby», geboren wurde,
erheblich weiterentwickelt,
und heute werden allein in Europa jedes Jahr eine Viertel Million
Versuche
unternommen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Methode in
Dänemark: Dort
kommt jedes zwanzigste Baby in irgendeiner Form mit Unterstützung
der
Reproduktionstechnologie zur Welt. Bei schwerer Schädigung der
Samenzellen
jedoch hilft selbst die ln-vitro-Fertilisation nicht, weil die Spermien
nicht
in die Eizelle eindringen können. Für solche Fälle gibt
es die
intrazytoplasmatische Spermieninjektion oder kurzlCSI: Dabei wird der
männliche
Anteil -eine ausgereifte, aber unfähige Samenzelle oder ihr
unausgereifter Vorläufer
-mit einer Kanüle, die zwanzigmal dünner ist als ein Haar, in
die Eizelle
injiziert. Hat die DNA so die weiblichen Abwehrmechanismen
überwunden, läuft die
weitere Befruchtung ganz normal ab. Mit Hilfe der !CS! wurden schon
über
einhunderttausend Kinder geboren, und allein in Großbritannien
gibt es dafür
rund einhundert spezialisierte Zentren. Die Methode birgt allerdings
auch
Gefahren. Ein Mann, der wegen eines geschädigten Y-Chromosoms
unfruchtbar ist,
kann das Problem an seine Söhne weitergeben, und daher
S.
175
Führt selbst
eine solch raffinierte Behandlung
nicht zum Erfolg, bleibt scheinbar nur der Samenspender. Nicht wenigen
Ehemännern ist der Gedanke unangenehm. Wie kann man eine Bindung
zu einem Kind
aufbauen, das durch die Gene eines anderen entsteht? Hier bietet die
Wissenschaft ebenfalls neue Hoffnung. Man kann Hodenzellen aus
Männchen eines
unfruchtbaren Mäusestammes in andere, die zur Reproduktion
fähig sind, oder in
Ratten verpflanzen. Dort reifen die Zellen zu Spermien heran, und die
sterile
Maus gibt ihr genetisches Erbe über einen: Stellvertreter weiter.
Zwar konnte
man Mäuse noch nicht dazu bringen, auch menschliche Samenzellen
wachsen zu lassen,
aber möglicherweise gelingt es ja, die Zellen eines unfruchtbaren
Mannes in
Laborkulturen von Hodenzellen zu Spermien heranzuzüchten. Ein
gesunder -und
großherziger -Mann könnte sich sogar bereit erklären,
die defekten Spermien
eines Freundes in seinen eigenen Hoden aufzupäppeln und bei Bedarf
wieder
abzuliefern, sodass der geschädigte Ehemann dennoch ein echter
Vater wird.
Eines Tages wird es vielleicht möglich sein, die Chromosomenzahl
in entnommenen
Körperzellen auf die Hälfte zu reduzieren und damit eine
Eizelle zu befruchten.
Dann wären die Hoden (und ihre Eigentümer) völlig
überflüssig geworden. Wie bei
der Impotenzbekämpfung, so können auch die riesigen Summen,
die Männer
aufwenden, um ihre Frauen mit Samen -wel
S. 176
Die
neue Sorglosigkeit hat ihre Ursache im gesellschaftlichen Wandel (und
in einem
falschen Vertrauen in die Zuverlässigkeit der
Empflingnisverhütung), aber auch
in der verbesserten Stellung der Frauen und ihrer wachsenden
Fähigkeit, Kinder
alleine groß zu ziehen. Die Pille verschafft ihnen die
Verfügungsgewalt über
die Fruchtbarkeit, und immer mehr von ihnen entschließen sich,
Mutter zu
werden, obwohl sie keinen festen Partner haben. Und je unbedeutender
die
soziale Stellung wird, desto eher sind die Menschen um sie herum
bereit, Kinder
um ihrer selbst willen zu akzeptieren und sie nicht am Status der
Eltern zu
messen.
S. 206
In
Großbritannien wird ungefähr pei jeder zwölften Geburt
nur , die Mutter
eingetragen -doppelt so häufig wie in den «schamlosem>
,sechziger Jahren -,
und jedes zweite Kind wird nicht in einem Ehebett gezeugt. Wegen
falscher
Vaterschaft und Wiederheirat werden I viele hunderttausend Kinder von
Männern
großgezogen, die sie Iralschlicherweise für ihren
biologischen Vater halten.
Für die meisten «unehelichem> Kinder trifft das
allerdings nicht zu: Die
Eltern -I häufig bürgerlicher Herkunft und beide ganz erpicht
darauf, an der I~
Erziehung des Kindes mitzuwirken -haben nur auf die Hochzeitszeremonie
verzichtet und sich dafür entschieden, in einer Beziehung nach
eigenen Wünschen
zu leben, statt sich einem staatlich genehmigten Vertrag zu
unterwerfen. Im
Jahr 2000 stellte sich in der groBen nationalen Untersuchung der
erotischen
Gewohnheiten heraus, dass ein Sechstel aller Erwachsenen unter vierzig
Jahren
in einer langjährigen Beziehung mit einem festen Partner
zusammenlebte etwa die
Hälfte der Zahl derer, die eine formelle Ehe eingegangen waren. J.
B. Priestley
bezeichnete die Ehe seiner Zeit als «langes, langweiliges
Menü mit dem Dessert
als erstem Gang». In unserer heutigen epikureisch geprägten
Epoche ist serielle
Monogamie Eheschließung, Scheidung und Wiederheirat -weit
verbreitet, und die
Versessenheit auf das Geburtsrecht ist auf dem Rückzug.
S. 207
Familiennamen
sind ein Hinweis auf die väterliche Linie, in der I allein der
Ehemann das Erbe
weitergibt. Eine solche Abstammungs1 regel bildete das Fundament des
römischen
Weltreiches und vieler anderer Gesellschaften, aber sie beinhaltet eine
tödliche Schwäche, und die sorgt dafür, dass keine
Abstammungslinie von Dauer
sein kann, wenn die Vererbung ohne Sexualität erfolgt. Bei einer
Hochzeit
finden zwei Menschen und vier Exemplare der meisten Chromosomen
zusammen. Aber
an der Eheschließung ist nur ein Y-Chromosom beteiligt, das
einzelne des Mannes
Deshalb
haben männliche Chromosomen nur ein Viertel der Häufigkeit
aller anderen. Da
ihre Population so klein ist -und sie wird noch kleiner, wenn nur
wenige ihrer
Besitzer aus dem erotischen Kampf als Sieger hervorgehen -, wächst
das Risiko,
dass eine männliche Linie, ob kaiserlich oder nicht, durch Zufall
verschwindetAus den Aufzeichnungen über britische Familien der
letzten
fünfhundert Jahre geht hervor, dass ein Drittel aller Männer
keine Enkelsöhne
hatte -womit ihre väterliche Abstammungslinie abbrach und ihr
Y-Chromosom
verloren ging. In kleinen Populationen haben solche zufälligen
Verluste große,
langfristige Auswirkungen. Sobald ein Typus verschwindet, werden andere
häufiger, und wenn dieser Vorgang sich fortsetzt, bleiben immer
weniger
väterliche Abstam.J mungslinien übrig. Eine derartige
Zufallsevolution führt
über längere Zeit zur Auseinanderentwicklung isolierter
Gruppen.
S.
217/218
Es
gibt eine unendliche Fülle solcher Geschichten, und Darwin machte
Wissenschaft
daraus. Mit seinem Begriff der sexuellen selektion ging er von den
unterschiedlichen Investitionen der Eltern in I ihre Nachkommen aus. Um
sich
eine Partnerin zu beschaffen, mÜssen Männchen hohen Aufwand
treiben, sei es mit
einem Geweih oder einem Sportwagen. Danach sind sie aber kaum noch zu
weiteren
Beiträgen verpflichtet. Von den Weibchen dagegen wird für
jedes Kind von Anfang
an eine hohe Investition verlangt. Im BÖrsenjargon sind
Männer die Bullen und
ihre Partnerinnen die Bären. Ein Samenspender muss eine Menge
hineinstecken, um
überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben, aber oberhalb dieses
Investitionsminimums bringt jede kleine Steigerung gewaltige Renditen.
Für ihn
ist das Glücksspiel um zukünftigen Erfolg immer lohnend.
Seine Partnerin lässt
mehr Vorsicht walten: Sie bringt den Vorgang zum Abschluss, aber
dafür muss sie
einen so hohen Aufwand treiben, dass dies größere Sicherheit
voraussetzt.
S.
243
Der
Liebesrausch der Elefantenrobbe ist ein denkwürdiges Beispiel
nicht für die
männliche, sondern für die weibliche Macht. Die
größeren Tiere mögen zwar
dominant wirken, wenn sie die Nase aufblasen, röhren und einander
verprügeln,
bis das Blut fließt, in Wirklichkeit aber werden sie von ihren
Gefährtinnen
gezwungen, die Besten unter ihnen auszuwählen. Zu Beginn weisen
die Weibchen
jeden zurück, der ihnen den Hof macht. Jedes Männchen, das so
kühn ist und eine
Kopulation versucht, wird energisch abgebÜrstet; das wiederum
erregt die
Aufmerksamkeit der anderen, die kurz darauf zu kämpfen beginnen.
Das Objekt der
Begierde wartet schüchtern, bis sich herausstellt, wer der Beste
ist. Diesem
unbeugsamen Männchen gestattet sie dann die Paarung. Der Kampf war
seine Sache,
aber ausgewählt hat letztlich sie.
S.
245
Die
Schimpansen haben enge Verwandte, an denen die Bandbreite der
Verhaltensweisen
von Menschenaffen noch deutlicher wird. Der Bonobo oder Zwergschimpanse
-er
ähnelt seinem Vetter so sehr, dass manche Biologen ihn nicht
einmal für eine
eigene Spezies halten -ist ein viel ruhigeres Tier. Wie man an seiner
DNA erkennt,
entstand er vor noch nicht einmal einer Million Jahren, lange nach der
Abspaltung der menschlichen Abstammungslinie. In seiner Heimat
beiderseits des
Flusses Zaire führt er ein angenehmes \Leben mit mehr Nahrung und
weniger
Konkurrenz durch andere Primaten als an Orten wie Gombe. Hier bilden
die
Weibchen anstelle ihrer männlichen Gefahrten die sozialen Gruppen.
Sie leben in
großen Rudeln und sind in ihrem Verhalten wesentlich
aufgeschlossener und
friedlicher. Bonobos führen ein lustbetontes Dasein mit
häufigen
Geschlechtsakten von Angesicht zu Angesicht, Gruppensex und einer Menge
Homosexualität. Di~ Tiere kopulieren nicht nur, wenn die Weibchen
empflingnisbereit sind, sondern mehr oder weniger jederzeit.
S. 262
Der Biologe
Patrick Geddes (der mit der
teilnahmslosen Eizelle) hätte da wohl nicht groß
widersprochen. In seinen Augen
«drückt sich in der Abgrenzung zwischen männlich und
weiblich ein tief greifender
Unterschied der Konstitution aus. ..Was bei den vorzeitlichen Protozoen
entschieden wurde, kann nicht durch ein Gesetz vom Parlament
rückgängig gemacht
werden.» Manche sehen das Leben der Männer nach wie vor von
der Urzeit
bestimmt, andere fühlen sich durch solchen Fatalismus abgestoBen,
wünschen
sich, es gäbe keinen Phallus, und argumentieren allen Indizien zum
Trotz, zwischen
den Geschlechtem bestehe keinerlei Unterschied. Beide
Überzeugungen sind so
fest gefügt, dass es häufig schwer ist, die Wahrheit zu
finden.
S.
273
Es braucht nicht
besonders betont zu werden:
Die Tatsache, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen
gibt, bedeutet
natürlich nicht, dass sie auch angeboren sein müssen. Dies
zeigt sich bei jenen,
die noch nicht gelernt haben, was von ihnen erw1!rtet wird. Die
Kindheit hat
sich, zumindest in Romanen, weit von Tom Tindall entfernt. Moderne
Eltern
streben im Gegensatz zu ihren Vorgängern nach politischer
Korrektheit und
neigen dazu, ihre Kinder als Experimentierfeld für
Umwelteinflüsse zu
betrachten, auf dem die Gene keine Rolle spielen. Von Der Wind in den
Weiden
bis WinniePuh war das Kleinkindalter eine fast asexuelle Zeit, und eine
geschlechtslose Art des Daseins wurde für Jungen zur Norm. Auch
Mädchen wurden
zu Zwittern. In Fünf Freunde auf großer Fahrt von Enid
Blyton rennt George
-eine junge Dame -gegen ihr Schicksal an: «<Es ist blöd,
ein Mädchen zu
seim, sagte George ungefähr zum einmillionsten Mal in ihrem Leben.
<Immer
muss man aufpassen, und die Jungen können tun, was sie
wollen.»> Heute
vergöttern Mütter und Väter sanfte Jungen und
selbstbewusste Mädchen, aber in
Büchern goutiert man durchaus alte Klischees (was sich am Erfolg
der
Harry-Potter-Serie zeigt: Hermine fällt beim Anblick eines Trolls
fast in
Ohnmacht, Harry !und seine Kumpels dagegen verprügeln ihn mit
einem Stahlrohr}.
Schon bevor Jungen und Mädchen ihren ersten Satz von sich S 179
ten Mädchen
lieber mit Puppen, die meisten Jungen mit Auto
Ein Jahr
später ist bei fast
allen das
Bewusstsein der Geschlechtszugehörigkeit fest verankert. Ungefahr
mit fünf
Jahren haben Jungen sich mit der traurigen Wahrheit abgefunden, dass
sie immer
in ihrem jetzigen Zustand bleiben werden, und nun werden sie so
sexistisch wie der
unaufgeklärteste Erwachsene. Ihre Spiele haben mit handfesten
Gegenständen zu
tun, ihre Schwestern dagegen leben stärker im emotionalen
Universum. Jungen
spielen zehnmal häufiger mit Jungen als mit Mädchen; sie
bevorzugen größere
Gruppen, rauere Beschäftigungen und den Aufenthalt im Freien. Ihre
Spiele
dauern länger, weil sie sich um die Regeln streiten, und wenn man
sie zwingt,
dabei mit einem Mädchen zu sprechen, geht es schon bald um die
dringende
Notwendigkeit, einer anderen Beschäftigung nachzugehen.
S. 280
Das
Geschlecht dürfte also den Schädelinhalt durchaus
beeinflussen, aber es hat
dabei eine schlechte Presse. Der männliche Geist reagiert
über eine lange Kette
innerer und äußerer Ereignisse auf seinen mächtigen
kleinen Schalter, das
SRY-Gen. Manche seiner Hervorbringungen sind alles andere als
attraktiv.
Verbrechen zum Beispiel sind für eine Hälfte der
Bevölkerung ein Hobby. Ein
Mann wird mit zehnmal größerer Wahrscheinlichkeit zum
Mörder -und um die Gleichung
auszubalancieren: fünfmal häufiger zum Mordopfer –als eine
Frau. Und das alles
ist nicht nur eine Folge der Zivilisation: In einem Stamm der
südamerikanischen
Ureinwohner hat fast jeder zweite Mann schon einmal einen anderen Mann
umgebracht, während die Frauen so gut wie nie aggressiv werden.
S. 285
Gegen Ende des
letzten Jahrtausends bekamen
die Männer plÖtzlich Magendrücken. Es wurde bekannt,
dass ihre Dienste
überflüssig waren: Das Klonschaf Dolly war da -und es war
ohne männliche Mitwirkung
entstanden. Dollyerinnerte die Hälfte der Bevölkerung daran,
in was für einer
heiklen Position sie sich befindet. Vielleicht, so die
Befürchtung, kehrt die
Natur mit Hilfe der Wissenschaft in ihren ursprünglichen,
weiblichen Zustand zurück,
und die Männer verschwinden von der Bildfläche.
Schließlich ist das Y
-Chromosom nur der Überrest einer früher sehr einflussreichen
Struktur, und in ein
paar Millionen Jahren ist es womöglich ganz verschwun.den. Wie
konnten seine
Besitzer sich noch sicher fühlen? Sie haben allen Grund zur Sorge.
Die Männer
welken auch ohne Zutun klonender Wissenschaftler dahin. Ein Mann zu
sein ist, zumindest
in den Industrienationen, schon lange eine Minderheitenposition, aber
die
grausamen Tatsachen von Leben und Tod haben sie noch schwieriger
gemacht. Von
der Spermienzahl bis zur gesellschaftlichen Stellung und von der
Befruchtung
bis zum Tod sind die Träger des Y -Chromosoms im Niedergang
begriffen. Sogar
ihre Stellung in der Gesellschaft, die früher unumstritten war,
wird heute
durch die Fortschritte der weiblichen Seite in Frage gestellt. Die
Flammen des
Prometheus, der das Feuer brachte, sind seit Darwins Zeit
schwächer geworden. Doch
nicht alle Nachrichten sind schlecht. Es gibt auf der Welt ,
vierhundert Milliardäre.
Neun von zehn gehören zum Geschlecht des Prometheus, die
Hälfte hat ihr
Vermögen selbst verdient (und nur eine einzige Frau, die
Gründerin der
Textilkette «Gap», hat ihr Geld nicht geerbt, sondern
selbst erworben). Aber ob
Krösus oder armer Schlucker, alle Männer zahlen für ihre
Privilegien einen
hohen Prei
S. Was früher eine natürliche Überlegenheit zu sein
schien, ist angesichts
einer vielfaltigen Unfähigkeit, mit der modernen Zeit
zurechtzukommen, den Bach
hinuntergegangen. Aus der Sicherheit seiner beherrschenden Stellung
heraus hat
der Homo sapiens die Welt verändert -oft zum Guten: Beide
Geschlechter leben
heute länger, gesünder und vielleicht auch glücklicher
als früher. Die
Säuglingssterblichkeit ist in großen Teilen der Dritten Welt
auf einen Wert
gesunken, wie er in den Industriestaaten um 1970 galt, und die
Lebenserwartung
ist weltweit um ein halbes Jahrzehnt gestiegen. Für die meisten
Menschen ist
das Dasein einfacher als je zuvor, aber diejenigen, die mit einem
geschlechtsbestimmenden Gen ausgestattet sind, haben daran nicht ihren
gerechten Anteil. In schlechten Zeiten stehen Frauen besser da, und in
guten
schwel
S.
