In welcher Welt wollen wir leben?

Alle Literatur, die unter der Flagge SF segelt, beschäftigt sich mehr oder weniger mit Visionen für die Zukunft, seien sie nun utopisch, dystopisch oder vielleicht sogar realistisch. Wobei letzteres wahrscheinlich die uninteressanteste Version ist.
Die Zukunft kennt niemand und das ist vielleicht auch gut so.

Vom Standpunkt der Gegenwart aus betrachtet, erreichen wir die Mannigfaltigkeit der Zukunft wie über ein Galton-Brett, es gibt viele Wege mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit, um eine bestimmte Zukunft zu erreichen.
Eine utopische Zukunft, wie sie gern in der SF-Literatur simuliert wird, ist die des amerikanischen Physikers Michio Kaku (“Physics of the Impossible“). Können wir uns auf seine Vision verlassen, wenn er von der Zukunft behauptet, dass so gut wie alles möglich ist, was man auf der Kinoleinwand sehen kann: Tarnumhänge, Telepathie und Zeitreisen aber auch Teleportation und Antimaterie-Triebwerke?

Angenommen, diese Möglichkeiten existieren tatsächlich, können wir sie als Menschheit auch tatsächlich erreichen? Welche Zivilisation kann diese Visionen zur Realität werden lassen?

Oder profan ausgedrückt: Haben wir das Geld und die dazu notwenige Lust, so etwas auch wirklich zu wollen?

Es wäre ja durchaus auch denkbar, dass unser Zivilisation zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und für einen “Blick zu den Sternen“ keine Kraft hat. Der auch mögliche Untergang unserer Zivilisation besitzt ja durchaus eine von Null abweichende Wahrscheinlichkeit.
Ein Untergangszenario soll hier aber außen vor bleiben.

Die Frage, die immer etwas stiefmütterlich dabei behandelt wird, ist diese: Welche Evolution muss der Mensch selbst, nicht seine technische und energetische Basis, noch über sich ergehen lassen, damit er als “weiterentwickelter Mensch“ der “weiterentwickelten Wissenschaft und Technik“ etwas Adäquates entgegenzusetzen hat.

Tolkien hat uns mit seinen Elben so etwas wie einen Zukunftsentwurf der Menschheit geliefert. Wäre das eine Vision für die biologische Evolution der Menschheit, zumindest für einen Teil der Menschen? Die praktische Unsterblichkeit und noch einige andere Fähigkeiten der Elben sind schon verlockend für uns Menschen.
Doch diese Weiche ist schon lange in eine andere Richtung gestellt. Erinnern wir uns daran, dass die Welt von “Mittelerde“ eine Welt ohne fossile Energieträger ist.

Warum?

Die Zwerge haben sehr tief in den Bergen geschürft, aber Steinkohle haben sie nicht gefunden, so dass die Orks den ganzen Fangornwald abholzen mussten, um ihre Armee mit mittelalterlich primitiven Waffen aufrüsten zu können.
Nur mit Holzkohle, Wasser- und Windrädern ist keine technische Zivilisation unseres Formates zu erreichen. Ist aber die Evolution einer “magischen Zivilisation“, wie die der Elben in einer Welt ohne fossile Energieträger möglich, wenn sie nur lange genug anhält?

Wenn Michio Kaku für eine hochentwickelte technische Zivilisation behauptet, alles, wovon wir träumen, ist möglich, warum soll dann in einer rein biologisch hochentwickelten Zivilisation nicht auch alles möglich sein, wovon wir träumen?
Natürlich keine Raumschiffe! Aber Telepathie und ein wenig Magie vielleicht?

Sarkastisch könnte man ja sagen: Eine Welt ohne fossile Energieträger ist auch unsere Zukunft und die Armeen in Tausend Jahren müssen ihre mittelalterlich primitiven Waffen wieder mit Holzkohle schmieden.
Nein, das müsste nicht so sein, wir haben ja dann das Solarzeitalter erreicht und unsere Welt ist voll von Solarpanelen, Windrädern und Wasserturbinen. Außerdem haben wir auf jedem Kontinent einen Fusionsreaktor stehen, dessen Kühlwasserbedarf die Flüsse zum Verdampfen bringt.

Nur befürchte ich, dass wir diese schöne neue Welt nicht erreichen werden, wenn wir uns als Menschen in unserer Evolution immer noch so nahe am Tierreich halten

 © 2008  Jenni Flieg.




































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