296
Für
Menschen, die mit einem y -Chromosom gesegnet sind, ist das Leben von
Anfang an
hart, und es wird im Laufe der Zeit immer härter. Bei der
Befruchtung entstehen
männliche Embryonen in geringer Überzahl {vielleicht weil die
betreffenden
Samenzellen schneller schwimmen können), aber von da an geht es
bergab. Schon
vor der Geburt kommen Männer schlechter zurecht. Deshalb gibt es
mehr weibliche
als männliche Zwillingspaare: Jungen überleben seltener die
belastenden
Bedingungen, wenn sie sich den Mutterleib teilen müssen.
Wächst der Fetus
heran, treten bei ihnen häufiger Gehimschäden und andere
Geburtsfehler auf.
Außerdem können sie -von der Farbenblindheit bis zum
Muskelschwund -ein ganzes
Spektrum von Krankheiten bekommen, die durch defekte Gene auf dem
X-Chromosom
verursacht werden und bei Mädchen in der Regel verborgen bleiben,
bei ihren
Brüdem jedoch stets zu Tage treten. Bei der Geburt sind sie
gegenüber den
Mädchen um fünf Prozent in der Überzahl, und erst nach
einem Monat erreicht ein
Junge den Reifezustand eines neugeborenen Mädchens. Dann setzt der
Niedergang
ein. Bis zum fünfzigsten Lebensjahr ist das Mengenverhältnis
zwischen den
Geschlechtem ziemlich ausgeglichen, aber die britische Königin
schickt an ihre
hundertjähri~gen Geschlechtsgenossinnen rund neunmal so viele
GlÜckwunschtelegramme wie an ebenso alte Männer. Vom
mittleren Alter an leben
wir in einer Welt der Frauen. Eine derart große Kluft zwischen
Männem und
Frauen ist ein recht neues Phänomen (glaubt man schwedischen
Aufzeichnungen aus
dem 18. Jahrhundert, als die Lebenserwartung halb so hoch war wie
he~te,
schnitten Frauen allerdings schon damals geringfügig besser ab).
Noch vor
hundert Jahren starben Männer und ihre Ehefrauen in den
Vereinigten Staaten
fast im gleichen Alter. Und selbst Mitte des 20. Jahrhunderts blieb
sowohl
Frauen als auch Männem, die das Pensionsalter erreichten,
durchschnittlich ein
gutes Jahrzehnt zum Ausruhen. Amerikanerinnen, die heute geboren
werden, können
mit acht Jahren mehr rechnen als Amerikaner, und in England lebt ein
Mann
statistisch gesehen dreiundsiebzig Jahre, seine Partnerin dagegen
einundachtzig. Teilweise ist die Verschiebung darauf
zurückzuführen, dass eine
Seite durch ungefährlichere Entbindungen -in Viktorianischer Zeit
die häufigste
Ursache eines frühen Todes, inzwischen allerdings ist die
Sterblichkeitsquote
dabei äußerst niedrig -hinzugewonnen hat, ein
größerer Anteil ist allerdings
mit den angeborenen Schwächen der Männer und ihrer
hartnäckigen Weigerung zu
erklären, sie zur Kenntnis zu nehmen. Warum ergeht es Menschen mit
dem
tödlichen Gen so schlecht?
S.
298
Weibchen
(bei Pottwalen macht der Unterschied dreißig Jahre aus), ein
Indiz dafür, wie
wichtig die Körperchemie ist -ihrer unmittelbaren Wirkungen wegen
und weil sie
Wut und Wollust steuert. Das Testosteron ist ein Kennzeichen mehrerer
ausgetretener Pfade, die in den Untergang führen. Bei jungen
Männern ist Selbstmord
heute die verbreitetste Todesursache -Söhne sind davon dreimal
stärker
gefährdet als Töchter. Seine Häufigkeit hat sich bei
Jungen seit den siebziger
Jahren des 20. Jahrhunderts verdoppelt, bei Mädchen ist sie nahezu
gleich
geblieben. Andere unnatürliche Todesursachen von Unfällen bis
zum Mord gehen
zurück, aber auch hier hinkt die männliche Seite hinterher,
und Jungen kommen
durch einen Unfall zweimal so oft um wie Mädchen. Der Unterschied
ist schon bei
Vierjährigen beachtlich.
S. 300
In den
Vereinigten Staaten hatte jede
Generation seit dem Bürgerkrieg {mit Ausnahme der
«Baby-Boomer» nach dem
Zweiten Weltkrieg) weniger Kinder als die vorherige, und 1990 waren
kinderlose
Haushalte gegenüber denen mit Nachwuchs erstmals in der
Überzahl. Vor dem gleichen
Problem steht die gesamte westliche Welt. Die Presse ist voller
Gerüchte über
den Schwund der Manneskraft. Vielleicht leidet nicht nur der ganze Mann
unter
den Belastungen des modernen Lebens, sondern auch seine unentbehrlichen
Körperteile.
Im Jahr 1950 lag die durchschnittliche Spermienzahl bei Männern,
die bereits
mindestens ein Kind hatten und demnach bekanntermaßen
fruchtbarwaren, bei 100
Millionen Samenzellen je Milliliter. Das Jahr 1974 brachte einen
Schock: Die
Zahl hatte sich um die Hälfte reduziert; nur jeder zwanzigste Mann
erreichte
den früheren Wert. Sofort folgte eine ganze Reihe von
Übersichtsuntersuchungen
-mit gemischten Ergebnissen: Bei den Schotten war die Zahl von den
fünfziger
bis in die siebziger Jahren jährlich gesunken, bei ihren
englischen
Geschlechtsgenossen hatte die Schwimmfähigkeit der Zellen
nachgelassen, und in
Dänemark fand man einen größeren Anteil
geschädigter Spermien. Das ohnehin
bereits gut ausgestattete Finnland dagegen konnte in Zahl und
Qualität der
Zellen mit einer echten Verbesserung aufwarten. Eine neuere weltweite
Studie
mit einigen tausend Freiwilligen lässt darauf schließen,
dass die Zahl von über
100 Millionen Samenzellen im Jahr 1940 ein halbes Jahrhundert
später auf nur 66
Millionen zurückgegangen war. Wenn es so weitergeht, werden die
Bewohner der
Industrieländer bis zum Ende unseres Jahrhunderts gar keine
Samenzellen mehr produzieren.
S.
305
Die Arbeiten
werden fortgesetzt und dürften
echte Veränderungen der männlichen Qualitäten ans Licht
bringen. Was dabei auch
herauskommen mag, es bleibt die beunruhigende Tatsache, dass die
Schwankung der
Zahlen parallel zu andereil Fortpflanzungsproblemen verläuft.
Hodenhochstand,
Prostatakrebs und Penisfehlbildungen -all das ist heute verbreiteter
als
früher, und die Häufigkeit von Hodenkrebs hat sich in den
westlichen Ländern
während der letzten zwanzig Jahre verdoppelt. Die Dänen haben
in ganz Europa
die niedrigste Spermienzahl, und jeder hQlldertste Mann in
Dänemark Ibekommt
die Krankheit. Der Hodenkrebs beginnt schon vor der Geburt und geht von
einem
Fehler in derjenigen Zelllinie aus, die zu den Samenzellen führt.
Vielleicht
gibt es tatsächlich eine globale Krise, und die Probleme sind
Symptome eines
neuen Übel
S. J Seine Ursache könnte darin liegen, dass die beiden
großen MotoS 307 Doch
den Samenzellen drohen noch andere Gefahren: In den
Industrieländern gibt es in
jedem Haushalt Tausende von kÜnstlichen Substanzen -sie stecken in
Kunststoff,
Farben, Pestiziden, Putzmitteln, Waschpulver und vielem anderen. Die
meisten
sind ungefährlich, aber manche haben eigene sexuelle Vorlieben.
Chemiker sind
meist Männer, ihre Produkte allerdings haben die Welt
verweiblicht. Vor vierzig
Jahren tauchten in europäischen Seen und Flüssen die ersten
Fischzwitter auf.
Im Fluss Aire in Yorkshire zeigten alle Männchen deutliche
Anzeichen für das
Bestreben, die Identität zu wechseln, und ähnliche Effekte
beobachtete man in fast
allen anderen Flüssen der Region unterhalb von Kläranlagen.
Später verbreitete
sich die Zweideutigkeit wie eine Pest in den Vereinigten Staaten.
Alligatoren
im Lake Apopka in Florida hatten auf einmal einen sehr kleinen Penis,
Möwenweibchen versuchten einander zu begatten, und so weit sich
das feststellen
ließ, ging sogar die Spermienzahl bei Panthern geringfügig
zurück. In Japan
produzierten die Männchen mancher Meeresfische plötzlich
neben Samenzellen auch
Eizellen. Im Meer rund um Großbritannien dagegen waren weibliche
Netzreusenschnecken mit einem Phallus ausgestattet.
S. 309
Die Pille hat das
Leben der Männer in
mehrfacher Hinsicht verändert. Sie war die Ursache, dass
Fortpflanzungshormone
ins Trinkwasser gelangten, und wurde sowohl für die
Geschlechtsumwandlung der
Süßwasserfische als auch für den Rückgang der
Spermienzahl bei uns selbst
verantwortlich gemacht. Ein endgültiges Urteil steht bisher noch
aus, der
Einsatz anderer Hormone jedoch hatte mit Sicherheit katastrophale
Folgen.
Früher glaubte man fälschlicherweise, ein Wirkstoff namens
Diethystilböstrol könne
Fehlgeburten verhindern. Fünf Millionen Mütter nahmen ihn
ein, und eine Zeit
lang wurde er sogar als Zusatzstoff im Hühnerfutter verwendet. Ein
Drittel der
Jungen, die im Mutterleib mit der Substanz in Kontakt kamen, litten
später an
Hodenschrumpfung und einem verkleinerten Peni
S. Bei Ratten ruft die Verbindung Prostataund Hodenkrebs hervor (bei
Menschen
gibt es dafür bisher keine Anhaltspunkte).
S. 310
Wie auch die
Wahrheit über die biologische
Verweiblichung aussehen mag, die Männlichkeit ist auf einem
schnellen Rückzug.
Die Krise kommt nicht von außen, sondern von innen: Ihre Ursache
ist der starke
Verlust an Selbstvertrauen, der sich auf der ganzen Welt bemerkbar
macht. Adlai
Stevenson, der den Absolventinnen des Smith College (einer
Universität für
Frauen in Massachusetts} 1955 riet, sie sollten ihr Leben dem Bestreben
widmen,
ihren Mann und ihre Söhne «durch die bescheidene Rolle als
Hausfrau zu
beeinflussem>, würde beute ausgebuht. Wer zu jener Zeit
Magazine wie
COSmopolitan las, konnte sich an den Bildern von Models ergötzen.
Etwa ein
Fünftel der Frauen war in einem gewissen Maß entkleidet,
aber entsprechend den
damaligen Wertvorstellungen hatte nur jedes dreißigste
männliche Model
wenigstens ein einziges Kleidungsstück abgelegt. Heutzutage
stellen doppelt so
viele Männer wie Frauen ihr nacktes Fleisch zur Erbauung der
Leserinnen zur
Schau. Die New Economy legt die Schwachpunkte des Mannes auf andere
Weise bloß.
So betrachtet, ist die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts mit ihrer
größeren
Gleichberechtigung die Rückkehr in ein längst verloren
geglaubtes
feministisches Utopia. S 313 Männlichkeit und Abenteuerlust
verloren haben.»
Der Erfolg des Bestsellers Eisenhans von Robert B I y in den neunziger
Jahren
mit seinen Forderungen nach göttlicher Energie, männlicher
Größe, nach dem
Feuchten, Sumpfigen, Wilden und Ungezähmten (und den recht
kostspieligen
Wilder-Mann-Wochenenden) lässt darauf schließen, dass der
Kreislauf der
Selbstgeißelung sich fortsetzt. Aber wenn sie sich au~h
geißeln mögen, so haben
die meisten Männer fast ein Jahrhundert nach Roosevelt doch
erkannt, dass ihre Versuche,
der urwüchsigen Vergangenheit gerecht zu werden, zu
gesellschaftlichen und
politischen Katastrophen geführt haben, die eine Welt mit
Massenvernichtungswaffen sich nicht mehr leisten kann. Unkriegerische
Bequemlichkeit scheint heute ein natürlicherer Zustand zu sein als
eine
irgendwie angeborene, schicksalhafte, primitive Überlegenheit. .
Der Mensch im
Allgemeinen (oder, wie französische WÖrterbücher sagen:
Ramme -terme generique
qui ernbrasse ta femme) stammt natürlich von anderen Primaten ab
-das hat
Darwin als Erster bewiesen. Seit jener Zeit hat die Wissenschaft uns
gezeigt, dass
Männer die Produkte ihrer Y-Chromosomen sind; aber diese
Entdeckung bedeutet
weniger, als man oft annimmt. Noch vor nicht allzu langer Zeit schien
die
biologische Grundlage des männlichen Zustands eine ebenso fest
gefügte Wahrheit
zu sein wie unsere Abstammung von den Mfen, aber -das, so hoffe ich,
hat dieses
Buch deutlich gemacht -die Gene müssen sich häufig der
S. 318
Wenn Charles
Darwin heute zurückkehren würde,
wäre er begeistert, dass seine Gedanken über den Ursprung
unserer Spezies sich
bestätigt haben, aber das Schicksal seiner Ansichten über die
Männer würde ihm
sicher weniger gefallen. In den kurzen eineinhalb Jahrhunderten seit
seiner
großen Erkenntnis ist die Welt nicht \ stehen geblieben.
Geschlechtsunterschiede sind im Zuge des gesellschaftlichen Wandels
immer
unwichtiger geworden. Wir befinden uns mitten in einer Aufschwungphase
für die
Frauen mit einem entsprechenden Abstieg der Männer. Teilweise kann
dieses
Geschlecht sein Verhalten vielleicht ändem, um damit dem irn
Y-Chromosorn
verschlüsselten Schicksal zu entgehen. Bisher erkennt man aber
kaum Anzeichen,
dass es sich überhaupt mit dem Problem auseinander setzt. Selbst
der Tod weiB nicht,
für welche Möglichkeit er sich entscheiden soll. Das Sterben
war für
Shakespeares Antonius weiblich ( «Nun will. ich sein / Ein
Bräutigam dem Tod
und zu ihm eilen / Wie zu der Liebsten Bett»), für Harnlet
dagegen ist das Ende
«der grause Scherge Tod» -ein Mann. Die letzten Worte des
heiligen Franziskus
waren «Willkommen, Schwester Tod», aber der Sensenmann
selbst trägt meistens Hosen.
Ein Jahrhundert der Fortschritte seit der Abstammung des Menschen hat
dem Tod
einen Penis verliehen, und den Männem hat es tröstlicherweise
eine Antwort auf
die Frage gegeben, warum dieses Organ so gefährlich ist. Wie sie
mit dem
Problem umgehen, ist eine ganz andere Frage, und die hat -wie so vieles
irn
Leben der Menschen mit Wissenschaft kaum etwas zu tun.
S.319
<== ZURÜCK
Auszug
aus dem Essay
Das
Dritte Zeitalter der
Menschheit
Vorwort
Von
der Gegenwart aus in
die Zukunft zu schauen, ist immer wie vor einer Wegverzweigung zu
stehen. Der
Weg aus der Vergangenheit fächert sich mit Überschreiten der
Gegenwart sofort
auf in ein ganzes Spektrum unterschiedlich wahrscheinlicher
Wege in die
Zukunft. Szenarien dafür sind viele denkbar und je weiter
dieser Blick der
Gegenwart voraus geht, desto unbestimmter werden die
Schlussfolgerungen
daraus.
In dem Essay “Das Dritte
Zeitalter der Menschheit“ wird der Blick nicht nach vorn in eine
ungewisse
Zukunft gewagt. Die Richtung der Betrachtung wendet sich aus einer
fiktiven
Zukunft zurück auf die Gegenwart und Vergangenheit. Da
gibt es keine
Wegverzweigungen in eine Vielzahl von Vergangenheiten mit
unterschiedlicher
Wahrscheinlichkeit.
In einem finalen
Szenarium in einer zeitlich unbestimmten Zukunft gerät die
Menschheit an den
Rand ihrer Existenz. Es sind keine möglichen äußeren
Einflüsse, wie Kometeneinschläge
oder eine Pandemie, die zu dieser fiktiven Krise der Menschheit
geführt haben,
es sind vielleicht sogar nur gut gemeinte Entwicklungen, die aber in
ihrem
komplexen Zusammenwirken nicht mehr aufhaltbar waren.
Ergänzend dazu wird in
dem Essay “Warum der Kampf-Sport immer den nächsten Krieg
vorbereitet“ ein
Problem aus der fiktiven Menschheitsgeschichte mit der Lupe näher
betrachtet.
Entstanden sind diese
dystopischen Essays aus dem Konzept zu einem Roman, das tausend
Jahre nach
einer existentiellen Krise der Menschheit zu einer neuen,
andersartigen Entwicklung
der Menschen führt.
Evolution
zur Apokalypse?
Seit
wann ist es wichtig zu wissen, wie die Geschichte wirklich war?
Interessant ist
doch nur, wie uns die Vergangenheit helfen kann, unsere Ziele in
der Zukunft
zu erreichen. (Verfasser unbekannt)
Der
lange Weg der Menschen aus dem Tierreich hat einige
Fakten geschaffen, die irgendwann einmal dazu führen können,
einen final
stabilen oder katastrophalen Abschluss zu finden.
Ein
katastrophaler Abschluss der Evolution der
Menschheit und deren Untergang werden im Laufe der Zeit immer
wahrscheinlicher.
Warum sollte die Art “Mensch“ nicht auch eines Tages aussterben wie so
viele
andere Tierarten?
Auch
die Entwicklung einer menschlichen Kultur
bietet keinen Schutz vor einer Apokalypse. Die Kultur, gemessen am
immer größer
werdenden Abstand zur Natur, bietet hierfür noch besondere
Risiken, die diese
Wahrscheinlichkeit der totalen Vernichtung der Art Mensch
drastisch erhöht. Die
Abhängigkeit der Menschheit von ihren tech-nischen Artefakten
nimmt
Dimensionen an, die ein Überleben in der Natur für die
gesamte Menschheit sehr
unwahrscheinlich machen. Ein Wegfall all dieser
Kulturprodukte würde einem
verschwindenden Rest der Menschheit in abgelegenen Gegenden
vielleicht eine
geringe Überlebenschance auf dem Niveau der
Steinzeitmenschen ermöglichen.
Diese Menschen müssten aber heute noch eingeübt
sein in eine
Subsistenzwirtschaft, die sie den absoluten Verlust der Kultur
ersetzen lässt.
Die
Atomtechnik und die damit einhergehenden
Risiken sind ein Produkt der menschlichen Kultur und von einem
ähnlichen
Potential der Vernichtung, wie es nur ein Zusammenstoß der
Erde mit einem
Kometen oder Asteroiden hervorbringen kann. Die Nutzung dieser
technischen
Artefakte ist an ein Mindestmaß an
wissenschaftlich-tech-nischem Verständnis
in der Gesellschaft geknüpft.
Verlieren
große Teile der Menschen dieses
Verständnis und die Motivation für die Entwicklung von
Technik und Wissenschaft,
vielleicht weil sie von Religionen und ihren Heilsversprechungen
mehr
erwarten, dann wird ein Niedergang der menschlichen Kultur sehr
wahrscheinlich. Viele Religionen neigen zu apokalyptischen
Erwartungen. Sie wünschen
die Errichtung eines Gottesstaates und als Voraussetzung
dafür muss die
bestehende Welt in einem apokalyptischen Inferno transformiert
werden. Der Neubeginn
startet nach einem verheerenden Kampf des „Guten gegen das Böse“,
falls danach
ein Neustart überhaupt noch möglich ist.
Dass
die Menschen im Laufe der Evolution die
Fähigkeit der Reflektion, Modellbildung und Sinngebung ihres Tuns
erlangt
haben, ist noch keine Garantie für eine stabile Entwicklung.
Exponentielle, asymptotische
und lineare Entwicklungen über längere Zeiträume
sind in der Natur nicht sehr
häufig. Dagegen neigen viele Prozesse zu zyklischem Verhalten.
Vielleicht liegt
es daran, dass unsere Evolution schon
Milliarden von Jahren in ein streng rhythmisches planetares System
eingebettet
ist.
Nach
den gegenwärtigen Erkenntnissen kann man davon
ausgehen, dass ein Untergang der Menschheit noch vor dem physischen
Ende des
Weltalls, vor dem Ende jeder Zeit passieren wird, vorausgesetzt, wir
lassen
eine wie auch immer geartete Ewigkeit göttlichen Ursprungs
außen vor.
Die
Frage ist also nicht: Gibt es ein Ende der
Menschen? Sondern die relevante Frage ist: Wie lange kann das Ende der
Menschheit hinausgeschoben werden?
Wann
der stabile oder der chaotische Endpunkt
erreicht sein wird, kann nur der Laplacesche Dämon voraussagen,
den es ja bekanntermaßen
nicht gibt und auch nicht geben kann. Doch dass es ein Ende in der
einen oder
anderen Art geben wird, steht zweifelsfrei fest.
Ob
das hier beschriebene Dritte Zeitalter der
Menschheit, ein final stabiles sein wird oder wieder nur in eine
Überganszeit
zu einem neuen, vierten Zeitalter mündet – wir wissen es noch
nicht. Wir wissen
aber, dass es ein gewisses Potenzial für eine lang andauernde
Stabilität in
sich birgt und das ist doch schon einmal recht tröstlich.
Das
Erste
Zeitalter
So
wie es in einem genügend großen Ozean hin und
wieder vorkommt, dass sich eine sehr große Welle durch
Überlagerungen sehr
vieler kleiner Wellen bildet, haben sehr viele Überlagerungen von
notwendigen
Bedingungen dazu geführt, dass in diesem winzigen Raumbereiches
des Weltalls,
den unser Planet ausfüllt, das Leben entstehen konnte.
Wir
Menschen sind dann schon der zweite, höchst
unwahrscheinliche
Peak in einem wabbelnden Ozean von Lebewesen, die diesen Planeten
Erde beleben.
Warum
eine spezielle Art von Affen nicht über Jahrtausende Affen
geblieben sind, ist
wahrscheinlich einem Zufall geschuldet.
Irgendeiner
dieser Affen hat beobachtet, dass ein harter Gegenstand (Stein) einem
Tierkadaver die Knochen zerschlagen kann. Und was damit
seiner ständigen
Fresslust geboten wurde, war das energiereiche Nervengewebe und die
Gehirnmasse. Offensichtlich blieb diese Beobachtung keine Eintagsfliege
und
diese Nische der Evolution mit der hochenergetischen Nahrung wurde
an die
nächsten Generationen weitergegeben. Das
Schädeleinschlagen eines Opfers, um
an sein Gehirn zu kommen, war in späteren Zeiten eine Domäne
der männlichen Hälfte
der Menschheit. Aber auch das ist nicht gesichert und kann ein Trugbild
sein,
das dem Nebel der Vergangenheit geschuldet ist.
Lassen
wir das erste Zeitalter beginnen mit der
deutlichen Herauslösung der noch affenähnlichen Menschen aus
dem Tierreich. Die
Benutzung von primitiven Werkzeugen und später des Feuers sind die
markanten
Veränderungen dieser Frühmenschen. Ab diesem
Zeitabschnitt beginnt für die
Evolution eine neue Qualität. Sie ist nicht mehr blind tastend bei
ihrer Suche
nach Nischen des Lebens. Sie schafft diese Lebensräume jetzt
selbst.
Doch
schon stößt sie an ihre erste Grenze. Die neue
Qualität des Menschen in der Evolution ist erfolgreich, schnell
gewinnt er
eine Überlegenheit und wird zum gefährlichsten
Raubtier. Er setzt sich an die
Spitze der Nahrungskette und breitet sich ungehemmt aus. Das
gelingt natürlich
auch anderen Lebewesen. Bakterien und Viren können sich auch
soweit ausbreiten,
dass sie sich selbst die Grundlage ihrer Existenz nehmen. Sie breiten
sich in
einem Wirtskörper aus, bis dieser zugrunde geht. Für die
erste Expansionswelle
der Menschen war dieser “Wirtskörper“ der Bestand an jagdbaren
Tieren.
Plötzlich waren nicht mehr genügend Tiere da, die für
die Existenzsicherung benötigt
wurden. Vielleicht haben auch Klimaveränderungen einen
Beitrag zu dieser
Katastrophe geliefert. Wäre diese erste Grenze der Ausbreitung
nicht gekommen,
was wiederum sehr unwahrscheinlich ist, dann hätte die
Evolution die nächste
Stufe nicht erreicht und die Menschen würden heute noch als
Jäger und Sammler
die Erde mitbevölkern. Tiere und Pflanzen mussten jetzt
domestiziert und gezüchtet
werden. Das was in der Natur blind und langsam erfolgte, das Anpassen
an neue
Umweltbedingungen, er-folgte jetzt viel schneller durch gezielte
Selektion der
Pflanzen und Tiere.
Die
Menschen wurden zur Sesshaftigkeit gezwungen.
Das alte Jagen und Sammeln musste ergänzt werden durch das
bequemere
Domestizieren und Züchten. In Tausenden von Jahren wurden im
Menschen selbst
Fähigkeiten selektiert, die vor allem das Gehirn betrafen.
Eine neue Fähigkeit
kam hinzu, die Raumzeit. Das Muster von Aktion und Reaktion breitete
sich über
immer größere Zeitabschnitte aus. Wer Saatgut ein Jahr
aufbewahrte, der hatte
eine Vorstellung davon, dass es ihm einen Vorteil brachte.
Kein
einzelner Mensch konnte Ackerbau, Viehzucht,
Jagd betreiben und Werkzeuge gleichzeitig herstellen. Das
Zusammenwirken in
einer Sippe hatte ja schon in der vorhergehenden Epoche so
erfolgreich
funktioniert, dass der Mensch sogar den ihn an Stärke weit
übertreffenden großen
Raubtieren überlegen war. Die Polarisierung in männlich
und weiblich brachte
auch immer mehr Vorteile. Die männlichen Mitglieder einer
Sippe
spezialisierten sich auf den Außenraum, die weiblichen
stärker auf den Innenraum. Der
Außenraum wurde bestimmt durch Feinde und
jagdbares Wild, das immer den physischen Kampf um Leben und Tod
beinhaltete.
Der Innenraum war ein Rückzugsraum, hier musste das neue
Leben geschützt und
bewahrt werden. Feindseligkeiten konnten sich nur in einer
nichtphysischen
Ebene ausbilden, sollte nicht die Existenz der gesamten Sippe in Frage
gestellt
werden.
Die
universalistische Art Mensch, verbunden mit der
Fähigkeit der Differenzierung seiner Tätigkeit, hatte nur
eine Chance im
Überlebenskampf als Sippe, wenn Erfahrungen an die
nächste Generation
weitergegeben werden konnten. Das waren in erster Linie weibliche
Mitglieder
der Gesellschaft, da sie für ein gewisses Kontinuum
garantieren konnten und
im Allgemeinen eine höhere Lebenserwartung besaßen. Sie
waren es, die zuletzt
übrig blieben, wenn die männlichen Mitglieder bei der Jagd
oder im Kampf mit
Nachbarsippen alle umgekommen waren. Die siegreichen Nachbarsippen
nahmen sie
meistens auf, wenn auch nicht immer gleichberechtigt.
In
schriftlichen Überlieferungen der späten
Bronzezeit, zum Beispiel der Bibel, finden sich nicht selten Aussagen
darüber,
das bei der Eroberung eines fremden Stammes oder einer anderen Sippe
alle
männlichen Mitglieder, auch die männlichen Kinder,
getötet wurden. Frauen und
Mädchen stellten das wertvollste Beutegut dar, waren sie
es doch, die jetzt
zusätzlich Kinder gebären konnten und damit einen
Machtzuwachs darstellten.
Die
anfänglichen Menschenhorden unterschieden sich
in dieser Beziehung kaum von den auf Pflanzenkost spezialisierten
Herdentieren. Muskulöse und aggressive, auf Kampf spezialisierte
Alpha-Männchen
gaben eine gewisse Garantie für die Erhaltung der Art im
Überlebenskampf aller
gegen alle ab.
Raubtiere
nahmen meist eine andere, androgynere Entwicklung.
Das ergab sich zwangsläufig. Im Phänotyp sind ein Tiger und
eine Tigerin vom
ungeübten Auge kaum zu unterscheiden. Wer an der Spitze der
Nahrungskette im
Tierreich steht, hat keine sichtbaren Feinde. Die Aufspaltung
in Beschützer
vor äußeren Feinden und Konkurrenten und Bewahrer des
Nachwuchses und der
inneren Ordnung entfällt.
Wer
von beiden ist gefährlicher, ein Tiger oder
eine Tigerin, ein Bär oder eine Bärin? Diese Frage
erübrigt sich meistens oder
wird sogar zugunsten des weiblichen Partners beantwortet
werden, wenn es gilt,
Junge aufzuziehen.
Nicht
so beim Menschen. Er steht an der absoluten
Spitze. Die Differenzierung in starke Männchen und
gebärfreudige Weibchen, eine
Differenzierung auch der pflanzenfressenden Herdentiere, wird
zu einem der
Probleme späterer Zeitalter. Das Rollenverhalten zwischen
Männern und Frauen
ist nur für einen Abschnitt der Evolution von Vorteil.
Zentrale
Figur dieses 1. Zeitalters ist “Die große
Gebärende“, die auf Grund ihres Wissens und ihres langen
Lebens eine Garantin
für den Fortbestand der Art und ihrer Erfahrungen bildete. Not und
Mangelsituationen und ihre Bewältigung schafften diese
überlebenswichtigen
Erfahrungen. Die wenigen, die so alt wurden, waren schon auf
Grund ihrer
Seltenheit etwas Besonderes.
Das
Ziel war immer die Erhaltung der Sippe und
damit der Art. Das ist der Prägung der vorher stattgefundenen
Evolution aus
dem Tierreich zu verdanken. Dabei darf nicht vergessen werden, dass
sich solche
sozialen Tugenden wie Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft
stets auf die
engsten Verwandten und die eigene Sippe bezogen. Menschen, die nicht
zum
Innenraum gehörten, wurden fast immer als Feinde auf Leben und Tod
angesehen.
Diese unausgesprochene Beschränkung ethischer Werte auf die
eigene Gruppe wird
in späteren Zeitaltern eine apokalyptische Dimension
annehmen.
Die
Evolution mit ihren Komponenten Selektion und
Mutation verfolgt kein höheres Ziel, sie folgt keinem
höheren Sinn, aber was
entsteht, ist durchaus in letzter Instanz sinnvoll zu nennen.
Nicht
unerwähnt sollte an dieser Stelle sein, dass
die Insekten eine weit ältere Tradition im Überleben haben
und ein Konkurrenzmodell
zur menschlichen Gemeinschaft entwickelten: das Erfolgsmodell
Insektenstaat.
In
dieser Epoche ist die Geburt von Mädchen
wichtiger als die von Jungen. Jungen und junge Männer werden
geopfert in
Notsituationen und daraus abgeleiteten naturmystischen Ritualen. Hier
finden
wir vielleicht eine Ursache dafür, dass in späteren Zeiten
immer noch Menschenopfer
dargebracht werden, sei es, um Unheil abzuwenden oder ganz
allgemein, um die
Götter günstig zu stimmen.
Solche
Notsituationen waren gegeben, wenn eine
Bedrohung von außen erfolgte. Männer müssen
sich für die Sippe opfern, wenn
ein Konflikt mit der Nachbarsippe um ein Jagdgebiet, um Weideland oder
um
fruchtbares Ackerland besteht. Nur der im Kampf Stärkere kann da
überleben. Das
ist natürlich weiterhin im Sinne der Evolution. Wenn (fast) immer
nur der
Stärkere, die stärkere Sippe überlebt, steigen die
Chancen für das Überleben
der ganzen Menschheit.
Die
Männer wissen auch ganz genau, wer sie erwartet:
Der Tod. Umso üppiger und berauschender feiern die
Überlebenden ihren Sieg.
Hier finden wir auch erste Anhaltspunkte für die
Weiterentwicklung einer Unterkategorie
der Intelligenz, die physischer Stärke ebenbürtig ist.
Wie
stellt Mann es an, dass er eine solche tödliche
Auseinandersetzung unbeschadet überlebt? Durchschaut er den
Ritus des
Kampfrausches, in den die Männer erst kommen müssen, damit
sie kämpfen wie
Berserker? Erfreulicherweise sind solche Gene über
längere Zeiträume erhalten
geblieben, wenn auch nicht dominant. Später musste Mann dann
einen Platz auf
dem Feldherrnhügel erobern und das Heldentum anderen
überlassen.
Bedrohungen
von Innen sind vor allem Hunger durch
Nahrungsmangel, Kämpfe um die Vorherrschaft, Krankheiten und
Untergruppenbildung. Vor allem Nahrungsmangel aller Art ist eine
ernste
Bedrohung der Gemeinschaft, sei er durch fehlendes Jagdglück
oder durch Aufzehren
der gesammelten Bestände bedingt. Männliche Kinder sind
Esser, auf die man in
einem gewissen Umfang in solch einem Falle verzichten kann. Wichtig ist
es nur,
die "Gebärfähigkeit der Sippe" zu erhalten und das sind nun
mal die
Frauen und Mädchen.
Das
Schlachten und Aufessen eines männlichen Babys oder Kindes in
solch einer
Notsituation ist ein starker Konflikt und nur über eine "Einsicht
in eine
höhere Notwendigkeit" der betroffenen Mutter beizubringen. Diese
höhere
Notwendigkeit war ja existentiell gegeben und das mystische
Ritual
erleichterte die brutale Handlung.
Der
Erbstrom läuft im Ersten Zeitalter über die
weiblichen Gene: Nur die Mutter erkennt ihr Kind. Die Frau wählt
die Männer in
friedlichen Zeiten aus, mit denen sie Kinder haben will. Die Erfahrung
zum
Überleben, zum Bewahren ist in den “Alten Frauen“ akkumuliert.
Kinder haben
eine größere Überlebenschance, wenn sie den alten
Frauen und, wenn es sie gab,
den alten Männern blind vertrauen. Nur diese konnten die
nächste Generation
warnen vor den existenziell bedrohlichen Gefahren der Umwelt.
„Gehe
nicht zu nahe an das Wasser, dort wohnen
Wassernixen, die dich für immer auf den Grund ziehen!“ solche und
ähnliche
Weisheiten, hier in einer späteren Formulierung, schützten
die kleinen Kinder
vor einem frühen Ende ihres Lebens.
Die
heranwachsenden und noch nicht kampffähigen
Jungen werden zu Sex benutzt bei längerer Abwesenheit der
Männer (Jagd), bei
Verlust durch Kriege mit Rivalen oder rivalisierenden und
siegenden Tieren.
Für das Überleben einer Sippe reichen sehr wenige
Männer aus; theoretisch
genügt ein Mann für eine Überbrückungszeit.
Männer wachsen nach einer
bestimmten Zeit wieder nach. In der Zwischenzeit ist es für die
Frauen zwar
nicht besonders bequem und sie müssen teilweise
Männertätigkeiten verrichten,
was sie in Notsituationen auch können, aber nicht besonders
gerne tun.
Eine
weitreichende Differenzierung in männliche und
weibliche Individuen schafft gegenüber den Mitbewerbern (vor
allem Raubtieren)
einen großen Vorteil.
Der
männliche Jäger ist fixiert auf das zu
erjagende Tier, er muss sich konzentrieren, Mut und
Rücksichtslosigkeit beweisen
und ein Durchsetzungsvermögen gegenüber der Beute und auch
gegenüber seinen
Artgenossen zeigen. Nur so kann er vielleicht Alpha-Männchen
werden. Obwohl
alle die Führung der Horde anstreben, kann es immer nur ein Mann
werden.
Jäger
waren keine Tierschützer, sie waren, mit
unseren Moralvorstellungen gesagt, grausam, rücksichtslos und
aggressiv. Ihr
Verstand war einfach, logisch kausal und räumlich orientiert. Das
reichte
zunächst aus, um auf der Jagd erfolgreich zu sein. Später
dann verschaffte er
sich Vorteile durch probieren und entwickeln von Hilfen zur Jagd:
Stein, Stock,
Speer, Bogen, Steinschleuder…. alles Hilfsmittel, die ihm auch bei der
Besiegung
und Tötung seiner konkurrierenden Artgenossen behilflich
waren. In späteren
Zeiten wurden dann aus diesen Jagdhilfsmitteln Waffen entwickelt, die
nichts
mehr mit der Jagd zu tun hatten und nur der Massenvernichtung der
konkurrierenden
Artgenossen dienten.
Die
Mütter, durch ständiges Kinderkriegen und
Versorgen der kleinen Kinder an der Jagd gehindert, mussten im
Gegenzug
soziale Intelligenz entwickeln, die Sippe erhalten, den sozialen
Frieden
bewahren und ein soziales Geflecht gegenseitiger Hilfe aufbauen.
Sie
waren objektiv an der Ausübung männlicher
Aktivitäten gehindert. Zum Kämpfen mit physischen Waffen nur
wenig geeignet,
waren sie es, denen das Bewahren des erreichten gesellschaftlichen
Zustandes am
Herzen lag.
So
ist es nicht verwunderlich, wenn in den Zeiten,
in denen die Männer länger auf der Jagd waren oder aus
anderen Gründen nicht
bei den Frauen und Kindern sein konnten, die friedvollsten und
glücklichsten
Zustände in der Gemeinschaft der Frauen herrschten.
Kamen
die Männer wieder zurück, dann setzte sich
der Männerkampf fort, der Kampf untereinander um die
Führung, um die Frauen,
der Kampf der Männer gegen die Frauen und Kinder durch Gewalt und
Vergewaltigung. Waren die Männer wieder da, erwachte auch das weit
bescheidenere
Konkurrenzdenken der Frauen untereinander, das Buhlen um die Gunst
der
Männer.
Neben
der Differenzierung der intellektuellen
Fähigkeiten kam es auch zu einer Differenzierung des Körpers.
Ein männlicher
Körper musste den Strapazen und Kraftanforderungen der Jagd
angepasst sein.
Später dann war dieser Körper auch für kraftanstrengende
und gefährliche
Arbeiten geeignet, die dem Aufbau des industriellen Wohlstandes
dienten.
Dieser
Körper war ein reiner Kampfkörper geworden,
der immer kämpfen musste. Auch wenn es nichts zu
bekämpfen gab, musste etwas
gefunden werden, um dieses Bedürfnis befriedigen zu können.
In der
friedvollsten Form waren das Kampfspiele, die später dann
verschleiernd als
Sport bezeichnet wurden. Wer fit blieb, der war besser auf
Kämpfe
vorbereitet.
Ein
weiblicher Körper musste in erster Linie den Männern
gefallen und ein breites Becken besitzen, damit er gebären konnte.
Er musste
auch Durchhaltekraft besitzen, um den Nachwuchs bis zur
Eigenständigkeit zu
bringen. Die höhere Entwicklung des Menschen gegenüber den
Tieren erfordert eine
lange Kindheit und Jugend.
Während
das erste Zeitalter unter einer geistigen
Führerschaft steht, die oft weiblicher, matriarchalischer
Natur ist und noch
keine ausgeprägten Führungshierarchien kennt,
beginnt sich in der Übergangszeit
das Patriarchat zu entwickeln, das
neben der physischen auch die geistige Führerschaft
beansprucht.
Unter
den Männern bilden sich besonders starke
heraus, da es für das Überleben günstiger ist, wenn in
Zeiten der Gefahr die
"Fäden in einer Hand" liegen. Diese Gefahren liefert in immer
stärkerem Maße die eigene Gattung. Gegenüber den
Mitbewerbern aus dem Tierreich
ist der Mensch nun absolut überlegen. Zum größten Feind
des Menschen wird der
Mensch selbst.
Es
besteht jetzt eine Notwendigkeit für ausgeprägte
Führungshierarchien, um durch größere
Menschenmassen eine Überlegenheit zu
erreichen. Die Sippe wird zu einer Untergruppe eines
Volkstammes. Nur diese
sind jetzt erfolgreich im Evolutionsdruck. Es sind
Wahlhierarchien und noch
keine Erbhierarchien.
Führungskräfte
werden gewählt, weil sie physisch
stärker, rücksichtsloser, intriganter und brutaler sind als
andere und sich
damit auch erfolgreich gegen die Konkurrenten durchsetzen
können. So wird die
Wahrscheinlichkeit für das Überleben der eigenen
Sippe, des eigenen Stammes
erhöht.
Das
Zweite Zeitalter
Dieses
Zeitalter beginnt mit der Organisierung von
Stammesverbänden und der Akkumulierung von Macht und
materiellem Besitz. Das
erfordert eine neue Qualität in der Beherrschung der Natur. Die
Technologie der
Werkzeug-, Waren- und Nahrungsmittelherstellung hat einen Stand
erreicht, der
eine Überproduktion in größerem Maßstab
erlaubt. Es werden Waren hergestellt,
die als Tauschobjekte dienen. Erst mit dem Handel der
Überproduktion wird die
Akkumulation von materiellem Besitz und Reichtum möglich.
Dieses
Zeitalter bringt das Patriarchat zur vollen
Blüte. Der Patriarch gründet seine Herrschaft anfangs allein
auf physische Stärke,
Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit
gegenüber
den Mitbewerbern und Feinden, auch gegenüber denen in den eigenen
Reihen. Gütig
und jovial verhält er sich zu seinen Gefolgsleuten aus der eigenen
Sippe und
dem eigenen Stamm.
Das
große Problem der Stammesfürsten, das Altern
und damit der Verlust ihrer physischen Kraft, verbunden mit ihrer
"Abwahl",
wird durch die heterosexuelle Gemeinschaft der Ehe für lange
Zeit gelöst.
Die
alternden "Führerpersönlichkeiten"
sind gefährdet, wenn ihre physische Kraft nachlässt, sie sind
aber statistisch
gesehen weniger gefährdet, wenn ein "persönlicher
Nach-komme" sie
beschützt. Damit das besser funktioniert, muss Macht und Besitz
akkumuliert
werden. Aus den Stammesfürsten werden die Patriarchen, die
ihre Führungsrolle
immer stärker dem Erbstrom verdanken und der damit verbundenen
Akkumulation
von Macht und materiellem Besitz.
Es
entstehen die verschiedenen erblichen
Machtstrukturen und Machthierarchien. Damit ist aber bereits ein
gefährlicher
Keim zur Selbstzerstörung gelegt. Das Erbpatriarchat neigt zur
Erstarrung und
ist an irgendeinem Punkt seiner Entwicklung überfällig.
Besitz und Macht
müssen nicht ständig neu erworben und erkämpft
werden, sie fallen den
Nachfolgern wie reife Früchte in den Schoß.
Das
Patriarchat dehnt seinen Einfluss nicht nur auf
physische Machtbereiche aus. Es gelingt auch die an sich
überlegene soziale
Intelligenz der Frauen durch religiöse Versklavung zu
bändigen. Das übernehmen
Schamanen und später Priester. Die sich entwickelnde Intelligenz
ermöglichte
eine weitere Differenzierung in physisch starke und geistig starke
Alpha-Männchen. Immer blieben es aber Alpha-Männchen. Diese
Differenzierung
ging nicht bis zu einer Polarisierung, sondern zeigt nur die Ausweitung
eines bestehenden
Spektrums an. Klug und stark zu sein waren allemal die besten
Voraussetzungen
für eine erfolgreiche Karriere in der Führungshierarchie. Bis zu einem gewissen Maße konnte
Stärke
durch Klugheit oder Klugheit durch Stärke kompensiert werden.
Zwei
große Machthierarchien teilen sich in die
Beherrschung der menschlichen Rasse:
Die
patriarchalisch weltliche Ordnung gründet sich in
erster Linie auf physische Stärke, rigoroses
Durchsetzungsvermögen, brutale
Gewalt und vielfältige Formen von Aggressivität.
Duckmäusertum, sklavische
Unterwürfigkeit und Kadavergehorsam sind sekundäre
Erscheinungsformen.
Um
diese Form der Machtausübung aufrechtzuerhalten,
müssen beständig neue, gewaltigere und gefährlichere
Waffen entwickelt werden.
Das ist die Geburtsstunde der Technik, speziell der Waffentechnik. "Der
Vater dieser Technik ist der Krieg" ist eine schon seit den
Anfängen
dieses Zeitalters bekannte philosophische Wahrheit. Technik ist eine
rein
männliche Kulturleistung, erfunden zur Ausübung und Erhaltung
der weltlichen
Ordnung.
Die
Beherrschung des Schmiedens von Langschwertern
aus Eisen wirkte sich verheerend für die Völker aus, die noch
mit den weichen
Bronzeschwertern kämpfen mussten, selbst wenn sie eine höher
entwickelte Kunst
und Kultur besaßen. Eine überlegene Waffentechnik zu
besitzen, blieb Jahrhunderte
lang das erste Ziel der patriarchalisch geprägten
Machthierarchien. Kriege zur Expansion der
Macht wurden ständig
geführt, bis das angehäufte Vernichtungspotential eine
solche Qualität erreicht
hatte, dass ein ungehinderter Einsatz die Wahrscheinlichkeit für
den gemeinsamen
Untergang sehr hoch werden ließ. Es konnte keine Sieger und
Besiegten, sondern nur noch
Vernichtung auf beiden
Seiten geben. Lange Zeit herrschte dieses Gleichgewicht des
Schreckens wie ein
Damoklesschwert über der ganzen Menschheit. Es hatte die
apokalyptische Phase
des Zweiten Zeitalters begonnen.
Die
patriarchalisch religiöse Hierarchie gründet
sich auf Glaubensdogmen, und wird genährt durch die (normale)
Angst des Menschen
vor dem Tod und durch die Angst vor strafenden göttlichen (weil
allmächtigen)
transzendenten Gewalten. Diese Dogmen
berufen sich auf eine göttliche Offenbarung. Eine Missachtung
kommt einer
Missachtung der patriarchalischen Autorität gleich. Verbunden
damit ist eine
Selbstimmunisierung gegen jede Kritik.
Sie
nimmt die
Erfahrungen der zuvor herrschenden Naturreligionen geschickt auf. Ab
einer
gewissen Entwicklungsstufe der Menschheit entstanden spezielle Rituale
und
Handlungen für die Kommunikation mit dem Göttlichen,
zunächst noch ohne
priesterliche Vermittler. Die in den Naturreligionen praktizierten
Kontaktaufnahmen wie Fasten, Isolation und Visionen wurden zu
Bestandteilen der
monotheistischen Religionen. Fruchtbarkeitsriten, die sich auf
Jahreszeiten bezogen,
wurden nahezu identisch übernommen.
Die
religiöse Hierarchie
gibt vor, den Schlüssel für eine ewige Glückseligkeit zu
besitzen und sie
verspricht dem Individuum, an dieser Glückseligkeit teilzuhaben,
wenn es sich
unterwirft.
Religion
ist in erster Linie ein Nebenprodukt der
Evolution, das geschickt zum Aufbau einer Machtstruktur genutzt werden
kann,
die nicht vornehmlich auf physischer Stärke aufbaut. Es
verschaffte den
heranwachsenden Menschen, den Kindern und Jugendlichen,
Überlebensvorteile,
wenn sie den älteren Mitgliedern ihre Sippe bedingungslos
vertrauten und
glaubten, was diese über die Gefahren der Umwelt wussten und wie
man mit diesen
Bedrohungen umzugehen hatte.
Deshalb
wurden vor allem schon Kinder religiös
erzogen, weil damit eine bessere Gewähr für den Erhalt der
religiösen
Machtstruktur gegeben war. Kinder können noch nicht entscheiden,
was reale von
eingebildeten Gefahren unterscheidet.
Sie
glauben, weil es sich in im Laufe der Evolution
als ein Überlebensvorteil herausgestellt hat. Sie glauben auch die
religiösen
Dogmen aus dem gleichen Grund. Besonders wenn sie aus einem System von
Bestrafung und Belohnung bestehen.
Gipfelpunkt
dieser irrationalen Indoktrination ist
das Differenzieren von Gut und Böse in Himmel und Hölle, die
Erbsünde und das
symbolischen Tragen von Folterinstrumenten in Form des christlichen
Kreuzes mit
oder ohne Gekreuzigtem.
Zentraler Machtfaktor ist die "Stellvertreter- oder Vermittlerrolle"
der Patriarchen zu "göttlichen" Glaubensprodukten. Zur Absicherung
des geistigen Alpha-Männchens wird ein transzendentes
Alpha-Männchen, ein Gott,
bemüht. Gipfelpunkt dieser Evolution sind die monotheistischen
Religionen.
Es
ist ein individueller personaler Gott, der die
Welt geschaffen hat und außerhalb stehend in sie eingreifen kann.
Gegenüber
dem Polytheismus, der oft auch weibliche
Gottheiten umfasste, ist die monotheistische Religion konsequent auf
einen
"Vatergott" zentriert und damit direktes Abbild der patriarchalischen
Struktur der Gesellschaft.
Die
monotheistischen Religionen waren anfangs oft
in den unteren Schichten und bei den Sklaven verbreitet und dienten
dort als
eine Art Erlösungshoffnung im Jenseits von den konkreten Leiden in
einer
brutalen Sklavenhaltergesellschaft. Die damit verbundene
Gruppensolidarisierung
konnte den gesellschaftlichen Status mildern und das soziale Los
erträglicher
gestalten.
Später
dann, als Staatsreligion, wandelte sich die
monotheistische Religion zu einem starken patriarchalischen
Herrschaftsinstrument.
Falschheit, Lügen, List, Angst vor göttlicher Bestrafung,
religiöser Fanatismus
gegenüber anderen und bedingungslose Abhängigkeit sind die
sekundären
Erscheinungsformen einer Erlösungshoffnung von irdischem Leiden,
von physischem
Tod und ewigen Qualen im Jenseits.
Eine
aus der Religion abgeleitet Ethik bezieht sich
nur auf die Angehörigen des eigenen Glaubens oder wird
missionarisch zur
Gewinnung neuer Anhänger und zum besseren Ansehen der
Glaubensgemeinschaft
eingesetzt. Dabei ist es unerheblich, ob der einzelne Gläubige aus
ehrlichem
Glauben heraus handelt. Für die Entwicklung der Gesellschaft
sind die monotheistischen
Religionen als Gesamtheit von Bedeutung. So wie das Patriarchat auf dem
Prüfstand steht, sollten auch die patriarchalisch monotheistischen
Religionen auf
den Prüfstand kommen.
Beiden
Machthierarchien ist Unterdrückung
("der Anderen") und Expansion der eigenen Macht gemeinsam.
Zusammen
sind sie das Grundübel und der Risikofaktor späterer Zeiten.
Die
beiden Hauptformen der Machthierarchie lassen zunächst
den weiblichen Mitgliedern der Gesellschaft nur eine sekundäre,
"geheime" Machtausübung und Beeinflussung der männlichen
Hierarchien
durch sexuelle Verweigerung, Intrigen und soziale Geflechte
im Untergrund.
Die
mangelnde Bereitschaft zur Weiterentwicklung
ethischer Vorstellungen, vor allem in religiösen
Hierarchien, wirkt sich
nachteilig für die Evolution aus. Es erschwert die Anpassung von
Verhaltensregeln
an neue gesellschaftliche Gegebenheiten, wie sie mit einer
Weiterentwicklung
von Wissenschaft und Technik erforderlich sind. Der
Einflussbereich eines
transzendenten Gottes wird durch die Entwicklung von Wissenschaft
und Technik
immer weiter eingeschränkt. Schließlich beschränkt
sich der Einfluss auf eine
“Zeit“ vor der Zeit, auf eine Zeit vor dem Beginn der Welt. Das
hält jedoch die
Menge der wahrhaft Gläubigen nicht davon ab, einem Kinderglauben
nachzuhängen
und darin psychische Harmonie zu finden. Glauben lässt im
Gegensatz zu einem
wissenschaftlichen Weltbild keine Falsifizierung, kein
Infragestellen des
Glaubensinhaltes zu.
Viele,
namentlich religiöse Menschen, sind jedoch
praktizierende Atheisten. Deshalb gibt es auch Kämpfe
zwischen den weltlichen
und religiösen Machthierarchien.
Dieses
Zeitalter ermöglicht die Geburt von Kunst
und Technik als einem wesentlichen Faktor zum Erhalt und zur Festigung
der
beiden patriarchalischen Machtstrukturen. Auf dem Höhepunkt dieses
Zeitalters
gibt es praktisch keine weißen Flecke auf der Erdoberfläche
mehr. Die Grundlagenforschung
konzentriert sich mehr auf die Suche nach einer einheitlichen
“Weltformel“. Die
angewandte Forschung weitet sich aus und schafft einen
gigantischen Wohlstand
für einen Teil der Weltbevölkerung. Daraus entstehen nicht zu
lösende
Ungerechtigkeiten, die nach einer immer umfassenderen Organisation,
nach einer
Weltregierung verlangen.
Evolution
bedeutet Veränderung. Komplexe Systeme
versuchen, sich immer in Richtung eines stabilen Zustandes zu
verändern. Ist
ein solcher erreicht, tritt Stagnation ein und die Entwicklung kommt
zum
Stillstand. Ein solcher Zustand kann sehr harmonisch sein und
größere Zeiträume
überdauern. Er könnte sogar praktisch unendlich lange so
bestehen, wenn das
Universum nur aus diesem einen System bestünde.
Komplexe
Systeme bestehen aber meist aus Untersystemen
und konkurrieren mit anderen, ähnlich großen oder
größeren Systemen.
Eine
längere, stabile Phase eines Systems bietet
immer einem anderen, nicht stabilen, dynamischen System
genügend Anreize, sich
so zu verändern, dass es besser wird als der Konkurrent. Meist
wird dabei die
Stabilität zerstört und der Zyklus beginnt von neuem.
Evolution
findet nur statt im ständigen Wechsel
zwischen instabilen und stabilen, zwischen disharmonischen und
harmonischen
Zuständen.
Der
Übergang ins Dritte Zeitalter der Menschheit
bedeutete eine besondere, so noch nicht da gewesene Qualität
an Instabilität
für die menschliche Gesellschaft. Es war eine Transformation in
einen anderen
Zustand.
Das
lag zum einen daran, dass dieses System
"Menschliche Gesellschaft" an ihre Grenzen gestoßen war und zum
anderen daran, dass viel zu lange versucht wurde, Stabilität und
Harmonie aufrecht
zu erhalten. Das ist aber Gift für die Evolution jedes
höheren Systems.
Beide
Umstände vergrößerten die Wahrscheinlichkeit
der totalen Zerstörung. Zuletzt bestand die Stabilität nur
noch als
Gleichgewicht des Schreckens. Zu groß war das
angehäufte Vernichtungspotential.
Es
war verständlich, dass die Menschen aus den
Erfahrungen von zwei zerstörerischen Weltkriegen, in denen es
um die Vorherrschaft
von Untersystemen in der Gesellschaft ging, nun endlich die
"gewaltfreie,
humanistische Gesellschaft" propagierten.
Das
war eine Richtung auf ein neues Etappenziel der
menschlichen Evolution.
Was
die meisten Menschen aber nicht wahrhaben wollten,
war die Tatsache, dass solch eine neue harmonische und stabile
Gesellschaft nur
durch gewaltige Instabilitäten erreicht werden konnte.
Instabilitäten,
Unsicherheiten und Chaos konnten nur entstehen, wenn die bisher
stabilen gesellschaftlichen
Untersysteme radikal in Frage gestellt wurden.
Nur
wenige erkannten anfangs die existentielle Bedeutung
dieser Problematik. Da das System global an Grenzen gestoßen
war, mussten alle
Bereiche der menschlichen Gemeinschaft in Frage gestellt
werden. Es bestand
eine große Gefahr darin, dass versucht wurde, einige Bereiche
davon auszunehmen.
Industrie
– Produktion – Wohlstand
Obwohl
die Gewinnung der Ressourcen an Rohstoffen
und Energie immer uneffizienter wurde, wollte die Mehrheit der Menschen
in den
Industrienationen nicht auf den Wohlstand verzichten.
Die
in Jahrmillionen aufgespeicherten Energien in
Form von organischen Brennstoffen erreichten eskalierend den
Höhepunkt ihrer
Ausbeutung, um dann in den Zustand der Vernutzung zu kommen. Das, was
sich effizient
abbauen ließ, war abgebaut. Die Kohle, das Öl und das Gas
waren zum größten
Teil verbrannt und die Rückstände wieder in der Luft. Die
daraus gewonnene Energie
war zum größeren Teil als Wärmestrahlung in den
Weltraum entwichen.
Die
Hoffnung, man könne mit alternativen Energien
wie Sonnen-, Wasser-, Erd-, und Windkraft den Wohlstand für alle
erhalten,
erwies sich als fataler Trugschluss. Allein die Herstellung dieser
Anlagen und
ihre Wartung erforderte selbst so viel Energie, so dass im Ergebnis
sehr wenig
zur freien Verfügung stand. Daran änderte auch eine
Renaissance der Atomkraft
nichts. Die Reserven an Uran waren, wie die fossilen Energieträger
auch, bald
erschöpft. Die Beherrschung der Kernfusion erforderte einen
gewaltigen
technologischen und materiellen Aufwand, für den gegen Ende des
Zweiten
Zeitalters keine Kapazitäten mehr vorhanden waren.
Die
Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und die
restlose Besiedlung und Nutzung der zur Verfügung stehenden
Landmassen machten
solche Fähigkeiten wie Aggressivität,
Rücksichtslosigkeit, Egoismus,
Eroberungs- und Expansionsdrang zu einer Gefahr für den
Fortbestand der Menschheit.
Es gab nichts mehr, was ungestraft und ohne Missbilligung von einzelnen
Interessengruppen, Staaten und Staatenbündnissen erobert
werden konnte, weder
Land noch Menschen.
Die
Ressourcen waren aufgeteilt. Die westlichen
Industrienationen konnten ihren Wohlstand nur aufrechterhalten,
wenn der große
Rest der Weltbevölkerung weiterhin auf einem niedrigen
zivilisatorischen Niveau
gehalten wurde. Doch das stellte sich als eine Illusion heraus. Die
Industrienationen
hatten ja ihren eigenen Totengräber schon geschaffen: die
Globalisierung. Das
Maß der Ungerechtigkeit wurde jetzt im globalen Maßstab
überdeutlich sichtbar.
Weltweiter
Waren-, Finanz- und Nachrichtenverkehr
schufen die Grundlage für neue Begehrlichkeiten und
Teilhabeforderungen der
Benachteiligten am Wohlstand der reichen Industrieländer. Obwohl
sich die
westlich geprägten reichen Länder wie in einer
Wagenburg zu verteidigen suchten,
gelang es doch immer mehr "Zornigen Jungen Männern" aus der
dritten
Welt die Befestigung zu durchbrechen.
Um
diese ständig wachsenden Probleme zu lösen,
wurde in streng vertraulichen Kreisen über die Möglichkeiten
lokaler Kriege
nachgedacht. Mit fingierten Kriegsgründen und
Propagandakampagnen wurden Staaten
zu Terrorstaaten gemacht, die den Weltfrieden gefährdeten.
Sie wurden gleichsam
als Krebsgeschwüre angesehen, die vernichtet werden mussten. Doch
sie
verhielten sich dann tatsächlich wie Krebsgeschwüre
und setzten überall in
den westlichen Industrieländern ihre Metastasen ab.
Die
demografischen Zustände in den
unterentwickelten Ländern waren der Grund dafür, dass die
vielen arbeitslosen
männlichen Jugendlichen zu einem gefährlichen
aggressiven Potenzial anwuchsen.
Diese sozialen Missstände, gepaart mit Heilsversprechungen
und Belohnungen im
Himmel mit einer Schar von Jungfrauen (Warum wurden die
Jungfrauen eigentlich
so hart bestraft?) ergaben eine explosive Mischung für junge
männliche Gotteskrieger.
Die Aussichtslosigkeit vieler von ihnen auf einen Job, um damit eine
Familie zu
gründen und zu erhalten, wurde immer größer.
Selbst
unter Jugendlichen in den westlichen
Industrieländern machte sich eine gefährliche
Endzeitstimmung breit. Niederqualifizierte
Arbeiten wurden immer stärker unterbezahlt. Nur wenige in den
wohlhabenden
Industrienationen wurden durch die Zins- und Inflationspolitik
ohne eigene
Arbeit immer reicher. Diese inneren Spannungen überlagerten sich
mit den
äußeren Spannungen, die aus den Widersprüchen zu den
immer erfolgreicher werdenden
bevölkerungsreichen Ländern entstanden. Der
Pro-Kopf-Verbrauch an Energie
betrug in den wohlhabenden Industrienationen ein Vielfaches
gegenüber dem
Verbrauch in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Ein gerechter
Ausgleich,
mit einem drastischen Wohlstandsverzicht, war nicht konsensfähig.
Die
Kriegsgefahr nahm zu. Eine drohende
Umverteilung des Reichtums und eine Neuaufteilung der verblieben
Rohstoffe und
Energieträger wurde immer wahrscheinlicher. Da halfen auch
keine antiterroristischen
Maßnahmen, die führten nur weiter in eine totale
Überwachung aller und
erzeugten gefährliche Spannungen in der Bevölkerung.
Denn der Grund und die
Basis des so genannten Terrorismus wuchsen weiter und konnten nicht
beseitigt
werden. Dieses Dilemma vergrößerte sich ständig.
Soziale
Strukturen der Gesellschaft
Die
soziale Basis des Zweiten Zeitalters der
Menschheit war die patriarchalisch organisierte Familie als kleinste
Zelle der
Gesellschaft. Sie sorgte lange Zeit für Stabilität und
Wachstum. Auch die
anderen Bereiche der Gesellschaft waren patriarchalisch
hierarchisch
aufgebaut.
Erst
bildeten Könige, Kaiser, Päpste und
Kirchenfürsten, später dann Kanzler, Präsidenten,
Päpste, Religionsführer,
Industrie- und Finanzbosse die Spitzen der Hierarchie.
Als
die Industrie ihre niederqualifizierten Arbeiter
verlor (sie wurden einfach nicht mehr gebraucht), die Kirchen in den
westlichen
Industrieländern leer blieben und die Bürger immer weniger zu
den Wahlen ihrer politischen
Hierarchien gingen, merkte man langsam, dass auch dieser Bereich
auf dem
Prüfstand der Werte stand.
Was
in der patriarchalischen Gesellschaft so gut
funktioniert hatte, begann sich aufzulösen. Das betraf auch
die kleinste Zelle
dieser Gesellschaft, die Familie. Die nicht mehr aufzuhaltende
Befreiung der
Frauen aus den Fesseln der vergangenen Epochen brachte die alten
Familienstrukturen
zur Auflösung. Keine Frau wollte sich mehr als Untertan des Mannes
fühlen.
Wirtschaftliche Unabhängigkeit von dem sich patriarchalisch
verhaltenden Mann
wurde für viele Frauen ein Ziel ihrer Selbstverwirklichung.
Ehegemeinschaften
hatten eine immer geringer werdende Lebensdauer. Es begann
erst langsam in
den westlichen Industriegesellschaften und breitet sich dann immer
schneller
über den Globus aus.
Viele
Familien lösten sich auf, nachdem die Kinder
erwachsen waren. Später lösten sie sich auch viel
früher auf oder wurden gar
nicht erst gebildet. Alleinerziehende Elternteile wurden trotz der
wirtschaftlichen Probleme immer häufiger. Allgemein ging aber die
Geburtenrate
in diesen Ländern zurück. Das war sicher auch sinnvoll, da
die Gesellschaft
sich längerfristig auf ein nachhaltiges Wirtschaften
einstellen musste und das
verlangte einen Rückgang der Bevölkerungsdichte, sollte
es nicht zu katastrophalen
Verteilungskämpfen kommen. Doch dadurch entstanden neue
Spannungen zu den
religiös geprägten und in archaischen
Gesellschaftsstrukturen verbliebenen
Ländern. Diese hatten, bedingt durch die fast totale
Abhängigkeit der Frau vom
Familienoberhaupt, dem Mann, eine höhere Geburtenrate.
Außerdem besaßen diese
Gesellschaften meist einen geringeren Bildungsstand. Die Epoche der
Aufklärung,
die Säkularisation, die Trennung von Staat und Kirche war in
diesen Ländern,
wenn überhaupt, sehr schleppend und unvollständig vonstatten
gegangen.
Mit
grotesken Kampagnen wurde versucht, die alten
Strukturen zu retten. Die Rückbesinnung auf die "Geborgenheit
der Großfamilie
und Sippe" mit alten religiösen Werten sollte die Lösung
bringen und den
Einfluss der Kirchen erhalten. Doch dieser Archaismus funktionierte nur
noch in
bildungs- und internetfernen Schichten der Bevölkerung. Die
heranwachsenden
Generationen, aufgewachsen mit Computer und Handy, und freiem Zugang zu
weltweiten Informationen, geriet immer mehr in Widerspruch zu den
Alten, die
als Entscheidungsträger und konservative Wächter in den
Regierungen und
Expertenkommissionen saßen. Hier baute sich ein enormes
Konfliktpotential auf,
das dann später nicht mehr zu kontrollieren war.
Die
Ehegemeinschaft wurde immer brüchiger und war
nicht mehr überlebensfähig. Sie war unter dem Trend der
geschlechtlichen
Gleichberechtigung nicht mehr länger stabil, sie hatte sich
überholt und wurde
rückständig und später geächtet. Wahre
Gleichberechtigung war nur unter androgynen
Formen möglich. Die Menschen sind aber keine androgynen
Wesen, wie die als edler
empfundenen Raubtiere unter den Tieren. Die Menschen sind viel
stärker den
Herdentieren ähnlich.
Nachdem
Ehescheidungen immer häufiger und kurzfristiger
erfolgten und auch die neuen Eheschließungen immer
enttäuschender wurden,
setzte sich endgültig der Trend zur alleinerziehenden Frau
durch. Der Mann
musste in der Familie seine (physischen) Aggressionen
unterdrücken, was nie
ohne psychische Probleme verlief, während die Frau ihre sozial
sanktionierten,
psychisch dominierten Aggressionen voll ausleben konnte. Getrennte
Wohnungen
milderten das Problem. Die gemeinsamen Zeiten zwischen Männern und
Frauen waren
so auf ein für beide Seiten erträgliches Maß
reduziert. Die Frau bewohnte
eine Wohnung meist mit den Kindern zusammen, der feste Freund
hatte eine
räumlich getrennte Unterkunft. Gemeinsame Zeiten
beschränkten sich auf die
Wochenenden, Feiertage und gelegentlich auch auf den Urlaub. Diese
Form konnte
längere Zeit stabil bleiben.
Den
meisten Frauen in einer archaischen
Ehegemeinschaft gelang es später, auf Grund ihrer überlegenen
sozialen
Kompetenz, sich mit ihren Kindern zusammen gegen den Mann zu verbinden
und
diesen bis zum Äußersten zu bringen, sodass die Ehe
aufgelöst werden konnte.
Das
Selbstwertgefühl der Männer geriet in eine
nicht mehr zu beseitigende Krise. Es bildete sich in ihren Reihen
Widerstand
aus, der ein Zurück zu den traditionellen
Rollenverteilungen zwischen Mann
und Frau in der Gesellschaft propagierte. Besonders heftig wurde
das Gendermainstreaming, das
Gleichstellen
der Geschlechter, bekämpft. Das war ein entscheidender Fehler
der konservativen
Männerbewegungen, der dann folgerichtig die
Wahrscheinlichkeit einer
Katastrophe erhöhte.
Die
klassische
Rollenverteilung zwischen Mann und Frau war am Ende.
Fortpflanzung
und Erhaltung der Art
Höhere
Lebewesen auf dem Planeten Erde sind polar
organisiert in weibliche und männliche Exemplare.
Die
Entwicklung hat gezeigt, dass es sehr sinnvoll
war. Ein neues Lebewesen entstand in der Regel je zur Hälfte aus
den
Erbinformationen seines weiblichen und männlichen
Elternteils. Es entstanden
ständig neue Mischungen der Eigenschaften und angeborenen
Fähigkeiten und
jedes neue Exemplar Mensch war ein Individuum. Durch dieses
ständige Mischen,
verbunden mit den Mutationen, konnte auf
Umweltveränderungen, die auch in
Form verheerenden Krankheiten auftraten, besser reagiert
werden.
Sehr
sinnvoll war auch die Differenzierung in
männlich und weiblich. Das ermöglichte die Spezialisierung
des ansonsten universalistisch
entwickelten Menschen. Jagende Männerhorden waren
den konkurrierenden
Raubtieren zumindest ebenbürtig gewesen. Diese, sich in
Jahrtausenden herausgebildete
Spezialisierung, wurde später zu einem Hindernis der weiteren
Entwicklung. Es
war eine Sackgasse der Evolution geworden. Diese Spezialisierung war
vorteilhaft
auf einer niederen Stufe der Intelligenzentwicklung. Aber es war
ja auch diese
Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten, die den Abstand zum
Tierreich
ständig vergrößerte und all das, was aus dem
Tierreich stammte, obsolet werden
ließ.
Durch
äußerliche Einwirkungen auf das Erbmaterial
und besonders auf die sehr empfindlichen männlichen
Samenzellen entstanden ständig
Abweichungen, Mutationen. Die meisten dieser Mutanten waren schlechter
angepasst als ihre Eltern, einige sehr wenige aber auch besser. Die
natürliche
Auslese bei den Paarungsriten sorgte dafür, dass die besseren ihre
neuen
Fähigkeiten und Eigenschaften fortpflanzen konnten. Die
männlichen Exemplare
einer Gattung hatten die Aufgabe, die genetischen
Veränderungen in ihrer
Gattung zu beschleunigen.
Diese
Art der Fortpflanzung kam erst sehr spät auf
den Prüfstand der Evolution. Es gab enorme Widerstände bei
der sich langsam
herauskristallisierenden Gewissheit, dass diese Methode der
Fortpflanzung ein
Hindernis für die Weiterentwicklung der Menschheit war. Es
war nicht nur ein
Hindernis, diese Art der Vermehrung der menschlichen Rasse
gefährdete sogar
ihren Fortbestand.
Die
Männer wollten nicht begreifen, dass ihr
Beitrag für die Zukunft der Menschheit aus den verschiedensten
Gründen
irrelevant war. Dabei wurden Gentechnologien einfach ignoriert, die
neue
Menschen über In-vitro-Fertilisation, intrazytoplplasmatische
Spermieninjektion, Klonen (vehement bekämpft, vor allem von
religiösen
Moralisten) oder später dann die Vereinigung zweier weiblicher
Eizellen, deren Chromosomenzahl
auf die Hälfte reduziert wurde.
Es
wurde immer wahrscheinlicher, dass der
menschliche Nachwuchs in einer künstlichen Gebärmutter
aufwachsen konnte und
das die dazu benötigten Ei- und Samenzellen aus Stammzellen auch
außerkörperlich gezüchtet werden konnten. Selbst
wenn es eine gewisse Zeit
dauerte, bis diese Technologie voll ausgereift war, kam sie jedoch
nicht zu
spät.
Aggressionen
der Männer, die sich hauptsächlich im Physischen
ausleben, werden immer stärker gesellschaftlich geächtet.
Diese Aggressionen
müssen (von ihren Besitzern) verdrängt werden. Nur leider
heißt verdrängen
nicht beseitigen, sondern oft nur verschieben in andere Bereiche
und Gebiete.
Nur ritualisierte Angriffe und Aggressionen (typisch männliche
Sportarten:
Fußball, Football, Stierkampf, Boxen, Tennis…) bei denen
getreten, gestoßen,
geworfen und niedergerungen wird, sind noch als Betätigungsfeld
männlicher
Aggression erlaubt.
Der
gemeine Mann besitzt eine morbide Faszination
für Gewalt und Blut. Autounfälle, Schlägereien schon auf
Schulhöfen,
Boxkämpfe, Automobilrennen, Fußballspiele lockten
täglich Millionen von
begeisterten Männern und Jungen, gierig nach Augenblicken der
Gefahr, Schlägen
ins Gesicht, gebrochenen Knochen, bewusstlosen oder sogar sterbenden
Wettkämpfern.
Karrierismus
und Mobbing, vornehmlich im stetig wachsenden Beamtenapparat,
waren auch kein
vollständiger Ersatz für physische Aggressivität.
Allerdings,
und das führte zu großen Problemen,
kann die eingeübte Aggressivität nicht mehr wirklich
ausgeübt werden. Kriege
als ein geeignetes Instrument dafür sind, da sie den Fortbestand
der gesamten
Menschheit gefährden, nicht mehr länger geeignet. Auch die
sogenannten Präventivkriege
lassen sich nicht länger rechtfertigen.
Als
Folge von psychischen Verdrängungseffekten entsteht
ein weites Spektrum aller möglichen Perversionen in
Subkulturen. Dort
herrscht sadomasochistische Gewalt in kleinen abgeschotteten Kreisen
und
Sekten. Einzeltäter und Amokläufer machen das Problem
"Mann" immer
wieder öffentlich.
Gegen
Ende dieser Übergangszeit entlud sich die verdrängte
und aufgestaute Aggressivität in einem apokalyptischen
Religionskrieg von
vernichtender Brutalität.
Dagegen
ist aggressives Verhalten der Frau (üble
Nachrede, Freundschafts- und Liebesentzug, Verächtlichmachen,
Verspotten,
Intrigieren) sozial erlaubt.
Diese
frauenspezifischen Widersprüche liegen eine
Ebene höher als die Widersprüche einer männerdominierten
Gesellschaft. Aggressionen
der Frau sind, im Gegensatz zu den Aggressionen der Männer, auf
der psychischen
Ebene viel stärker zu finden. Für den Fortbestand der
menschlichen Zivilisation
war es aber von entscheidender Bedeutung, dass die Aggressionen auf der
physischen, auf der körperlichen Ebene verschwanden. Nur die
Lösung dieser männerbedingten
Widersprüche konnte die Gesellschaft insgesamt auf eine
höhere Ebene der Entwicklung
bringen.
Gegen
Ende dieses Zeitalters sind die
Erbhierarchien der Macht zerfallen, die Beamtenhierarchie in beiden
Machtstrukturen,
speziell aber in den weltlichen Strukturen, nimmt immer groteskere
Formen an,
da sie allein noch eine gewisse Existenzsicherheit im Leben geben kann.
Immer
mehr Jugendliche, die sich dem Konkurrenzdruck in der freien Wirtschaft
nicht
gewachsen fühlen, versuchen in diese Oasen der Sicherheit zu
gelangen.
Ein
immer unförmigerer und langsam erstarrender
Beamtenapparat absorbiert alle physische und geistige
Macht der übrigen
Gesellschaft. Sachzwänge und ein undurchdringlicher Urwald
aus
Gesetzesvorschriften wirken immer lähmender auf die Gesellschaft.
Dieser Apparat
ist in hohem Grade egoistisch und auf den Selbsterhalt
orientiert. Das Individuum
in dieser Hierarchie hat seine (steigende) Besoldung und die
gesicherte
Altersversorgung im Auge.
Das
Ziel des Apparates ist es, omnipotent zu sein
und die absolute Macht auszuüben. Die totale Kontrolle und
Machtausübung über
die Individuen der menschlichen Gesellschaft ist das Ergebnis.
Intrigen,
persönliche Bereicherung und psychische Schikanierung des
Restes der
Gesellschaft sind "Tugenden" dieses Apparates. Die Legitimation
wird
aus der Propagierung der "humanen, gewaltfreien Gesellschaft"
geschöpft.
Aggressivität
und andere, dem Männlichen
zugeschriebene Eigenschaften, werden vorerst nach außen
verdrängt. Lokale
Präventivkriege zur Sicherung der Macht werden hinter
verschlossenen Türen
diskutiert und dann mit oft fingierten Kriegsgründen auch
begonnen. Offiziell
werden solche Kriege im Namen der eigendefinierten Freiheit eines
herrschenden
Systems oder zur Bekämpfung des Terrorismus geführt.
In
Wirklichkeit geht es in jedem Falle nur um den
eigenen Machterhalt.
Im
Innenbereich der Gesellschaft werden die
überlebten patriarchalischen Strukturen im individuellen
Zusammenleben
propagiert. Die sogenannte Rollenverteilung soll den patriarchalischen
Anspruch
des Mannes retten. Der Mann sorgt für die Familie mit seiner
Arbeit im Außenraum,
die Frau soll mit der Aufzucht der Kinder, der Ernährung, der
Sauberhaltung der
Wohnung und der Schaffung eine bequemen Umgebung für den Mann
im Innenraum
beschäftigt sein. Es wird das biologische Modell des
Organismus zur
Rechtfertigung bemüht. Die Zelle dieses Organismus ist die Familie.
Dem
entgegen steht die Selbstverwirklichung der
Individuen (vor allem der Frauen) als Nachholbedarf aus
früheren Zeiten.
Damit wird versucht, den bisher unterdrückten weiblichen Teil
der Menschheit
für den totalitären Staat zu gewinnen mit dem Ziel der
Führungselite, sich
eine breitere Legitimation zu verschaffen.
Inzwischen
wird aber ein gravierendes Problem und
Grundübel der Zivilisation langsam ins Bewusstsein
gehoben: Der Mann.
Gipfelpunkt
der Übergangszeit ist die sich langsam
durchsetzende Erkenntnis des "Monsters Mann": Jungen und
Männer sind
potentielle Vergewaltiger und Eroberer und gefährden in
zunehmendem Maße die
Existenz der menschlichen Gesellschaft.
Die
zunehmend fraulichere Gesellschaft musste sich
vor ihnen schützen, wollte sie eine Zukunft haben. Dabei spielte
es keine
Rolle, dass sich bei weitem nicht alle Männer in dieses
Monsterschema einordnen
ließen. Die globalisierte Medienlandschaft machte weltweit die
Gewalttaten der
Männer publik und es entstand eine scheinbar
männerbedingte Gewalt- und
Aggressionsdichte, die vorher so noch nicht öffentlich existiert
hatte. Diese
Probleme waren zwangsläufig eine Folge der weit
fortgeschrittenen körperlichen
und psychischen Differenzierung zwischen den weiblichen und
männlichen
Exemplaren der Spezies Mensch. Eine Androgynisierung, eine
Annäherung in Physis
und Psyche hätte diese Schwierigkeiten längerfristig
mildern und vielleicht
sogar beseitigen können. Doch dazu kam es nicht.
Sport
war größtenteils Kampfsport und darauf
ausgerichtet, die Kampfmaschine Mann fit zu halten. In
Sportstätten und Fitnessstudios
wurde der männliche Körper trainiert, als müsste er in
eine Schlacht mit
Schwert und Schild. Doch seine Betätigung schränkte sich
immer mehr ein auf das
Halten eines Schreibgerätes und auf das Bedienen einer Tastatur.
Dieser
Widerspruch wurde und wollte auch nicht
erkannt werden.
Das
propagierte männliche
Monsterspektrum:
|
Eunuch
|
<Spektrum >
|
Lustmörder
|
|
In
einem letzten quälend lustvollen Orgasmus lässt er
sich die Hoden und den Penis abschneiden.
|
Was
dazwischen liegt ist stierhaft, tierisch bis hündisch
unterwürfig. Auf alle Fälle immer triebhaft tierisch.
|
Orgasmus
wird erreicht, wenn ein erwachsener Mensch (oder noch
schlimmer ein Kind) zu Tode gequält wird.
|
|
Und
das am liebsten auch noch von Frauen.
|
In
jedem Mann steckt so ein (manchmal recht gut) getarntes Monster.
|
Kastrieren
reicht hier nicht mehr.
|
|
|
Zwischen
den Extremen gibt es nichts, absolut nichts, was diese behaarten
Monster akzeptabel macht könnte.
|
|
In
Kriegen jeglicher Art wurde das "Monster
Mann", auch das bisher gut getarnte, zum Frauen- und
Kinderschänder und Mörder.
Oft kamen in diesen Kämpfen mehr Frauen und Kinder als Soldaten
um.
Kriege
waren untauglich geworden, die Männer auf
ein für die Gesellschaft erträgliches Maß zu reduzieren
und der Gesellschaft
neue Ziele zu geben. Technik ist an sich wertfrei. In Folge der
männlichen
Domäne über die "Technik" entsteht eine starke
Gefährdung der Menschheit.
Die frauliche Technikfeindlichkeit mit dem Motto: "Gefährdung
der Menschheit
durch (neue) Techniken" richtete sich gegen die gesamte Technik, da es
unmöglich war, in einer männlich dominierten Gesellschaft,
die Technik nicht gefährlich
werden zu lassen. Jede neue technische Entwicklung wurde
zunächst abgelehnt
und bekämpft. Das Erhalten und Bewahren, verbunden mit einer
ökologischen Sichtweise,
die nicht weit entfernt von einem „Zurück zur Natur“ angesiedelt
war, stellte
sich technischen Neuerungen in den Weg. Der oft nicht explizit
religiös formulierte
Hintergrund eines Gaia-Organismus der Erde wurde zur Begründung
für die Ablehnung
technischer Entwicklungen herangezogen. Die Komplexität der
einzelnen
Erdsphären, ihre gegenseitige dynamische Kopplung und
Vernetzung erheischte
diese religiöse Betrachtung. Doch konnten diese Strömungen
die weitere
Expansion der Weltwirtschaft nicht stoppen. Alle wirtschaftlichen
Systeme
waren weiterhin nur existenzfähig, wenn sie Wachstum und Expansion
zeigten.
Glücklicherweise
zerstörte sich das Patriarchat auf
Dauer selbst. Jedoch nicht durch die Frauenbewegung, die ihren
Geburtsfehler
"Es den Männern gleichzutun" und "es ihnen zeigen zu wollen"
nur schwer überwinden konnte.
Das
Patriarchat ging an seinen durch die bisherige
Evolution aufgebauten Widersprüchen zu Grunde. Die zunehmende
Intelligenz, vor
allem auch die Zunahme intelligenter und selbstbewusster Frauen in der
Bevölkerung,
ließ diese Widersprüche deutlich werden. Der Mensch
begriff sich immer stärker
als ein Lebewesen, das dem Tierreich entwachsen war. Er wusste, was er
nicht
mehr sein wollte, aber wusste lange Zeit nicht, was er jetzt werden
wollte.
Konnte
man in solch einer Situation noch blind der
Evolution vertrauen?
War
es nicht besser, die Evolution, auch des
Menschen, zu beschleunigen und vor allem sicherer gegen
Rückfälle ins Tierreich
zu machen?
Das
sahen auch immer mehr intelligente Männer ein.
Heftige
Widerstände begannen sich zu formieren, vor
allem von religiösen, älteren Männern, die ihre Macht,
andere, jüngere zu beeinflussen,
in diesem Rollback der alten Traditionen auszunutzen versuchten.
Erst
durch Quoten, später dann durch legale
Machtübernahmen
werden die Männer aus den Führungspositionen
verdrängt.
Objektiv
gab es zunehmend weniger
"ursprüngliche Männer". Durch Umwelt, und
Erziehungs- und
Sozialisierungsprozesse bedingte Impotenz und
freiwilliges Zölibat wurden langsam zu einem Problem. Die
Geburtenraten gingen
in den entwickelten Industrienationen zurück.
Die
menschliche Gesellschaft brauchte dringend mehr
weibliche Fähigkeiten und Tugenden. Doch wie sollten diese
erreicht werden?
Eine weitergefasste Eugenik führte auf Widerstände und konnte
nur sehr langsam
eingeführt werden.
Wie
konnte dem neuen Menschen, vor allem dem neuen
Mann, zum Durchbruch verholfen werden?
Die
Zurückdrängung der obsolet gewordenen,
spezifisch männlichen Eigenschaften musste gewagt werden. Die
Sterilisation
wird zur staatlich sanktionierten Strafe für alle Männer mit
immer weiter
gefassten "Verbrechen und Verfehlungen" wie z. B. aggressivem
Verhalten Frauen und Kindern gegenüber.
Hormone
im Trinkwasser wirkten ebenfalls unterstützend,
sie hemmen zusätzlich die Entwicklung der Hoden und die
Qualität des Spermas.
Hormonelle und psychische Beeinflussung bringt als Ergebnis weniger
Sperma von
schlechter Qualität und weiche Männer, die gerne "Frau" sein
würden.
Es ist ein Ansteigen der Transvestiten und eine schleichende Zunahme
von
Fehlgeburten zu beobachten. Auch Frauen blieben zunehmend unfruchtbar.
Wenn
auch die Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter auf starke
Widerstände
stößt, lässt sie sich nicht mehr aufhalten. Es gibt
gewichtige Gründe dafür.
Das ständige Geburtendefizit in den wohlhabenderen
Ländern wirkte sich langsam
aus. Eine Massenproduktion von Babys erschien immer dringender zu
werden. Die
Nachkommen könnten einer gesteuerten Selektion unterzogen werden.
Nur die wirklich
erwünschten Kinder werden geboren. Die Babys wachsen sicherer in
einer
künstlichen Gebärmutter auf. Störende Einflüsse in
Form von chemischen und
biologischen Schadstoffen wie Alkohol, Nikotin und Medikamenten
könnten
vermieden werden.
Ein
wichtiger Aspekt ist der Vorteil für die Frau.
Sie kann ihre jugendliche Figur länger behalten und sie ist nicht
mehr den
Risiken einer Schwangerschaft ausgesetzt. Sie kann selbst bei
Erkrankungen der
Gebärmutter ihren Kinderwunsch realisieren. Als ein Nebeneffekt
dieser Entwicklung
einer künstlichen Gebärmutter war die nicht mehr notwendige
Bedingung der
Gebärfähigkeit einer Frau. Eine Androgynisierung im
physischen Körperbau bekam
eine größere Chance für die weitere Entwicklung der
Menschen. Weltweit konnte
sich die künstliche Gebärmutter allerdings nicht vor der
Apokalypse durchsetzen.
Durch
eine vornehmlich weibliche Erziehung vom Babyalter
bis zum Abitur wurde zunehmend mehr psychischer Druck auf Jungen
ausgeübt. Es
erfolgte eine gesellschaftliche Ächtung aller Kampf- und
Computerspiele. Die
typisch "männlichen" Kinderspiele wurden aus den
Kinderzimmern verbannt.
Als Folge davon wird die Entwicklung der primären und
sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale
gehemmt. Das ging nicht ohne anfangs erbitterten
Widerstand von Teilen der
männlichen Bevölkerung vonstatten.
In
eine Spätphase wurden Männer auf Grund ihrer
noch vorhandenen typisch männlichen Verhaltenweisen mit dem
Schuldkomplex nicht
mehr fertig, begingen Selbstmord oder meldeten sich freiwillig zur
Sterilisation,
um endlich von diesem Druck befreit und über jeden Verdacht
erhaben zu sein.
"Endlich frei von quälender sexistischer Aggression" war ihr Ziel
und
wurde von immer mehr Männern als Erlösung empfunden.
Ein
geringer Teil der Männer geht in den Untergrund
und verhält sich dort unauffällig amoralisch.
Gegen
Ende dieser Übergangszeit wird bereits den
Eltern von verhaltensauffälligen (aggressiven) Jungen nahegelegt,
einer
Kastration oder Geschlechtsumwandlung zuzustimmen.
Für
solche Fälle, in denen abzusehen war, was aus
diesem latenten Monster von einem Jungen wird, gab es nur zwei
Lösungen:
Kastration oder Geschlechtsumwandlung. Hier ein typisches Fallbeispiel
aus
dieser Zeit:
Ein
fünfjähriges Mädchen sitzt im Buchladen in der
Kinderecke, während seine Mutter
in den Regalen stöbert. Ein 11jähriger Junge nähert sich
dem Kind und spricht
es an. Eine Verkäuferin hört, was der Junge zu dem
Mädchen sagt, und ist
schockiert. In Frauenkreisen nennt man das übelste sexuelle
Belästigung. Dazu der
zeitgemäße Kommentar: Sexuelle Gewalt
oder sexuelle Nötigung ist es auch, wenn ein Jugendlicher ein Kind
oder auch
eine schon ältere Person gegen den erklärten Willen
körperlich berührt, es muss
nicht unbedingt eine erogene Zone sein oder auch ein erzwungener
Kuss zählt
als sexuelle Gewalt und ist sozusagen in dem selben Paragraphen
abgehandelt,
wie die brutale Vergewaltigung.
Hier
ist nur eine Kastration noch sinnvoll.
Als
die Kriminalstatistik immer schlimmere Zahlen
zu Tage förderte und sich die Fallzahlen in immer kürzeren
Abständen
verdoppelten und immer mehr Vergewaltiger noch unter 14 Jahren waren,
die ein
anderes Kind zu sexuellen Handlungen gezwungen oder eine gewaltsame
Penetration
auch mit Gegenständen vorgenommen hatten, wurden die
entsprechenden Gesetze zur
Kastration und Geschlechtsumwandlung der auffälligen Jungen
erlassen.
Zunächst
wurde noch versucht, durch Erziehungsmaßnahmen
das Problem zu bekämpfen. Beschwichtigend wurde behauptet, dass es
besonders
schüchterne, mit wenig sozialen Kompetenzen versehene,
ausgegrenzte, aus Patchwork-Familien
stammende Jungen seien, die selbst Schlimmes erlebt hätten.
Diese Art der
Verharmlosung und Abschiebung des Problems hatte keinen
längeren Bestand, da
die Faktenlage anders war und alle Bereiche der Gesellschaft betraf.
Man
glaubte noch, dass eine Umerziehung Erfolg
haben könnte, bis man einsah, dass auch diese Maßnahmen
keinen Erfolg bringen
konnten. Da halfen dann auf Dauer auch keine beschönigten
Rückfallquoten aus
der Umerziehung.
So
wie sich die
Nebenwirkungen eines Medikamentes nur durch Absetzung des Medikamentes
beseitigen lassen, so konnten auch nur die Nebenwirkungen des
männlichen
Hormons Testosteron durch Beseitigung des Testosterons vermieden werden.
Wenn
ein Sexualdelikt in sehr jungen Jahren
(Kindergarten) begangen wurde, und insbesondere dann, wenn es ein
Sexualdelikt
war, das etwa mit großer Brutalität und als
Einzeltäter, also nicht unter dem
Druck einer Gruppe erfolgte, wenn also solche Dinge vorlagen, dann
wurden nach
der Geschlechtsumwandlung des Jungen auch die Gene der Eltern gesperrt,
denn es
war sicher, dass hier eine kriminelle Karriere vorprogrammiert war.
Hier zwei
zeitgemäße Fälle:
Wenn
4-, 5-,
6-jährige Jungen eine altersuntypische Sexualität zeigten:
den anderen immer
die Hose runterziehen und sie danach anfassen wollten, die eine stark
sexualisierte Sprache benutzten, die bestimmte Mädchen auf der
Toilette einfach
nicht in Ruhe ließen oder überhaupt, wenn Jungens
Mädchen anfassten, dann war
der Tatbestand, der zur Geschlechtsumwandlung führte, voll
gegeben.
Wenn
ein
Jugendlicher eine Freundin hatte, die noch nicht 14 war, und mit ihr
sexuellen
Verkehr, es musste gar nicht Geschlechtsverkehr sein, sondern sexuelle
Kontakte
oder irgendwelche Berührungen hatte und das kam irgendwie heraus
und kam zur
Anzeige, dann wanderte das in die polizeiliche Kriminalstatistik als
ein Fall
eines sexuellen Kindesmissbrauchs. Und das führte dann zu einer
Verurteilung
vor einem Gericht. Kastration des Jungen mit nachfolgender
Arbeitserziehung war
die Strafe.
Später
wurden die
Gesetze dann überfällig und (bis auf wenige Ausnahmen) wurden
alle Jungen nach
der Geburt einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Das war die
folgerichtige
Entwicklung nach der Apokalypse.
Die
gesellschaftlichen Kosten der
"Männergewalt" waren bis dahin bereits bis zu einem
unerträglichen
Maß angestiegen, ebenso das Verhältnis von Mann zu Frau
bei Gewaltdaten. Auf
1000 (physisch) gewalttätige Männer kam nur eine (physisch)
gewalttätige Frau.
Und
wenn diese "physische Gewalttat" der
Frau genauer untersucht wurde, dann war sie ursächlich immer auf
Männer zurückzuführen,
weil frau es wegen eines brutalen Mannes oder wegen Eifersucht getan
hatte.
Nachdem
alle frauenpädagogischen Anstrengungen
vorheriger Zeiten versagt hatten und auch
Sozialisierungsmaßnahmen der
Männlichkeit von wenig Erfolg geprägt waren, brachten dann
endlich die Kastration
und vor allem die Geschlechtsumwandlung im Kindesalter den dringend
erhofften
Erfolg.
Es
wurden Stimmen laut, die nach anderen Wegen der
Evolution fragten. So wurde eine Androgynisierung der Gesellschaft
vorgeschlagen,
eine Angleichung zwischen den Geschlechtern. Die Ausbildung der Jungen
in
aggressionsfördernden Sportarten, wie zum Beispiel
Fußball, sollte aufhören.
Die kleinen Jungen sollten "Küssen statt Kicken" schon in der
Schule
lernen. Eine Minderheit war der Ansicht, dass Frauen und
Männer in der alten
Geschlechterrolle nicht mehr zusammenpassten. Vom Sport mit
seinen
aggressionsfördernden Eigenschaften wollte man nicht lassen,
war er doch die
beste Kriegsvorbereitung schon zu Friedenszeiten.
Eine
neue Ebene der Evolution wurde dennoch
erreicht, nur nicht so friedlich wie der Übergang hätte sein
können.
Die
expansive und ausbeuterisch gewalttätige Etappe
(auf allen Gebieten) der Menschheit war zu Ende. Das "Nachhaltige
Wirtschaften"
wurde dringend notwendig.
Davor
kam es anfangs noch zu religiös
verschleierten Kämpfen ("Heiligen Kriegen") zwischen
patriarchalisch,
religiös orientierten, archaischen Gesellschaften und
sogenannten modernen
Industriegesellschaften. Zum Schluss kämpfte jeder gegen jeden.
Eine
Reihe katastrophaler Zusammenbrüche wirtschaftlicher,
finanzieller, religiöser und sozialer Art sowie
menschlich verschuldeter
Naturkatastrophen leiteten diese Übergangsepoche ein.
Ausgelöst
durch Naturkatastrophen und Rohstoffknappheit,
kam es in der ökonomischen, kommunikativen und politischen
Globalisierung zu
einer sich schnell ausbreitenden Hinwendung zu Glaubensinhalten. Die
Komplexität der Gesellschaft war für das Individuum zu
groß geworden. Zu viele
Fragen mussten rational unbeantwortet bleiben. Dafür gab es dann
die
unterschiedlichen irrationalen Erklärungen der verschiedenen
Glaubensrichtungen. Erkenntnisse, wie etwa die der
natürlichen Evolution aus
einer vorangegangen Epoche des Rationalismus und der Aufklärung,
gerieten in
Vergessenheit. Erst wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse von
religiösen
Fundamentalisten bekämpft und später verschwanden
sie dann aus der immer
stärker religiös ausgerichteten Schulung des Nachwuchses.
Der
religiöse Fundamentalismus in allen Religionen
nahm gewaltige Ausmaße an. Besonders in den monotheistischen
großen, das
Patriarchat stützenden Glaubensgemeinschaften,
breitete sich eine
apokalyptische Endzeitstimmung aus. Die Religionen steuerten auf eine
Entscheidungsschlacht
hin, in der schließlich jeder Mensch gezwungen wurde, sich
für oder gegen den
jeweiligen Gott zu entscheiden. Die grausame Verfolgung der anderen,
der
"Ungläubigen" setzte ein.
Der
Humanismus, wenn es je einen gegeben hatte,
endete auf dem Scheiterhaufen der Geschichte. Die Menschheit schien auf
den
Höhepunkt des sittlichen Verfalls, der Gewaltverbrechen, der
Ungerechtigkeiten
gekommen zu sein. Die Herrschaft des Bösen wurde jeweils in den
anderen
Religionen und Wirtschaftsmächten gefunden, gegen die man dann
unerbittlich den
Endkampf "Gut gegen Böse" führen musste.
Die
eigentliche Ursache, das Auslaufmodell der
Evolution, der Mann, der diese monotheistischen Religionen erst
hervorgebracht
hatte, wurde nur von den wenigsten erkannt. Aber diese wenigen
handelten,
zunächst noch im Verborgenen und später waren sie es
dann, die auf dem Trümmerfeld,
das die Gotteskrieger hinterlassen hatten, die neue Gesellschaft
aufbauten.
Alle
Religionen hatten ihren Anhängern das
"Paradies auf Erden" versprochen, was sie erreichten, war die fast
vollständige Vernichtung der Menschheit im "Apokalyptischen
Nuklearkrieg".
Es
war aber nicht die totale Vernichtung der
Menschheit sondern nur die totale Vernichtung des Patriarchats.
Es
soll nicht unerwähnt bleiben, dass hier einige
Frauen aus dem geheimen Untergrund aktiv beteiligt waren, indem sie die
verbliebenen Gottes-Männer und Gottes-Krieger in ihre "letzten
Gefechte" schickten.
Das
3. Zeitalter, das wahrhaft "Goldene
Zeitalter" konnte jetzt endlich beginnen.
Was
die Insekten, von manchen Biologen als die eigentlichen
Herrscher der Erde bezeichnet, vorgemacht hatten, konnte nun in Angriff
genommen werden: die praktisch monogeschlechtlich stabile
Gesellschaft. Die
physische Entwicklung war zu Ende, jetzt begann die lang ersehnte
geistige Entwicklung
der Menschheit.
Das
Dritte Zeitalter
Lesen
Sie hier weiter über das dritte Zeitalter
<== ZURÜCK
Warum Kampf-Sport immer
den nächsten Krieg vorbereitet.
Diese
Aussage scheint
banal zu sein. Natürlich gab es in der bisherigen Geschichte immer
Körperertüchtigung und Kampfspiele zwischen den vielen
Kriegen. Knaben wurden
von klein auf sowohl im Umgang mit Fernkampfwaffen als auch im Nahkampf
trainiert. Keine Sippe, kein Stamm, keine Volksgruppe konnte sich
sogenannte männliche
“Weicheier“ leisten. Die wenigen Männer, die sich nicht zum Krieg
eigneten,
wurden dann Händler oder übten andere Tätigkeiten aus,
die denen der Frauen
verwandt waren.
Man
könnte auch meinen,
Sport ist heute beinahe Selbstzweck geworden, denn ein moderner Krieg
wird mit
Technik geführt und am Abzug oder Bildschirm muss kein
männlicher Muskelprotz
mehr sitzen, da reicht auch ein schlapper Computerfreak, in
Killerspielen
trainiert, aus.
Doch
dem ist nicht so.
Ein moderner Krieg kommt ohne kräftezehrenden Bodenkampf nicht
aus. Das zeigen
die Erfahrungen der letzten amerikanischen Domestizierungskriege gegen
den
Irak.
Sport
ist natürlich kein
Kriegsgrund, er schafft nur Voraussetzungen für einen Krieg. Man
stelle sich
einen Staat vor, indem die Männer und Frauen nicht in getrennten
Fußballmannschaften
spielen. Würden das viele Männer nicht als lächerlich
empfinden? Aber soweit
muss es ja nicht gehen. Oder wie wäre es, wenn die Männer nur
noch solche
Fitness-Übungen machten wie Gymnastik, Tanzen und Wandern?
Unvorstellbar!
Es
geht ja in
Wirklichkeit im Sport gar nicht primär um Fitness und
Volksgesundheit. Dafür
braucht man keine Kampfspiele.
Vielleicht
macht es nur
Spaß, einen anderen Menschen im Sportkampf zu besiegen. Hinterher
gibt man sich
“ritterlich“ die Hand. Ritterlich? Da sind wir schon wieder fast
übergangslos
in der menschlichen Vergangenheit gelandet.
Ritterturniere,
damit die
Rüstungen nicht einrosten?
Nein,
wir sind im
Ritterturnier bei der Vorbereitung des nächsten Krieges,
zu nichts anderem
dienen diese Turniere.
Mit
dem Spaß, den man
zweifelsfrei erlebt im Kampfsport, hat es eine merkwürdige
Bewandtnis. Woraus
resultiert denn dieser Spaß, den der Kampfsport macht? Aus dem
Auf- und Abbau
von Aggressivität vielleicht? Aus dem Gefühl, der Sieger zu
sein? Siegesfeiern
sind etwas sehr Schönes nach einem…Krieg.
Sport
beherrscht zunehmend das Freizeitverhalten
vieler Menschen – vor allem der Männer – in der ganzen Welt.
Mit Sport wird
viel Geld verdient, für Sport wird viel Geld ausgegeben. Die
Medien suggerieren
uns, Sport sei die schönste Freizeitbeschäftigung, die es
für den modernen
Menschen geben kann.
Doch
was ist Sport wirklich?
Zur
Geschichte des
Sports
Vielleicht
hat es in der Vorzeit des Menschen
irgendwann einmal begonnen mit einer geistigen Vorwegnahme des
bevorstehenden
Kampfes mit einem Tier oder einer konkurrierenden Nachbarsippe.
Man traf sich,
tanzte um das Feuer und warf dann die Lanze mit dem scharfen Stein auf
das
gedachte Tier oder den gedachten Feind. Eine enorme Leistung des sich
entwickelnden menschlichen Gehirnes, eine Leistung, die Roboter heute
noch
nicht beherrschen. (Nach Hans Moravec werden so etwas in
Ansätzen erst die
Roboter der dritten Generation haben, die er für die Zeit ab 2020
prognostiziert.)
Das
Überleben jedes einzelnen Individuums hing
davon ab, wie gut die Jungen und jungen Männer auf solche
Kämpfe vorbereitet
waren. Wer doppelt so weit, doppelt so genau seine Lanze werfen konnte,
wer
doppelt so stark, doppelt so listig wie das Zielobjekt war, der hatte
praktisch
schon gesiegt und die besten Chancen in der Evolution. Hartes Training
von
klein an bot die besten Voraussetzungen im Überlebenskampf.
Und
Frauen, die aufgrund der biologischen
Arbeitsteilung andere Aufgaben hatten, taten gut daran, nur solche
Männer für
die Zeugung ihrer Kinder zuzulassen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit
besaßen,
im Überlebenskampf als Sieger hervorzugehen.
Da
alle von der Evolution gezwungen wurden, so zu
handeln, hatte die hominide Art Mensch gute
Entwicklungsmöglichkeiten. Der einzelne
Mensch gehörte nicht von vornherein zur Spitze der
Nahrungskette, wie etwa ein
Tiger, deshalb musste er auch Teamgeist entwickeln, um gegen die
großen Tiere
und natürlich auch gegen das "Nachbarteam" bestehen zu
können. Unsere
heutigen Generationen sind die Sieger von gestern.
Wen
verwundert es da, dass die Athleten der
Olympischen Spiele ausnahmslos Männer waren? Der postulierte
Beginn des
westlichen Sports waren militärische Übungen zur
Demonstrierung von Mut,
Geschick, Kraft, Schnelligkeit und natürlich Männlichkeit,
denn das Training
fand auch nackt statt. Ja, man kannte auch das Doping in Form einer
speziell
ausgewählten Ernährung und einer Enthaltsamkeit, die
besonders dem Aufbau von
Aggressivität entgegen kam.
Die
Steigerung der Aggressivität und deren
Umsetzung im aggressiven Kampfsport sind heute perfektioniert. Wenn die
normale
Produktion von männlichen Hormonen nicht ausreicht zum Sieg,
werden
Testosteron-Pflaster auf die Hoden geklebt.
Man
muss schon ein Ethik-Akrobat sein, um ein
Training der Aggressivität als ethisch gerechtfertigt anzusehen
und ein
Pflaster als so verwerflich, dass es strafbar sein soll. Das ist reine
Feigenblatt-Ethik.
Sport
trainiert Aggressivität selbst in solchen
Sportarten, die nicht unmittelbar mit einem menschlichen Gegner in
Kontakt
kommen, sondern wo es nur darum geht, als erster ins Ziel zu kommen. Ruder-Bundestrainer Dieter
Grahn nach einem verlorenen Wettkampf: "Möglicherweise haben wir nicht
ganz
richtig trainiert. Die Mannschaft hatte gute Ausdauer- und Kraftwerte.
Aber in
der Grundschnelligkeit gab es Probleme. Das Team war nicht aggressiv
genug. Und
man verliert die Aggressivität, wenn man zuviel Kraft- und
Ausdauertraining
macht. Ich habe mir die Niederlage auch selbst angeheftet."
Immer
wieder wird von Kampfsportlern behauptet, dass Kampfsport
keine Aggression fördert - im Gegenteil.
Er helfe sogar, sie abzubauen.
Jeder kann sich richtig austoben
und so in
der Freizeit ruhiger und gelassener sein. Zusätzlich lernt man
beim Kampfsport
seine Kräfte zu kontrollieren und den Gegner trotz eines Angriffes
nicht zu
verletzen. Man baut ein gesundes Selbstbewusstsein auf und kann so
Konflikten
ganz anders begegnen.
Ich
hört es wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Natürlich kann man das als Kampfsportler behaupten. Aber ist es
nicht
vielleicht auch eine Schutzbehauptung? Weil ja das Ansehen der
"Aggressivität" in der Gesellschaft in Verruf gekommen ist? Aber
um
Aggressivität abbauen zu können, muss sie erst mal aufgebaut
werden. Und
natürlich baut ein Krieg auch die vorher aufgebaute
Aggressivität ab, bis hin
zur, milde gesagt, physischen und psychischen Unfähigkeit, mit dem
Leben danach
fertig zu werden. Und baut sich nicht ein gesundes Selbstbewusstsein
nur bei
den Siegern auf? Bei den ständigen Verlierern kann man sich das
nicht so
richtig vorstellen.
Wie
kann man bei der "härtesten aller
Sportarten" dem Freefight, keine Aggressivität aufbauen oder nur
Aggressivität
abbauen? Woher kommt dann die Aggressivität, die man im Kampfsport
abbauen
muss?
Rätsel
über Rätsel!
Sport
war selbst bei den Chinesen bereits weit vor
Christi Geburt identisch mit militärischen Übungen. Angeblich
wurde um 600 vor
Christus ein ballähnliches Gebilde nicht nur zum reinen
Vergnügen von den
Soldaten bewegt, sondern diente dem Zwecke, den Teamgeist,
Disziplin und körperliche Fitness
für den
Krieg zu stärken.
All
diese antiken Kriegsübungen und
mittelalterlichen Ritterspiele finden wir heute im "modernen
Kampfsport" wieder.
Wobei
die sich humanistisch nennende moderne
Zivilisation gerne vergessen möchte, wo die noch heute wirkenden
Rituale
herkommen und welchen Zwecken sie wirklich dienten und uns immer noch
dienen.
Die modernen Sportethiker heucheln stattdessen: "Der Wettkampf der
Völker
sei der Weg zum Frieden und zur Freundschaft untereinander." Das kann
man
nur Kindern und Toren beibringen, oder es passt in die verlogene
Ideologie der
ehemaligen kommunistischen Ostblockländer.
Die
faschistische Diktatur in Deutschland war da
noch offener als sie den Sport zur körperlichen Ertüchtigung
und Teil der
Kriegsvorbereitung werden ließ. Sport war offiziell eine
vormilitärische Übung
und sollte es auch sein. Bestrebungen bestanden während dieser
Zeit, den Sportunterricht
in den Schulen bis zu fünf Wochenstunden auszudehnen.
Natürlich nur für die
Jungen. Für Mädchen hatte man den Arbeitsdienst in Haus und
Hof. Interessanterweise
propagierte man die sexuelle Enthaltsamkeit und ächtete die
Selbstbefriedigung
der Jungen und jungen Männer, da das natürlich das
Aggressionspotential
steigerte und ohne das lässt sich offenbar kein Krieg beginnen.
Das
Dilemma der
arbeitslosen Kampfmaschine
Aggressives
Verhalten wird in den modernen
Zivilisationen immer stärker gesellschaftlich geächtet. Das
ist eine gute
Nachricht für den Fortbestand der Menschheit. Aggressivität
ist eine der Bürden
aus der Evolution des Menschen aus dem Tierreich, die sich aus einem
einstmals
positiven Entwicklungsfaktor immer stärker zu einem Hindernis der
weiteren
Entwicklung wandelt. Das dringt immer stärker in das kollektive
Bewusstsein. Ob
es jemals die Stufe des Konsenses für die gesamte menschliche
Gesellschaft erreicht,
bleibt jedoch zweifelhaft.
Wo
Licht entsteht, ist auch sogleich ein Schatten
da: Was passiert mit all der Aggressivität, die durch den Sport
weiter
trainiert wird? Kann die so "friedlich" existieren, ohne ihrer
Bestimmung gerecht zu werden und in einem finalen Krieg zu münden?
Kann etwas
trainiert werden, das keinen Sinn mehr ergibt? Natürlich, wird man
sofort
sagen, Sport ist Selbstzweck geworden. Doch so ganz kann man dem nicht
glauben.
Man sollte schon fragen: Wer in der Gesellschaft könnte ein
Interesse an der Verschleierung
der Tatsache haben, dass Kampfsport auch immer eine Kriegsvorbereitung
ist?
Man
spricht nicht mehr von "Wehrertüchtigung".
Sport dient der Gesunderhaltung und persönlichen Fitness und nicht
der Gier
nach Blut und Knochenbrüchen, nach Siegern und Besiegten. Aber es
ist bekannt,
dass viele Olympiasieger und Olympiasiegerinnen Soldaten und
Soldatinnen sind.
Warum
muss es dann aber so mörderische Kämpfe
geben, in denen es "Um viel mehr geht als in einem Spiel auf Leben und
Tod", wie der berühmte Manager Bill Shankley des
Fußballclubs Liverpool
meinte. Und warum besitzen gerade die hehren Kampfsportarten, in denen
es Blut
und Knochenbrüche gibt, die fanatisierten Zuschauermassen? Sind
das die Spiele
der "Brot und Spiele-Politik“? Nein, das wäre zu einfach. Die
Politik
spielt nur mit dem, was sowieso schon vorhanden ist.
Die
anlässlich eines Länderspiels
hochgepuschte Aggressivität eines Fußballländerspiels
triggerte 1969 einen
Krieg zwischen den Staaten El Salvador und Honduras. Bilanz:
ungefähr 3000
Todesopfer und weitere 6000 Schwerverletzte. Die Frage, die hier sofort
auftaucht, ist: Hat Kampfsport allgemein diese triggernden
Eigenschaften? Kann
Sport den Konflikt zwischen zwei Staaten, Staatenbünden oder
anderen
Interessengruppen zur bewaffneten Auseinandersetzung bringen? Das scheint auf dieser Ebene marginal zu
sein. Es reicht ja, wenn der Fußballsport zu kriegsähnlichen
Zuständen unter seinen
Anhängern führt. Da triggert er auch den Aufbau von
Aggressivität der nicht
sporttreibenden Anhänger.
Wehrertüchtigung
durch die beschönigenden Begriffe Gesunderhaltung und
Fitnesstraining zu
ersetzen, ist so etwas wie Stabhochsprung in einer Irrenanstalt ohne
Stab, ohne
Latte und mit falscher Hoffnung (frei nach Epharaim Kishon).
Gesunderhaltung
kann sehr gut und viel effektiver
ohne Kampfsport betrieben werden. Dazu braucht es keine
Kampfsportarten, dazu
braucht es auch keinen Muskelaufbau, der zu Höchstleistungen
befähigt. Nur weil
im Kampfsport auch "regelmäßige körperliche
Aktivität" oder sollte
man lieber sagen "regelmäßige körperliche Dressur"
stattfindet, ist
es noch keine Legitimation für eine zwingend notwendige
Gesunderhaltung.
In
der modernen Familie gibt es keine Rollenteilung
in männliche und weibliche Tätigkeiten mehr, sondern nur noch
eine
Arbeitsteilung. Mann und Frau teilen sich die Hausarbeit,
die Kinderpflege und Erziehung, die Berufskarriere. Warum müssen dann
noch
Frau und Mann eine Ehe führen? Ja natürlich wegen der Kinder.
Doch so einfach
geht das nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei. Der zum Kampf trainierte
Mann
ist arbeitslos. Die körperlich anstrengende Arbeit, die so
einigermaßen als
Surrogat für den Krieg herhalten konnte, verschwindet so langsam.
Die
Kampfmaschine Mann wird arbeitslos und flüchtet sich in noch mehr
Sport. Allerdings
jetzt schon nicht mehr als Training für den Kampf, sondern direkt
als Kampfersatz.
Der
Fußballwahnsinn kann ganze Nationen in den Bann
ziehen und zum stellvertretenden Weltkrieg werden. Im ersten Weltkrieg
zogen
die deutschen Soldaten mit solchen Parolen wie "Jeder Schuss ein
Russ" und "Jeder Stoß ein Franzos" in den Krieg. Mit welchen
Sprüchen ziehen denn die Fußballfans heute in den
Ersatzkrieg? Was kann man da
nicht alles für Kampfgeschrei hören.
Liebe
Sport-Ethik-Funktionäre, es ist sehr löblich,
dass ihr die Zähmung des "Wilden-Fußball-Mannes" versucht.
Aber die
Nebenwirkungen lassen sich nur beseitigen, wenn man den Fußball
als das ächtet,
was er ist: eine Art der Kriegsvorbereitung.
Rituelle
Aggressivität, wie sie besonders in den
sportlichen Kampfübungen wie Fußball, Boxen und Autorennen,
um nur ein paar
massenpsychotische Veranstaltungen zu nennen, geübt wird, kann
durchaus als
sozial geduldeter Stabilitätsfaktor der jeweils herrschenden
Regierung
fungieren. Hinter dem Slogan: "Wir sind die Fußballer der Herzen"
lassen sich große Teile des Volkes fähnchenschwingend
versammeln.
Auch
wenn die Kampfmaschinen schütteres Haar und einen
Bierbauch haben, bleiben sie doch immer verbal die Kampfmaschinen, die
sie in
jüngeren Jahren waren. Ja, sie kennen nichts anderes und wollen
vielleicht auch
nichts anderes.
Sie
sind ein ernst zu nehmendes Problem der
Zukunft.
Massensport
steht immer unter dem Verdacht, die
Militarisierung der Bevölkerung zu betreiben und als
Stabilisierungsfaktor der
Regierung missbraucht zu werden. Gerade die Mannschaftssportarten sind
hervorragend zur emotionalen Steigerung der Aggressivität
geeignet, sie wirken
disziplinierend und haben nur ein Ziel: Sieg.
Jeder
Politiker, der an der Macht bleiben will -
und welcher Politiker will das nicht - wird das ausnutzen
(müssen).
Leider
kann eine Vorbereitung auf einen Krieg, wie
sie der Sport betreibt, nicht ewig dauern. Irgendwann muss es dann auch
den
Krieg geben, auf den man sich, ob nun immer bewusst oder nicht,
vorbereitet hat.
Wer
bezahlt den
Sport und wer braucht ihn wirklich?
Gibt
es vielleicht jemand, der den Sport braucht
und die Bevölkerung manipuliert?
Die
Politiker brauchen ihn als Kriegsersatz.
Katastrophen und Kriege sind immer geeignet, der Machtelite ihre Macht
zu
erhalten und noch mehr Macht zu akkumulieren. Ein paar
Terroranschläge und die
Bevölkerung schreit nach Antiterrorgesetzen, selbst wenn diese
Terroranschläge
nur inszeniert wären und ein Massenvernichtungspotential eines
Schurkenstaates
erlogen ist.
Wessen
Bevölkerung zur Massenhysterie im Sport
fähig ist, wird auch den "Schurken eins auf die Fresse hauen"
wollen.
Die Mächtigen der Politik bezahlen den Sport mit Wohlwollen und
"geistiger
Förderung".
Mit
hartem Geld bezahlt wird der Sport, wie auch
jeder Krieg, vom Steuerzahler. Da spielt es keine Rolle, ob das
Individuum den
Krieg und den Sport ablehnt.
Ethik-Akrobaten
rechtfertigen den "Gerechten
Krieg" und den "Völkerverbindenden Sport" ohne den wahren Grund
für beides zu nennen.
Vergessen
wir nicht die höheren Sportfunktionäre,
die staatlich gefördert, gut vom Sport leben können und ihr
eigenes kleines
Königreich der Macht beherrschen. Der Jugend wird durch die hohen
Gagen einiger
Spitzenfußballer vorgegaukelt, wenn sie auch Fußball
spielen, haben sie für den
Rest des Lebens vorgesorgt. Ein Sechser im Lotto ist sicher
wahrscheinlicher.
Das
wirkt natürlich besonders stark in einer Welt,
in der für Jungen die typischen Männerberufe wegbrechen. Was
da entsteht, ist
eine Zeitbombe, die nur durch geburtenschwache Jahrgänge gemildert
werden kann.
Wer
diesen Sportunsinn mitbezahlt, macht sich auch
mitschuldig. Das trifft für alle Steuerzahler zu, nicht nur
für die, die in die
Stadien gehen.
Man
stelle sich vor, es ist Krieg und keiner geht
hin (frei nach Carl Sandburg). Man stelle sich vor, es ist
Fußball und keiner
geht hin – undenkbar!
Dass
Sport "ein Schlüssel zu Freude und Spaß
und die Akteure zu Freunden werden lässt", wie ein Schüler in
einer im
Internet veröffentlichten Hausarbeit schreibt, zeigt ganz
deutlich, welche
Illusionen von den wahren Verschwörern der Gesellschaft in die
Gehirne der
Jugend implantiert werden. Freude und Spaß an der Niederlage des
Gegners, Freude,
weil man gesiegt hat oder noch siegen muss? Was ist das für eine
Freude und ein
Spaß, die bei der Niederlage und Schwäche des Gegners
entsteht? Das sind nahezu
dieselbe Freude und derselbe Spaß, der nach einem gewonnenen
Krieg entsteht.
Und Freunde? Das sind doch nur Parteifreunde, Kumpane zur
Bekämpfung des oft
geschmähten Gegners. Sportkameradschaft ist direkt vergleichbar
mit Kriegskameradschaft,
man befrage dazu mal alte Kriegsveteranen.
Als
ob Freude, Spaß und Freunde nicht durch
vielfältige andere Aktivitäten gewonnen werden könnten.
Warum
die
Sublimierung der Aggressivität nicht funktioniert.
Frauen
wollen dominante und erfolgreiche Männer,
das hat ihnen die Evolution so diktiert. Man spricht es heute nicht
mehr gerne
offiziell aus, dass frau lieber eine muskelbepackte Kampfmaschine,
ähnlich
vielleicht Tarzan oder einem Neandertaler, begehrt.
Kann
das noch länger als Entschuldigung gelten?
Frauen sind also mitverantwortlich, wenn sich zwei Fleischbullen um das
Weibchen streiten und sie dann dem Sieger den Vorzug gibt.
Aber
liebe Frauen, die dominante Kampfmaschine, die
ihr so sehr begehrt, wird auch euer Untergang sein. Richtig! Nicht nur
der Mann
ist an dem Dilemma unserer Zeit schuld. Frau trägt auch einen
nicht
unbedeutenden Anteil. Ihr bezahlt die Männer für ihr
unzeitgemäßes Verhalten
und seid damit mitschuldig.
Von
den anderen Frauen reden wir nicht, die sind zu
wenige.
Mann
kann ja sagen, die männliche Aggressivität
lässt sich in Kunst und Wissenschaft ausleben. Es gibt
Männer, die nicht
gewaltsam werden, die nicht vergewaltigen wen und was auch immer, die
liebevoll
und zärtlich sind, die so richtig softi sind. Es gibt Männer,
die ihre
männliche Aggressivität in der Wissenschaft ausleben oder
über die geistigen
Grenzen gehen.
Sie
müssen ja nicht unbedingt über den Südpol
wandern und mit erfrorenen Zehen zurückkommen.
Wollt
ihr diese Männer wirklich, diese Schwächlinge
und Weicheier? Viel mehr als
Lippenbekenntnisse der Frauen bleiben davon dann in der Praxis der
Partnerwahl
nicht übrig. Wäre es anders, dann sehe unsere Welt auch ganz
anders aus.
"So
weiter wie bisher" hat ausgedient.
Das Patriarchat hat ausgedient, ist unzeitgemäß. Es
wäre schon längst
beseitigt, wenn es nicht auch von Frauen am Leben gehalten würde.
Wer denkt,
nach dem Patriarchat kommt so etwas wie das Matriarchat wieder, der ist
auf dem
Holzweg.
Gibt
es Wege aus
dem Dilemma?
Lesen Sie hier weiter:
<== ZURÜCK
..
Kommentare:
Kommentar einer Lektorin:
Die Lektüre Ihres
Exposees/Ihrer Leseprobe war für mich
ein spannendes und
zugleich bedrückendes Erlebnis. Dies mag
daran gelegen haben, dass Sie
eine Welt zeichnen, die an
der Oberfläche glatt und
ebenmäßig wirkt, aber unter diesem Deckmantel umso maroder
und angeschlagener
ist. Sofort stellte sich bei mir eine Assoziation zu den Klassikern
»Schöne
neue Welt« von Aldous Huxley und » 1984« von George
Orwell her- was zeigt, dass
Ihr Roman durchaus qualitativ hochwertig, aber keineswegs eine Kopie
dieser
Romane ist oder diverse Konstellationen übernimmt. Hier ist die
Apokalypse
schon vorbei, und der Mensch begibt sich scheinbar auf vermeintlich
verheißungsvolle neue Wege der Evolution; er scheint autark von
gesellschaftlichen Konventionen zu sein, die in der »alten
Welt« zu Problemen
geführt haben und für die zumeist das männliche
Geschlecht verantwortlich
gemacht wurde.
{Findet sich nicht hierin
doch eine Verarbeitung von
»soziologischen Problemen« der Gegen-
wart?) Ihre entworfene
Welt aber ist in Wahrheit eine Welt
ohne Hoffnung, in der der Mensch
an die Abgründe
seiner Existenz gerät und in der es nur noch
Misstrauen zu geben scheint. Alle männlichen Wesen sollen
eliminiert werden;
allein dies ist schon eine ziemlich düstere Vorstellung, an der
aber auch der
eine oder andere kritische Leser Gefallen finden wird. Denn obwohl Sie
dem
Genre Dystopie und somit gewissermaßen auch einer Form folgen,
bringen Sie
sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der sprachlichen Ebene neue
und
interessante Elemente hinein.
Als Beispiel
ist hier zu nennen, dass Sie Grundzüge der heutigen
westlichen Welt (mit der sich ein jeder identifizieren kann) in die
Zukunft
transportieren, was aber nicht unglaubwürdig oder künstlich
wirkt. Die Fiktion
ist Ihnen somit gut gelungen und wird durch den anschaulichen
Erzählstil
gestützt. So weit ich das überblicken kann, ist Ihr Roman
einheitlich und
logisch nachvollziehbar und bedarf somit nur geringer
Überabeitung, was
gemeinsam mit dem Lektorat geschehen.....
<== ZURÜCK
Benötigen Sie Bilder
für Veröffentlichungen? Durchsuchen Sie die FOTO - GALLERIE - FOTOLIA.
|
|